Autor: karin

  • Verkaufen bleibt Beziehungssache: Warum der Handelsnachwuchs die Wirtschaft von morgen prägt

    Verkaufen bleibt Beziehungssache: Warum der Handelsnachwuchs die Wirtschaft von morgen prägt

    In der Diskussion um die Zukunft des Handels stehen oft Automatisierung, Digitalisierung und E-Commerce im Vordergrund. Doch der wichtigste Erfolgsfaktor bleibt der Mensch. Das bewies der Junior Sales Champion 2026 am 15. Juni 2026 im Europasaal der WKO Steiermark eindrucksvoll.

    Am Ende eines intensiven Wettbewerbstages sicherte sich Melanie Resch (Roth Modehaus GmbH) den Titel „Junior Sales Champion 2026“.

    Leidenschaft und Authentizität als Erfolgsfaktor

    „Ich kann noch gar nicht glauben, dass ich es wirklich geschafft habe – ein unglaubliches Gefühl“, freute sich die junge Siegerin unmittelbar nach der Prämierung. Für Melanie Resch ist die Begeisterung für den Beruf der Schlüssel zum Erfolg: „Mode war schon immer meine Leidenschaft – sie unterstreicht die Persönlichkeit.“ Ihr Rat an künftige Generationen: „Bleibt authentisch, bleibt euch treu!“

    Das Stockerl komplettieren zwei weitere Ausnahmetalente: Platz zwei ging an Johanna Putz (Elektrojet Kuterer GmbH), die zusätzlich das Online-Publikumsvoting für sich entschied. Gemeinsam mit Resch wird sie die Steiermark im Herbst beim Bundesfinale in Salzburg vertreten. Den dritten Platz sicherte sich Verena Birnstingl (Österreichische Post AG).

    Siegerehrung des Junior Sales Champion 2026 der WKO Steiermark mit Rainer Rauch, Verena Birnstingl, Melanie Resch, Johanna Putz und Isabella Schachenreiter-Kollerics.

    Der Weg ins Finale: Der Wettbewerb forderte den Jugendlichen einiges ab. Nach einer Vorauswahl via Video-Pitches schafften es die Finalistinnen und Finalisten auf die Bühne. Dort mussten sie in simulierten, zehnminütigen Verkaufsgesprächen nicht nur Fachwissen beweisen, sondern auch spontan auf englischsprachige Kundschaft reagieren und mehrere Kunden gleichzeitig betreuen.

    Das neue Anforderungsprofil: Mehr als nur Freundlichkeit

    Der Wettbewerb macht deutlich, wie sehr sich das Berufsbild im Handel gewandelt hat. Gerhard Wohlmuth, Obmann der Sparte Handel in der WKO Steiermark, betont die strategische Bedeutung einer qualitativen Ausbildung:

    „Unsere jungen Leute arbeiten digital, sprechen Fremdsprachen, kennen ihre Produkte im Detail und schaffen Erlebnisse für die Kundinnen und Kunden. Genau deshalb ist die Lehre im Handel für die Steiermark so wichtig – sie sichert die Qualität im Geschäft und damit auch die Stärke unseres Wirtschaftsstandorts.“

    Ein solcher Erfolg entstehe laut Wohlmuth nicht über Nacht, sondern im starken Zusammenspiel zwischen engagierten Lehrlingen, vorausschauenden Lehrbetrieben und den Berufsschulen.

    Investition in die Zukunft: Betriebe als Mutmacher

    Besonders in wirtschaftlich volatilen Zeiten, geprägt von Teuerung und veränderten Konsumgewohnheiten, ist die Ausbildung eigener Fachkräfte die beste Zukunftsinvestition für Unternehmen. Das bestätigt auch Rainer Rauch, Geschäftsführer des Roth Modehauses und stellvertretender Spartenobmann:

    „Gerade in herausfordernden Zeiten ist es umso schöner, engagierte junge Menschen zu sehen, die mit viel Motivation und Schaffenskraft an einer erfolgreichen Zukunft arbeiten. Es macht mich sehr stolz zu sehen, wie vielfältig die steirische Handelslandschaft aufgestellt ist.“

    Der steirische Handel in Zahlen

    Der Handel ist und bleibt ein Beschäftigungsmotor und einer der wichtigsten Ausbilder des Landes:

    • Rund 500 Lehrbetriebe bilden in der Steiermark aktuell aus.
    • An die 2.000 Nachwuchskräfte sind derzeit in Ausbildung.
    • 25 verschiedene Berufsbilder stehen zur Auswahl – von der klassischen Mode- und Lifestyleberatung über Medizinproduktekauf bis hin zu zukunftsträchtigen Sparten wie dem E-Commerce-Management.

    Damit rangiert der heimische Handel als drittgrößter Lehrlingsausbilder in der Steiermark (österreichweit Platz 2) und sichert aktiv das Know-how für die Wirtschaft von morgen.

    Weiterführende Informationen zur Ausbildung: www.lehreimhandel.at

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  • Starke Nerven, klares Ziel: Judith Rienessel ist Speditions-Superstar

    Starke Nerven, klares Ziel: Judith Rienessel ist Speditions-Superstar

    Mit Professionalität, Kreativität und starken Nerven überzeugten die Nachwuchs-Spediteur bei den StyrianSkills die Jury. Am stärksten präsentierte sich Judith Rienessel: Die 22-jährige Grazerin gewann den Lehrlingswettbewerb der steirischen Speditionskaufleute und wurde zum „Superstar der Spediteure“ gekürt..

    Fachwissen, Englisch und starke Nerven gefragt

    Der Wettbewerb verlangte den Teilnehmer einiges ab. Sie mussten einen anspruchsvollen Geschäftsfall schriftlich lösen, eine fiktive Spedition präsentieren und die Jury davon überzeugen, ihrem Unternehmen einen Auftrag zu erteilen.

    Dabei ging es unter anderem um Transportleistungen, Haftung, Versicherung, Zollabwicklung und die passenden Dokumente. Ein Teil des Gesprächs wurde auf Englisch geführt. Gute Fremdsprachenkenntnisse sind in der international ausgerichteten Speditions- und Logistikbranche besonders wichtig.

    Neben Fachwissen waren auch ein professioneller Auftritt, Kreativität und starke Nerven gefragt.

    „Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Top-Leistungen abgeliefert. Man spürt die Begeisterung und die hohe Motivation“, betonte Norbert Adler, Obmann der Fachgruppe Spedition und Logistik und Mitglied der Jury.

    Beim zweiten Anlauf zum Sieg

    Für Judith Rienessel war es bereits die zweite Teilnahme am Wettbewerb. Im Vorjahr hatte sie den Sieg noch knapp verpasst. Die Erfahrungen aus dem ersten Anlauf und ihre berufliche Praxis halfen ihr diesmal, die Jury zu überzeugen.

    Die Grazerin hat ihre Lehrabschlussprüfungen als Speditionskauffrau und Speditionslogistikerin bereits erfolgreich absolviert. Derzeit arbeitet sie bei Temmel Air & Sea. Dort ist sie unter anderem in den Bereichen Luftfracht, Zollabwicklung und Expresssendungen tätig.

    Aufgrund ihres jungen Alters durfte sie noch einmal bei den StyrianSkills antreten.

    Das sind die weiteren Platzierungen

    Den zweiten Platz erreichte der 18-jährige Maximilian Maier, der sich im dritten Lehrjahr bei Dachser Austria befindet.

    Platz drei ging an den 17-jährigen Florian Hörbinger von ÖBB Rail Cargo. Sein ebenfalls bei ÖBB Rail Cargo beschäftigter Kollege Mark Lepold erreichte den vierten Platz.

    Als Gewinnerin erhielt Judith Rienessel einen Reisegutschein im Wert von 1.000 Euro. Damit möchte sie sich einen lang gehegten Wunsch erfüllen und nach Zypern reisen. Auch die weiteren Teilnehmer konnten sich über Gutscheine freuen.

    Maximilian Maier, Florian Hörbinger und Judith Rienessel (v.l.) dürfen sich über die Stockerlplätze freuen.

    Vom StyrianSkills-Sieger zu den WorldSkills

    Siegerin Judith Rienessel mit Staatsmeister Paul Zadravec und Fachgruppenobmann Norbert Adler bei den StyrianSkills der Spediteure

    Ein ehemaliger Gewinner verfolgte den Wettbewerb diesmal aus einer neuen Perspektive: Paul Zadravec, im Bild links, Sieger der StyrianSkills 2024 und späterer Staatsmeister, war als Beobachter Teil der Jury.

    Für ihn diente der Perspektivenwechsel auch als Vorbereitung auf die WorldSkills, bei denen er im September 2026 in Shanghai antreten wird.

    Welche Aufgaben haben Speditionskaufleute?

    Speditionskaufleute organisieren den Transport von Waren und sorgen dafür, dass Lieferungen zuverlässig, wirtschaftlich und termingerecht an ihr Ziel gelangen.

    Sie planen Transportwege, vergleichen Angebote, erstellen Dokumente und kümmern sich um Fragen rund um Zoll, Versicherung und Haftung. Dabei arbeiten sie mit Kunden, Transportunternehmen, Behörden und internationalen Partnern zusammen.

    Der Lehrberuf verbindet Organisation, kaufmännisches Denken, Kommunikation, Fremdsprachen und internationale Zusammenarbeit.

    Interesse an einer Lehre in der Spedition?

    Welche Unternehmen in der Steiermark Lehrlinge in den Bereichen Speditionskaufmann/-frau und Speditionslogistik ausbilden, zeigt die Lehrbetriebsübersicht der Wirtschaftskammer.

    Dort einfach Steiermark auswählen und nach dem gewünschten Lehrberuf suchen.

    Zur WKO-Lehrbetriebsübersicht:
    https://lehrbetriebsuebersicht.wko.at/

    Fotos: Foto Firscher, WK Steiermark

  • Wird bei der Zukunft gespart?

    Wird bei der Zukunft gespart?

    Warum die Lehre mehr Rückhalt braucht

    Die Wirtschaft schwächelt. Die Stimmung ist schlecht. Und trotzdem fehlt es an Fachkräften.

    Das ist kein Widerspruch. Das ist Demografie.

    Die Babyboomer gehen Schritt für Schritt in Pension. Weniger junge Menschen rücken nach. Betriebe suchen Nachwuchs – und finden ihn nicht immer. Wer jetzt bei Ausbildung spart, löst daher kein Budgetproblem. Er verschiebt es nur: auf die Betriebe, auf die Regionen und auf die nächste Generation.

    Lehrlinge sind nicht die Reservebank des Bildungssystems

    In der Steiermark wurden Ende 2025 laut WKO Steiermark 14.442 Lehrlinge ausgebildet. Das sind 3,3 Prozent weniger als im Jahr davor. Auch bei den Neueintritten zeigt die Kurve nach unten.

    Das ist kein Randthema. Das ist ein Warnsignal.

    Denn Lehrlinge sind jene, die morgen Maschinen warten, Häuser bauen, Anlagen bedienen, Menschen versorgen, Produkte herstellen, Kundinnen beraten und Betriebe am Laufen halten.

    Wenn Universitäten vor Kürzungen warnen, gibt es Proteste, offene Briefe und mediale Aufmerksamkeit. Zu Recht: Forschung und Hochschulen sind wichtig.

    Aber die Lehre ist mindestens genauso entscheidend für die Zukunft des Landes. Nur ist sie leiser. Lehrlinge haben keine so laute Community, keine so sichtbare Lobby und selten dieselbe öffentliche Bühne.

    Genau das macht sie verwundbar. Denn gespart wird politisch gerne dort, wo der Widerstand überschaubar bleibt. Bei der Lehre wäre das fatal kurzsichtig. Wer hier kürzt, spart nicht. Er sägt am Ast, auf dem der Standort sitzt – und verschiebt die Kosten auf Betriebe, Regionen und die nächste Generation.

    Eine Lehrstelle fällt nicht vom Himmel

    Eine Lehrstelle ist kein freier Platz mit Werkzeugkasten. Sie ist eine Investition.

    Ein Betrieb braucht Ausbilderinnen und Ausbilder. Zeit. Material. Maschinen. Kurse. Geduld. Organisation. Und die Bereitschaft, einen jungen Menschen über Jahre aufzubauen.

    Große Unternehmen können das leichter stemmen. Kleine und mittlere Betriebe spüren jeden zusätzlichen Aufwand. Gerade sie sichern aber in vielen Regionen die Ausbildung vor Ort.

    Wenn sie weniger Lehrlinge aufnehmen, verliert nicht nur ein Betrieb Nachwuchs. Dann verliert eine Region an Zukunft.

    Förderungen sind kein Geschenk

    Lehrbetriebsförderungen klingen nach Verwaltung. Tatsächlich geht es um eine einfache Frage: Können Betriebe weiter ausbilden?

    Wenn hier gekürzt wird oder Mittel nicht reichen, trifft das nicht nur Unternehmen. Es trifft Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen.

    Der Staat darf diesen Rückgang nicht noch befeuern.

    Wer Fachkräftemangel beklagt und gleichzeitig bei der Ausbildung spart, sägt an dem Ast, auf dem der Standort sitzt.

    Und KI?

    Auch künstliche Intelligenz wird Berufe verändern. Aber sie wird keine defekte Leitung reparieren, keinen Dachstuhl bauen, keine Pflege übernehmen und keine Maschine vor Ort wieder zum Laufen bringen.

    Praktisches Können bleibt. Technisches Verständnis bleibt. Verlässlichkeit bleibt. Erfahrung bleibt.

    Die Lehre ist kein Bildungsweg zweiter Klasse. Sie ist ein Zukunftsweg.

    Wer bei Ausbildung spart, spart am falschen Ort

    Ein Land, das Fachkräfte braucht, muss dort investieren, wo Fachkräfte entstehen: in Betrieben, Schulen und Hochschulen. Die Lehre verdient dabei mehr Sichtbarkeit.

    Denn Zukunft entsteht dort, wo junge Menschen eine echte Chance bekommen.

    Quellen und Einordnung

    Lehrlingszahlen Steiermark:
    WKO Steiermark, „Wirtschaftliche Lage dämpft Entwicklung am Lehrstellenmarkt“, 23. Jänner 2026. Die WKO nennt für Ende 2025 insgesamt 14.442 Lehrlinge in der Steiermark. Das entspricht einem Rückgang von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einem betrieblichen Lehrverhältnis standen 13.826 Lehrlinge, ein Minus von 3,4 Prozent.
    Quelle: https://www.wko.at/stmk/news/wirtschaftliche-lage-daempft-entwicklung-am-lehrstellenmarkt

    Demografische Einordnung der Lehrlingsentwicklung:
    Wirtschaftskammer Österreich, „Lehre: Warum die Zahl der Ausbildungsbetriebe wirklich sinkt“. Die WKO ordnet den Rückgang der Lehrlingszahlen vor allem demografisch ein und verweist darauf, dass es laut Statistik Austria heute gut 235.000 weniger Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren gibt als vor 45 Jahren.
    Quelle: https://www.wko.at/oe/news/medienservice-lehre-warum-zahl-ausbildungsbetriebe-wirklich-sink

    Fachkräftemangel trotz schwacher Wirtschaft:
    Wirtschaftskammer Österreich, „WKO Fachkräfte-Radar: Gemeinsam Fachkräfte sichern“. Die WKO verweist darauf, dass die Suche nach Arbeits- und Fachkräften trotz schwacher Wirtschaftsleistung eine zentrale Herausforderung bleibt.
    Quelle: https://www.wko.at/fachkraefte/arbeitskraefteradar

    Förderungen für Lehrbetriebe:
    Wirtschaftskammer Österreich, „Förderungen für Lehrbetriebe“. Die Übersicht nennt unter anderem Förderungen rund um zusätzliche Berufsschulstufen, Weiterbildung von Ausbilderinnen und Ausbildern sowie weitere Unterstützungsmaßnahmen in der Lehrlingsausbildung.
    Quelle: https://www.wko.at/lehre/gesamtuebersicht-foerderarten-lehre

    Basisförderung für Lehrbetriebe:
    Wirtschaftskammer Österreich, „Basisförderung“. Die WKO beschreibt die Basisförderung als Förderung der Ausbildung eines Lehrlings über ein Lehrjahr. Die Förderung wird nach Ablauf des jeweiligen Lehrjahres gewährt.
    Quelle: https://www.wko.at/lehre/basisfoerderung

    Uni-Budgetdebatte als Vergleich zur öffentlichen Sichtbarkeit:
    ORF.at, „Sparpläne bringen Tausende auf die Straße“, 27. Mai 2026. Der ORF berichtet über Demonstrationen gegen geplante Kürzungen im Universitätsbudget.
    Quelle: https://orf.at/stories/3431550/

  • Das Handyexperiment: was bleibt davon im Familienalltag?

    Das Handyexperiment: was bleibt davon im Familienalltag?

    ZUKUNFT MEISTERN sucht steirische Jugendliche und Eltern für einen ehrlichen Langzeit-Check zum ORF-Handyexperiment

    Drei Wochen kein Smartphone, kein TikTok, kein Snapchat, kein ständiges Aufblinken am Display: Mehr als 72.000 Kinder und Jugendliche haben im März 2026 beim großen ORF-„Dok 1“-Handyexperiment mitgemacht. Die wissenschaftliche Auswertung zeigt deutliche Effekte auf Schlaf, Wohlbefinden und Internetnutzung. Doch die eigentlich spannende Frage stellt sich erst danach: Was bleibt davon, wenn der Alltag längst wieder zurück ist?

    Drei Wochen ohne Smartphone. Für Erwachsene schon schwer vorstellbar, für Jugendliche beinahe wie ein Ausstieg aus ihrem Leben. Denn am Handy hängt längst nicht nur Unterhaltung. Dort laufen Freundschaften, Klassenchats, Verabredungen, Nachrichten, Musik, Videos – und oft auch das Gefühl, dazuzugehören.

    Trotzdem haben sich im März 2026 mehr als 72.000 Kinder und Jugendliche aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol auf genau dieses Experiment eingelassen. Fast 600 Schulen in Österreich beteiligten sich. Drei Wochen lang sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Smartphone und Social Media verzichten. Wissenschaftlich begleitet wurde das Experiment vom Anton Proksch Institut und der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien.

    Knapp 46.000 Kinder und Jugendliche nahmen an der wissenschaftlichen Begleitforschung teil. Befragt wurden sie vor Beginn des Experiments, unmittelbar nach den 21 Tagen sowie nochmals fünf Wochen später.

    Weniger Handy, besserer Schlaf, mehr Wohlbefinden

    Die Ergebnisse sind bemerkenswert. Laut der auf science.ORF.at veröffentlichten wissenschaftlichen Auswertung verringerten sich Ein- und Durchschlafstörungen nach den drei Wochen ohne Smartphone um 23 Prozent. Das psychische Wohlbefinden stieg insgesamt um etwa 18 Prozent.

    Auch bei depressiven Symptomen zeigte sich eine Verbesserung: Der Anteil der Kinder und Jugendlichen ohne depressive Symptome erhöhte sich um rund 15 Prozent. Dieser positive Effekt war laut Auswertung auch fünf Wochen nach Ende des Experiments noch feststellbar.

    Ein weiterer Befund betrifft die Internetnutzung selbst: Vor Beginn des Experiments zeigten 71 Prozent der Befragten ein problematisches, riskantes oder pathologisches Internetnutzungsverhalten. Nach dem Handyverzicht lag dieser Anteil bei 58 Prozent.

    Und noch etwas ist wichtig: Der Verzicht auf das Smartphone führte laut Auswertung nicht dazu, dass sich die Jugendlichen sozial isolierter fühlten. Viele füllten die plötzlich freie Zeit anders: mit Gesprächen, Musik, Bewegung, gemeinsamen Aktivitäten oder einfach mit dem, was im digitalen Dauerrauschen oft kaum noch Platz bekommt – Langeweile, aus der wieder eigene Ideen entstehen können.

    Zwei Drittel hielten die drei Wochen durch

    Drei Wochen ohne Smartphone sind lang. Vor allem dann, wenn fast das gesamte soziale Leben normalerweise über dieses Gerät läuft. Trotzdem hielten rund zwei Drittel der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen das Experiment über die gesamten 21 Tage durch.

    Das ist nicht deshalb bemerkenswert, weil Jugendliche nun grundsätzlich auf ihre Handys verzichten sollen. Es zeigt vielmehr: Junge Menschen sind sehr wohl bereit, ihren digitalen Alltag zu hinterfragen, wenn sie dabei begleitet werden und die Erfahrung gemeinsam machen können.

    Doch genau hier beginnt die Frage, die Familien besonders betrifft.

    Was passiert, wenn die Challenge vorbei ist?

    Während des Experiments waren viele Jugendliche nicht allein. Freundinnen und Freunde, Schulklassen und Lehrkräfte machten gemeinsam mit. Wer sein Smartphone ausgeschaltet hatte, musste weniger Angst haben, im Gruppenchat etwas zu verpassen oder bei sozialen Kontakten außen vor zu bleiben.

    Aber wie ist es Monate später?

    Was passiert, wenn WhatsApp wieder ständig piepst, TikTok wieder lockt und die Freundinnen und Freunde längst wieder online sind? Bleibt von den drei Wochen etwas im eigenen Alltag zurück? Wird das Handy bewusster genutzt? Gibt es zuhause neue Regeln? Liegt es beim Essen vielleicht öfter weg? Oder war das Experiment eine starke Erfahrung, die im normalen Schul- und Familienleben dennoch rasch wieder verblasst ist?

    Gerade für Eltern ist diese Frage entscheidend. Denn Medienerziehung funktioniert selten über Verbote allein. Sie beginnt dort, wo Familien gemeinsam hinschauen: Wie oft greifen wir selbst zum Handy? Wann stört es Gespräche, Schlaf oder gemeinsame Zeit? Und welche Regeln gelten nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene?

    Der Familien-Check: Was haben auch die Eltern gelernt?

    Ein Smartphone-Verzicht betrifft nicht nur Jugendliche. Eltern mussten begleiten, zuhören, vielleicht auch Frust aushalten. Manche werden erlebt haben, dass ihr Kind unruhiger oder gelangweilter war. Andere vielleicht, dass plötzlich wieder mehr gesprochen, gelesen, gespielt oder gemeinsam unternommen wurde.

    Doch haben auch die Erwachsenen etwas verändert?

    Wer von Jugendlichen verlangt, beim Essen das Handy wegzulegen, muss sich irgendwann auch selbst fragen, ob die berufliche Nachricht wirklich noch am Abend beantwortet werden muss. Wer Bildschirmzeiten begrenzen möchte, kommt am eigenen Scrollen kaum vorbei.

    Das Handyexperiment war deshalb nicht nur ein Test für Jugendliche. Es war möglicherweise auch ein Spiegel für Familien.

    ZUKUNFT MEISTERN sucht steirische Familien: Was ist geblieben?

    Für die Ausgabe ZUKUNFT MEISTERN 2027 möchten wir nicht nur über Zahlen sprechen, sondern mit jenen, die das Experiment tatsächlich erlebt haben.

    Wir suchen ein Eltern-Kind-Gespann aus der Steiermark, das im März 2026 am ORF-„Dok 1“-Handyexperiment teilgenommen hat und bereit ist, einige Monate später ehrlich Bilanz zu ziehen.

    Uns interessiert nicht die perfekte Erfolgsgeschichte. Uns interessiert der Alltag.

    War der Verzicht leichter, weil die Klasse oder Freundinnen und Freunde ebenfalls mitgemacht haben? Was war in den drei Wochen besonders schwierig? Gab es Momente, in denen plötzlich etwas anderes möglich wurde? Wird das Smartphone heute bewusster genutzt – oder ist längst wieder alles wie davor? Welche Regeln haben sich in der Familie verändert? Und haben auch die Eltern ihren eigenen Handykonsum neu betrachtet?

    Wir möchten diese Erfahrung ohne erhobenen Zeigefinger erzählen: ehrlich, persönlich und mit dem Blick darauf, was Familien aus einem außergewöhnlichen Experiment für den eigenen Alltag mitnehmen können.

    Sie haben mitgemacht?

    Dann schreiben Sie uns:

    Kontakt: hoedl@zukunftmeistern.at

    Wir freuen uns auf eine steirische Familie, die bereit ist, offen über ihre Erfahrung mit unserer Redaktion zu sprechen.


    Quelle

    Romana Beer: „Zehntausende Jugendliche auf Handyentzug“, science.ORF.at, veröffentlicht am 27. Mai 2026. Wissenschaftliche Begleitung des ORF-„Dok 1“-Handyexperiments durch das Anton Proksch Institut und die Sigmund Freud PrivatUniversität Wien.

  • Funken, Präzision und volle Konzentration

    Funken, Präzision und volle Konzentration

    Beim Landeslehrlingswettbewerb Metalltechnik 2026 in Mureck zeigten 46 steirische Lehrlinge, wie viel Können, Disziplin und Zukunft in der Lehre steckt.

    Während viele Jugendliche an einem Freitag vielleicht schon ans Wochenende denken, arbeiteten 46 steirische Lehrlinge in Mureck sieben Stunden lang an Werkstücken, Schweißnähten und millimetergenauen Lösungen. Beim Landeslehrlingswettbewerb Metalltechnik 2026 zeigte sich eindrucksvoll, wie viel Können, Disziplin und Zukunft in der steirischen Lehre steckt.

    An der Landesberufsschule Mureck wurde gefeilt, geschweißt, gemessen und konzentriert gearbeitet – unter Zeitdruck und mit den strengen Blicken der Jury. Zusätzlich zum praktischen Teil mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch eine theoretische Prüfung absolvieren.

    Der Wettbewerb wird gemeinsam von der Innung der Metalltechnik sowie der Metalltechnischen Industrie Steiermark der Wirtschaftskammer Steiermark organisiert und gilt seit Jahren als wichtiger Gradmesser für die Qualität der Ausbildung in den Betrieben.

    Und genau diese Qualität war auch 2026 deutlich sichtbar.

    Junge Fachkräfte mit beeindruckender Präzision

    In der Kategorie Maschinenbautechnik – Werkzeugbautechnik überzeugte Leon Rosegger von Magna Presstec GmbH mit der Fertigung einer Spannvorrichtung und einer Schweißübung. Präzision, sauberes Arbeiten und technisches Verständnis waren hier entscheidend.

    Auch in der Maschinenbautechnik – Zerspanungstechnik wurde auf höchstem Niveau gearbeitet. Den ersten Platz holte Thomas Hoffmann von voestalpine BÖHLER Edelstahl GmbH & Co KG, gefolgt von Daniel Pöttler von Rosendahl Nextrom GmbH. Die Aufgabe: ein präzise gefertigter Gabelkopf – ein Werkstück, bei dem bereits kleinste Abweichungen sichtbar werden.

    Besonders eindrucksvoll zeigte sich erneut die Schmiedetechnik. Mario Rottensteiner von voestalpine BÖHLER Aerospace GmbH & Co KG fertigte eine Standuhr mit hoher handwerklicher Genauigkeit und sicherte sich damit den ersten Platz.

    Lehre bleibt Zukunft

    Der Wettbewerb zeigt nicht nur das hohe Niveau der steirischen Metalltechnik-Ausbildung, sondern auch, wie wichtig junge Fachkräfte für Industrie und Wirtschaft bleiben. Hinter jedem erfolgreichen Lehrling stehen Betriebe, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie viele Stunden praktischer Arbeit.

    Gerade Branchen wie Maschinenbau, Metalltechnik oder industrielle Fertigung suchen dringend qualifizierten Nachwuchs. Wettbewerbe wie jener in Mureck machen sichtbar, welches Potenzial bereits heute in den Werkstätten und Lehrbetrieben der Steiermark heranwächst.


    @Foto Fischer

    Hinter den Erfolgen stehen starke Ausbildungsbetriebe

    Die ausgezeichneten Lehrlinge absolvieren ihre Ausbildung unter anderem bei folgenden Unternehmen:

  • „Das ist unfair!“ – und was, wenn genau hier das Problem beginnt?

    „Das ist unfair!“ – und was, wenn genau hier das Problem beginnt?

    Warum weniger Jammern und mehr Lösungsdenken Kindern – und uns Erwachsenen – guttun könnten. Die Einladung zu einem drei Monate langen Familien-Selbstexperiment.

    Was wäre eigentlich, wenn wir drei Monate lang bewusst anders reagieren würden?

    Nicht härter. Nicht kälter. Nicht nach dem Motto: „Stell dich nicht so an.“ Sondern einfach anders. Weniger jammern. Weniger im Problem stehen bleiben. Weniger Schuldige suchen. Und stattdessen öfter fragen:
    „Okay – und was machen wir jetzt daraus?“

    Vielleicht nicht nur bei unseren Kindern. Sondern auch bei uns selbst.

    Denn wenn wir ehrlich sind, haben wir Erwachsenen uns das Jammern längst genauso angewöhnt. Über das Wetter. Über Stress. Über andere Menschen. Über die Arbeit. Über die Politik. Über Zeitmangel. Und unsere Kinder wachsen mitten in dieser Stimmung auf.

    Ich nehme mich da übrigens gar nicht aus. Auch ich jammere manchmal. Natürlich tue ich das. Aber ich merke gleichzeitig, dass ich Probleme meist nicht lange anschauen kann, ohne sofort nach einer Lösung zu suchen. Vielleicht manchmal sogar ein bisschen zu optimistisch, zu blauäugig. Aber genau diese Haltung hat mir oft geholfen, nicht im Frust stecken zu bleiben.

    Und vielleicht liegt genau darin eine wichtige Frage für Familien:
    Was passiert mit Kindern, wenn sie erleben, dass Probleme zwar ausgesprochen werden dürfen – man aber nicht dauerhaft darin wohnen bleibt?

    Kinder lernen nicht aus Vorträgen – sondern durch Beobachtung

    Wenn wir ehrlich sind, hat sich das Beschweren tief in unseren Alltag eingebrannt. Das Wetter ist schlecht. Die Schule unfair. Die Arbeit anstrengend. Die Preise zu hoch. Irgendetwas passt immer gerade nicht.

    Natürlich sollen Kinder Gefühle zeigen dürfen. Natürlich brauchen sie Verständnis, Trost und Mitgefühl. Es geht nicht darum, Probleme kleinzureden oder Kindern Härte beizubringen. Aber vielleicht passiert etwas, das viele Erwachsene gar nicht bemerken:
    Wir bleiben gemeinsam oft zu lange im Frust hängen.

    Wir bestätigen Gefühle, analysieren Situationen und regen uns manchmal sogar gemeinsam mit unseren Kindern auf. Aber wir fragen immer seltener:
    „Was könntest du jetzt tun?“

    Genau hier wird es spannend.

    Der amerikanische Psychologe Julian B. Rotter beschäftigte sich bereits in den 1960er-Jahren mit der Frage, warum manche Menschen Herausforderungen aktiver angehen als andere. Seine Theorie des „Locus of Control“ beschreibt vereinfacht gesagt zwei unterschiedliche Haltungen:
    Die einen erleben sich als handlungsfähig und glauben, selbst etwas verändern zu können. Die anderen fühlen sich Problemen und äußeren Umständen stärker ausgeliefert.

    Und genau dieses Denken entsteht oft nicht erst im Erwachsenenalter. Sondern mitten im Alltag. Bei kleinen Konflikten, bei Frust, bei schlechten Noten, bei Enttäuschungen oder auch bei scheinbar banalen Dingen wie schlechtem Wetter.

    Vielleicht helfen wir manchmal zu schnell

    Der deutsche Psychologe und Generationenforscher Rüdiger Maas beschreibt diese Entwicklung in seinem Buch Generation lebensunfähig bewusst provokant. Seine Sorge: Kinder wachsen heute oft extrem behütet auf und lernen dadurch immer seltener, Probleme selbst zu lösen.

    Nicht weil Eltern etwas falsch machen wollen. Sondern weil sie helfen wollen.

    Wir organisieren, greifen ein, glätten Konflikte und springen oft sofort auf, wenn etwas schwierig wird. Und vielleicht nehmen wir Kindern genau dadurch eine wichtige Erfahrung:
    „Ich kann selbst etwas tun.“

    Dabei entsteht Resilienz wahrscheinlich nicht dort, wo immer alles glattläuft. Sondern dort, wo Menschen erleben:
    „Es war schwierig. Aber ich konnte etwas verändern.“

    Die Idee hinter dem Familien-Experiment

    Vielleicht wäre genau das ein spannendes Experiment. Nicht nur für Kinder, sondern für die ganze Familie.

    Drei Monate lang bewusster darauf achten, wie wir auf Probleme reagieren. Weniger jammern. Weniger Schuldige suchen. Weniger im Ärger stehen bleiben.

    Und stattdessen öfter fragen:
    Was hilft jetzt?
    Was können wir verändern?
    Wie gehen wir damit um?

    Nicht künstlich positiv. Nicht emotionslos. Sondern lösungsorientiert.

    Natürlich gibt es echte Krisen. Echte Sorgen. Echte Ungerechtigkeit. Und gerade junge Menschen kämpfen heute oft mit Dingen, die man nicht kleinreden darf: Mobbing, sozialer Druck, Ängste, Einsamkeit oder das Gefühl, ständig mithalten zu müssen. Unsere Jugend hat es in vielen Bereichen alles andere als leicht.

    Es geht deshalb nicht darum, Probleme wegzulächeln oder Kindern einzureden, jedes Problem sei einfach lösbar. Manche Situationen brauchen Hilfe, Unterstützung und Erwachsene, die genau hinschauen und handeln.

    Aber vielleicht wäre es trotzdem hilfreich, wenn Familien beginnen würden, anders auf viele Alltagsschwierigkeiten zu reagieren. Nicht jedes Problem verschwindet dadurch. Aber vielleicht verändert sich das Gefühl, ihm hilflos ausgeliefert zu sein.

    Drei Monate lang bewusster reagieren: weniger jammern, mehr Lösungen suchen – und gemeinsam herausfinden, was das mit Familien macht.

    Denn vielleicht macht es einen Unterschied, ob Kinder erleben:
    „Alles ist schrecklich und man kann nichts tun.“
    Oder:
    „Ja, das ist schwierig. Aber wir überlegen gemeinsam, wie wir damit umgehen.“


    INFO-BOX: Was bedeutet „Locus of Control“?

    Der Begriff stammt vom amerikanischen Psychologen Julian B. Rotter.

    Er beschreibt damit die Frage, ob Menschen eher glauben,

    • ihr Leben selbst beeinflussen zu können
      oder
    • äußeren Umständen ausgeliefert zu sein.

    Psychologen sehen darin bis heute einen wichtigen Faktor für Motivation, Resilienz und den Umgang mit Krisen.


    Weiterlesen & Hintergründe

  • WorldSkills 2026: Die steirische Jugend zeigt in Shanghai ihr Können

    WorldSkills 2026: Die steirische Jugend zeigt in Shanghai ihr Können

    Wenn im September 2026 bei den WorldSkills in Shanghai die besten Nachwuchsfachkräfte der Welt aufeinandertreffen, ist die Steiermark mittendrin. Das österreichische Skills-Team Austria wächst auf insgesamt 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Steiermark stellt dabei mit zwölf jungen Fachkräften das größte Kontingent aller Bundesländer.“

    Ob Robotik, Grafikdesign, Mode Technologie oder Einzelhandel: Die steirischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen, wie modern, international und leistungsstark die duale Ausbildung heute ist.

    Von 22. bis 27. September 2026 kämpfen rund 1.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt in 64 Berufsbewerben um Medaillen und Weltmeistertitel. Die WorldSkills gelten damit als größte Berufsweltmeisterschaft der Welt.

    Und die Vorbereitung darauf erinnert längst mehr an Spitzensport als an klassischen Unterricht.


    Internationale Trainings als Vorbereitung auf die Weltspitze

    Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer trainieren seit Monaten intensiv für den internationalen Wettbewerb. Vergleichswettkämpfe und Trainingscamps rund um den Globus sollen helfen, sich an das hohe Niveau der WorldSkills heranzutasten.

    Gerade die steirischen Jugendlichen sammeln dabei bereits internationale Erfahrung.

    Die steirische Einzelhandelskauffrau Anna Tritscher absolvierte vor wenigen Wochen ein internationales Vorbereitungstraining direkt in Shanghai und konnte dort erste Wettkampferfahrung sammeln.

    Im Team-Bewerb Robot Systems Integration bereiten sich Kristijan Hrdžić und Gabriel Aldrian bei internationalen Trainings in Ungarn auf die Weltmeisterschaft vor.

    Grafikdesigner Paul Andreas Bürki reist im Mai nach Kanada, um dort Erfahrungen mit internationalen Teilnehmern zu sammeln und sich auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln.

    Auch Julia Kaufmann trainiert international: Im Bereich Mode Technologie absolviert sie Vorbereitungseinheiten in Australien.

    Das Duo Konstantin Hauser und Marwin Kremser wiederum tritt im Bewerb Autonomous Mobile Robotics bei einem Wettbewerb in Kasachstan an.

    Die Vorbereitung zeigt deutlich: Moderne Lehrberufe sind längst international geworden.


    Warum die duale Ausbildung international gefragt ist

    Dass Österreich und speziell die Steiermark bei internationalen Berufsmeisterschaften regelmäßig stark vertreten sind, kommt nicht von ungefähr. Die duale Ausbildung gilt weltweit als Erfolgsmodell.

    Die Kombination aus praktischer Ausbildung im Betrieb und Theorie in der Berufsschule sorgt dafür, dass Jugendliche früh Verantwortung übernehmen und gleichzeitig hochspezialisierte Fähigkeiten entwickeln.

    SkillsAustria-Präsident Josef Herk betont:

    „Unsere jungen Fachkräfte stehen für Leistungsbereitschaft, Präzision und berufliche Leidenschaft. Sie zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in der österreichischen Berufsbildung steckt.“

    Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen solche Leistungen zusätzlich an Bedeutung. Die WorldSkills zeigen, welches Potenzial in jungen Fachkräften steckt – und wie wichtig moderne Lehrberufe für den Wirtschaftsstandort geworden sind.


    Lehrberufe arbeiten längst an den Technologien von morgen

    Wer an klassische Lehrberufe denkt, hat oft noch alte Bilder im Kopf. Die Realität sieht längst anders aus.

    Viele Bewerbe der WorldSkills drehen sich heute um Digitalisierung, Automatisierung, Robotik oder moderne Produktionstechnologien. Die Jugendlichen arbeiten dabei oft näher an den Technologien der Zukunft, als viele vermuten.

    Gerade die Steiermark profitiert von innovativen Ausbildungsbetrieben, starken Industriebetrieben und engagierten Berufsschulen. Sie schaffen gemeinsam die Grundlage dafür, dass junge Fachkräfte auch international konkurrenzfähig werden.

    Die WorldSkills machen sichtbar, wie modern und vielfältig die Lehre heute tatsächlich ist.


    Shanghai wird zur Bühne für die nächste Generation

    Von 22. bis 27. September 2026 wird Shanghai zum Zentrum der internationalen Berufswelt. Rund 1.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt treten dort in 64 Berufen gegeneinander an.

    Für die steirischen Jugendlichen bedeutet die Teilnahme nicht nur die Chance auf Medaillen, sondern auch eine Erfahrung fürs Leben.

    Sie vertreten dabei nicht nur Österreich, sondern zeigen auch international, welche Qualität die Ausbildung in der Steiermark heute erreicht.

    Und vielleicht beweisen genau diese jungen Fachkräfte am deutlichsten, worauf es in Zukunft ankommt: Können, Einsatzbereitschaft, Präzision und die Bereitschaft, ständig weiterzulernen.


    INFO-BOX: WorldSkills 2026

    Ort: Shanghai, China
    Datum: 22. bis 27. September 2026
    Teilnehmer:innen: rund 1.400 junge Fachkräfte aus aller Welt
    Bewerbe: 64 Berufe
    Österreichisches Team: 48 Starter:innen

    Weitere Informationen

    Weitere Informationen zu den WorldSkills 2026 in Shanghai, den Wettbewerbsberufen sowie den Delegations- und Besucherreisen finden Sie unter:

    SkillsAustria – WorldSkills 2026 Shanghai

    Oder Sie schauen wieder bei ZUKUNFT MEISTERN vorbei – wir halten Sie über die steirischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Laufenden.



  • Graz wird zur Arena des Bundeslehrlingswettbewerbs der Tischler

    Graz wird zur Arena des Bundeslehrlingswettbewerbs der Tischler

    Am 20. Juni 2026 verwandelt sich die Grazer Messehalle A in eine Arena der Präzision. 45 der besten Tischler- und Holzgestalter-Lehrlinge Österreichs treten zum großen Bundeslehrlingswettbewerb an. Sie vertreten die Spitze von insgesamt rund 2.000 Talenten, die sich aktuell bundesweit in Ausbildung befinden. Das Besondere: Der Wettbewerb vereint alle Leistungsstufen – vom ersten bis zum vierten Lehrjahr messen sich die Besten ihrer jeweiligen Kategorie, um in Graz ihr handwerkliches Können zu beweisen.

    Für die steirischen Teilnehmer ist der Druck in diesem Jahr besonders hoch. Nach den Gesamtsiegen der letzten beiden Jahre geht das „Tischlerland Steiermark“ als klarer Favorit ins Rennen. Unsere Talente sind die Gejagten – und sie sind bereit, ihren Titel vor heimischem Publikum über alle Lehrjahre hinweg zu verteidigen.

    Das Handwerk der Emotionen: Warum Tischler unvergleichliche Wertschätzung erleben

    Haben Sie sich schon einmal gefragt, was den Tischlerberuf jenseits von Spänen und Skizzen so besonders macht? Neben der beeindruckenden Präzision und Kreativität ist es vor allem eines: die unmittelbare Emotion.

    Gemeinsam für den Nachwuchs: (v.l.n.r.) Wolfgang Hasenburger, Christian Zach, Gerhard Spitzbart und Ludwig Weichinger-Hieden freuen sich auf das Event in Graz.

    „Das Steirerland ist ein Tischlerland. Rund 1700 Betriebe sind eine nachhaltige regionale Wirtschaftsmacht, deren Mitarbeiter europaweit in der Champions League spielen. Das Erfolgsmodell Lehre bildet den Grundstein dafür.“ — Christian Zach, Landesinnungsmeister der Tischler

    Wer hinter die Kulissen der Branche blickt, erkennt eine Form der Wertschätzung, die in unserer Arbeitswelt selten geworden ist. Ob beim Aufbau eines maßgefertigten Einzelstücks oder der kompletten Einrichtung eines Objekts – das Ergebnis ist kein bloßer Gegenstand, sondern die Gestaltung eines persönlichen Lebensraums.

    „Es ist dieses besondere Feedback, die unmittelbare Begeisterung der Menschen, wenn ein neuer Raum entsteht. Das hat man in nicht vielen Berufen.“

    Beim Einrichten geht es um Design, um Ästhetik und damit immer um das Gefühl, „zuhause“ zu sein. Tischler erschaffen mit Holz mehr als nur Funktionalität; sie gestalten Emotionen und erleben den direkten Dank ihrer Kunden oft in dem Moment, in dem das Werkstück den Raum zum ersten Mal prägt.

    Spitzenleistung auf 6.600 Quadratmetern

    Auf einer Wettbewerbsfläche von insgesamt 6.600 m² zeigen die 45 Finalistinnen und Finalisten, was modernes Handwerk leisten kann. Unter den Augen einer Fachjury und unter enormem Zeitdruck wird um Millimeter gekämpft. Bewertet werden:

    • Maßgenauigkeit & Präzision
    • Oberflächenqualität
    • Funktionale Lösungen
    • Gestalterisches Können

    Es ist ein Event der Sonderklasse, das die Attraktivität der dualen Ausbildung sichtbar macht und zeigt, welches Niveau das Handwerk heute bereits in den ersten Lehrjahren erreicht.

    Bundeslehrlingswart Ludwig Weichinger-Hieden, Bundesinnungsmeister Gerhard Spitzbart, Landesinnungsmeister Christian Zach und Landeslehrlingswart Wolfgang Hasenburger präsentierten die Details zum Großereignis.

    Bundeslehrlingswart Ludwig Weichinger-Hieden, Bundesinnungsmeister Gerhard Spitzbart, Landesinnungsmeister Christian Zach und Landeslehrlingswart Wolfgang Hasenburger präsentierten die Details zum Großereignis.

    Mehr als nur Zuschauen: Selbst zum Hammer greifen

    Besucher haben an diesem Tag die einmalige Chance, den jungen Profis direkt über die Schulter zu blicken. Doch es bleibt nicht beim Zuschauen:

    • Steirische Nagelmeisterschaft: Beim „Annageln“ sind alle Gäste eingeladen, selbst aktiv zu werden und ihr handwerkliches Geschick unter Beweis zu stellen.
    • Gänsehaut-Atmosphäre: Landeslehrlingswart Wolfgang Hasenburger verspricht: „Wie kaum anderswo wird sichtbar, wie junge Menschen ihren Beruf mit Freude ausüben. Gänsehautfeeling pur.“
    • Siegerehrung im Stefaniensaal: Der feierliche Höhepunkt findet in einem der traditionsreichsten Säle der Stadt statt – ein würdiger Rahmen für die Elite des österreichischen Handwerks.

    Das Ziel vor Augen: Die begehrte Trophäe für die besten Tischlerlehrlinge Österreichs.

    Kommen Sie am 20. Juni in die Messe Graz und erleben Sie selbst, wie aus dem Werkstoff Holz echte Leidenschaft wird.



  • Green Jobs:                             Was hinter dem Schlagwort wirklich steckt

    Green Jobs: Was hinter dem Schlagwort wirklich steckt

    In diesem Beitrag erfahren Sie:

    • warum Green Jobs aktuell eine neue Bedeutung bekommen
    • was hinter dem Begriff tatsächlich steckt
    • welche Rolle Österreich und die Steiermark dabei spielen
    • warum diese Jobs weniger Idealismus als wirtschaftliche Notwendigkeit sind

    Wenn sich die Weltlage plötzlich im Alltag bemerkbar macht

    Es sind Entwicklungen, die lange weit entfernt wirkten – und plötzlich doch im eigenen Alltag spürbar werden. Der Krieg in der Ukraine dauert an, gleichzeitig hat die Eskalation im Nahen Osten Anfang 2026 eine Region in den Fokus gerückt, die für die globale Energieversorgung zentral ist. Die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports abgewickelt wird, ist längst nicht mehr nur ein geopolitischer Begriff, sondern ein Faktor, der sich in Preisen, Kalkulationen und wirtschaftlichen Entscheidungen niederschlägt.

    Was daraus entsteht, ist weniger ein akuter Mangel als vielmehr ein schleichendes Gefühl von Unsicherheit. Energie wird teurer, Lieferketten reagieren sensibler, Planbarkeit wird schwieriger. Dinge, die lange als selbstverständlich galten, wirken plötzlich fragiler. Und genau in diesem Moment bekommt ein Begriff eine neue Bedeutung, der lange eher nach Zukunftsvision klang als nach konkreter Realität: Green Jobs.


    Wenn aus einem Schlagwort Realität wird

    Green Jobs – das klingt nach Klimaschutz, nach Verantwortung, nach einer besseren Zukunft. Doch dieser Blick greift zu kurz. Denn diese Jobs entstehen nicht aus Idealismus, sondern aus Notwendigkeit. Sie entwickeln sich genau dort, wo wirtschaftlicher Druck am größten ist: bei Energie, Ressourcen und Effizienz. Es geht dabei nicht darum, völlig neue Berufe zu schaffen, sondern bestehende neu zu denken.

    Ein Elektriker installiert heute Photovoltaikanlagen, Industriebetriebe optimieren ihren Energieverbrauch, Unternehmen organisieren ihre Materialien so, dass sie wiederverwertet werden können. Was sich verändert, ist nicht der Beruf selbst – sondern sein Kontext.


    Warum die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist

    Die aktuellen geopolitischen Spannungen machen sichtbar, wie abhängig Europa in vielen Bereichen nach wie vor ist. Diese Abhängigkeit zeigt sich selten durch leere Speicher, sondern vielmehr durch steigende Preise und zunehmende Unsicherheit. Genau daraus entsteht Bewegung. Jede Kilowattstunde, die lokal erzeugt wird, jede Ressource, die im Kreislauf bleibt, jeder Prozess, der effizienter gestaltet wird, reduziert diese Abhängigkeit zumindest ein Stück weit und schafft neue Arbeitsfelder.

    Dass diese Entwicklung längst Realität ist, zeigt sich auch in der Branche selbst. „Wir sind eine Zukunftsbranche, die innovative Green Jobs in einem herausfordernden Betätigungsfeld bietet“, sagt Daniela Müller, Obfrau der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement.


    Green Jobs in Österreich und der Steiermark

    Green Jobs sind kein Zukunftsprojekt mehr. Sie sind längst Realität. In Österreich arbeitet bereits ein beachtlicher Teil der Bevölkerung in Bereichen, die direkt oder indirekt mit Energie, Umwelttechnik oder Kreislaufwirtschaft verbunden sind. Unternehmen reagieren auf steigende Anforderungen und neue Märkte.

    Auch in Österreich – und besonders in der Steiermark – entstehen diese Green Jobs nicht erst, sie sind bereits Teil der wirtschaftlichen Entwicklung. Nachhaltigkeit wird damit nicht mehr als Zusatz verstanden, sondern zunehmend Teil der wirtschaftlichen Grundlogik.

    Gerade die Steiermark zeigt, wie konkret diese Entwicklung bereits geworden ist. Mit ihrer industriellen Struktur und wachsender Kompetenz im Bereich Umwelt- und Energietechnologie entstehen hier Arbeitsplätze, die genau an dieser Schnittstelle liegen. Es geht nicht um einzelne „grüne Projekte“, sondern um eine tiefgreifende Veränderung von Prozessen und Wertschöpfung.


    Ein nüchterner Blick auf „grüne Berufe“

    Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick, denn Green Jobs werden häufig romantisiert. Begriffe wie „Sinn“ oder „bessere Zukunft“ greifen zu kurz, wenn man die Realität dieser Berufe betrachtet. Sie sind technisch anspruchsvoll, wirtschaftlich eingebunden und Teil industrieller Prozesse.

    Ein Unternehmen im Recycling oder in der Energie arbeitet unter denselben Bedingungen wie jede andere Branche auch: Es muss wirtschaftlich funktionieren, effizient sein und sich im Wettbewerb behaupten. Green Jobs sind daher keine Gegenwelt zur Wirtschaft, sondern Ausdruck ihrer Weiterentwicklung.


    Was das für Eltern und Jugendliche bedeutet

    Für die Berufswahl verändert sich damit die Perspektive. Die Frage ist nicht mehr, ob ein Beruf „grün“ ist oder nicht, sondern ob man versteht, wie die Systeme funktionieren, die unsere Zukunft bestimmen. Denn genau dort entstehen diese Jobs – in Technik, Industrie, Planung und Analyse. Es geht um Zusammenhänge, um Prozesse und um die Fähigkeit, bestehende Systeme weiterzuentwickeln.


    Fazit

    Was sich hier zeigt, ist weniger ein Trend als eine Verschiebung. Eine, die längst spürbar ist – in Energiepreisen, in Produktionskosten, im Alltag.

    Green Jobs sind kein kurzfristiges Phänomen, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels, der bereits eingesetzt hat.

    Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: dass sich diese Veränderung nicht irgendwo abspielt – sondern genau dort, wo wir sie täglich erleben.


    FAQ

    Was sind Green Jobs?
    Green Jobs sind Berufe, die zur Schonung von Ressourcen und zum Klimaschutz beitragen, etwa in Energie, Recycling oder nachhaltiger Produktion.

    Welche Green Jobs gibt es in Österreich?
    Typische Beispiele sind Jobs in erneuerbarer Energie, Umwelttechnik, Bau oder Kreislaufwirtschaft.

    Warum sind Green Jobs wichtig?
    Weil sie helfen, Abhängigkeiten zu reduzieren, Ressourcen effizienter zu nutzen und wirtschaftliche Stabilität langfristig zu sichern.


    Weiterführende Informationen für Eltern und Jugendliche

    Haben Sie oder Ihr Kind Interesse daran, tiefer in die Welt der Kreislaufwirtschaft und Ausbildungsmöglichkeiten einzutauchen? Folgende Anlaufstellen bieten hilfreiche Recherchemöglichkeiten und weiterführende Informationen:

    • Berufs- und Bildungskompass (AMS): https://www.berufskompass.at/berufskompass/ Hier finden Sie detaillierte Beschreibungen, Anforderungen und Gehaltsperspektiven zu Ausbildungen in der Umwelttechnik und Abfallwirtschaft.
    • Lehrstellenbörse der WKO: https://www.wko.at/lehre/start Suchen Sie gezielt nach offenen Lehrstellen in der Steiermark oder informieren Sie sich über die konkreten Anforderungen in den Betrieben.
    • Plattform „Zukunft Meistern“: www.zukunftmeistern.at Bleiben Sie auf dem Laufenden mit weiteren Beiträgen zu spannenden Lehrberufen und der steirischen Wirtschaft.

  • Ö3-Jugendstudie 2026: Warum Jugendliche Schule als lebensfern empfinden

    Ö3-Jugendstudie 2026: Warum Jugendliche Schule als lebensfern empfinden

    In diesem Beitrag erfahren Sie:

    • Warum Jugendliche Schule oft als zu weit weg von ihrem echten Leben erleben.
    • Welche Fähigkeiten ihnen heute wirklich fehlen.
    • Warum Eltern dabei eine entscheidende Rolle spielen.
    • Wie Sie Ihr Kind im Alltag ganz konkret stärken können.

    „Das brauche ich doch nie wieder!“

    Wer kennt ihn nicht, diesen Satz? Wir haben ihn früher selbst schon oft genug gesagt und gedacht. Und heute hören wir ihn von den eigenen Kindern – oft noch viel verzweifelter.

    Dabei gab es sie schon in meiner Zeit: Die Lehrer, die den Unterschied machten. Ich erinnere mich an meinen Geschichteprofessor. Bei ihm ging es nie darum, hunderte Jahreszahlen auswendig zu lernen. Er sagte immer: „Es gibt nur eine Handvoll Daten, die ihr wirklich im Kopf haben müsst. Alles andere müsst ihr verstehen. Ihr müsst begreifen, warum etwas passiert ist und wie die Welt im Großen zusammenhängt.“

    Er war die Ausnahme. Und die brandneue Ö3-Jugendstudie 2026 zeigt uns schwarz auf weiß: Was damals eine glückliche Ausnahme war, müsste heute für über 13.500 befragte Jugendliche der Standard sein. Doch die Realität im Klassenzimmer sieht oft noch anders aus. Dass sich daran bis heute zu wenig geändert hat, ist der Grund, warum Jugendliche nicht Wissen an sich vermissen, sondern das Verständnis dahinter.

    Zwischen Stabilität und Orientierungslosigkeit

    Viele Jugendliche sind mit ihrem Leben grundsätzlich zufrieden. Gleichzeitig fühlen sie sich bei den großen Themen oft erstaunlich allein gelassen. Wirtschaft, Politik, Zukunft – alles da, alles präsent, aber oft schwer einzuordnen. Vielleicht, weil Schule noch zu oft so funktioniert, wie sie früher funktioniert hat: mit Stoff, mit System, mit „richtigen“ Antworten. Aber das Leben da draußen stellt völlig andere Fragen.

    „Hands-on“: Anwenden, Verstehen und Kontrollieren

    Der Wunsch nach Praxis ist kein „Nice-to-have“ mehr, er ist eine Strategie zur Selbstwirksamkeit. Die Jugendlichen sagen uns ganz klar, was sie im Klassenzimmer vermissen:

    • Echte Lebenskompetenz: Finanzwissen, Steuern, Versicherungen – es geht darum, die wirtschaftlichen Kreisläufe zu begreifen, um ein eigenständiges Leben zu führen.
    • Diskussion statt Diktat: 87 % wünschen sich echte Debatten. Sie wollen lernen, wie man Argumente schärft und sich eine eigene Meinung bildet, anstatt nur vorgefertigte Antworten zu reproduzieren.
    • KI-Souveränität: 62 % fordern, dass der Umgang mit KI zielgerichtet gelernt wird. Dabei geht es um die Kontrolle. Wer die großen Zusammenhänge nicht versteht, kann nicht beurteilen, ob eine KI Fakten liefert oder „halluziniert“. Nur wer das Fundament kennt, kann der Technik auf Augenhöhe begegnen.

    Wenn Vertrauen schwindet, übernimmt das Netz

    Ein Ergebnis der Studie ist besonders brisant: Das Vertrauen in unsere gesellschaftlichen Säulen – von der Politik bis hin zu klassischen Medien – ist im Keller. Wenn die Schule den Hunger nach realen Antworten nicht stillt, entsteht ein gefährliches Vakuum.

    Dieses Vakuum bleibt nicht leer. Unsere Kinder suchen sich ihre Orientierung dann dort, wo sie sich verstanden fühlen: im Netz. Oft bei Influencern oder in digitalen Blasen, die einfache Antworten auf hochkomplexe Probleme versprechen.

    Wenn Schule lebensfern bleibt und keinen Bezug zur Realität bietet, verlieren wir die Jugend an Algorithmen. Wir treiben sie direkt in die Arme von Kräften, die nicht ihr Bestes im Sinn haben, sondern auf Spaltung und Desinformation setzen. Zukunftskompetenz bedeutet heute deshalb mehr denn je: Die Fähigkeit, Informationen zu prüfen, Zusammenhänge zu verstehen und sich nicht von der nächsten Schlagzeile im Feed steuern zu lassen.

    Was Jugendliche suchen

    Was sich die Jugend wünscht, ist eigentlich erstaunlich bodenständig: Sie wollen verstehen, wie das Leben funktioniert. Geld, Verträge, Entscheidungen. Das klingt nicht nach Rebellion, sondern nach einem sehr klaren Bedürfnis nach Orientierung. Und genau hier wird es für Eltern interessant.

    So stärken Sie Ihr Kind im Alltag:

    • Geld begreifbar machen: Reden Sie über das Haushaltsbudget. Ein fixes Taschengeld in bar ist das beste Training. Wenn die Scheine im Geldbeutel weniger werden, lernt ein Kind mehr über Wirtschaft als aus jedem Schulbuch.
    • Entscheidungen laut aussprechen: Erklären Sie Ihrem Kind, warum Sie sich für diesen Job, diesen Kauf oder diesen Weg entschieden haben. Machen Sie Ihre Logik sichtbar. Das ist das „Hands-on“-Wissen, nach dem sie suchen.
    • Diskussionen aushalten: Geben Sie Ihrem Kind den Raum für eine eigene Meinung, auch wenn sie unbequem ist. Fragen Sie: „Wie kommst du darauf? Wie hast du das überprüft?“ Das ist die beste Impfung gegen Fake News.

    Praxis ist die neue Allgemeinbildung

    Die Ö3-Jugendstudie 2026 ist kein Angriff auf die Lehrer, sondern ein Hilferuf der Jugend nach Relevanz. Jugendliche wollen lernen, sie wollen verstehen und sie wollen anpacken.

    Sobald ein junger Mensch begreift, wie er die Welt um sich herum mitgestalten kann, verschwindet auch der Satz „Das brauche ich nie wieder“. Denn dann wird klar: Wissen ist kein Ballast, sondern das Werkzeug, um die eigene Zukunft souverän zu meistern.