Autor: karin

  • Hier steigt die Zukunft ein: Mehr ÖBB-Lehrplätze für Graz

    Hier steigt die Zukunft ein: Mehr ÖBB-Lehrplätze für Graz

    Die ÖBB haben ihre Lehrwerkstätte in Graz erweitert. Auf rund 640 zusätzlichen Quadratmetern sind moderne Labor-, EDV- und Schulungsräume entstanden. Dadurch können künftig jedes Jahr rund 20 Jugendliche mehr ihre ÖBB-Lehre in Graz beginnen. Insgesamt wurden rund 1,7 Millionen Euro investiert.

    „Irgendetwas mit Technik“ – so beginnt bei Jugendlichen nicht selten die Suche nach dem passenden Beruf. Aber welche Technik? Elektrotechnik, Metalltechnik, Mechatronik oder vielleicht ein Beruf, den man bisher noch gar nicht am Radar hatte?

    Wer sich für Züge, Mobilität, Technik oder große Anlagen interessiert, sollte jedenfalls einen Blick auf die Lehrberufe der ÖBB werfen. Denn in Graz gibt es dafür jetzt nicht nur mehr Platz. Die Ausbildung ist auch in ein steirisches Umfeld eingebettet, in dem Bahnindustrie, Forschung und Transportlogistik eine wichtige Rolle spielen.

    Was wurde in der ÖBB-Lehrwerkstätte Graz erweitert?

    Die Umbauarbeiten in der Grazer Lehrwerkstätte wurden im März 2026 begonnen und rechtzeitig zum Start des neuen Ausbildungsjahres im September abgeschlossen.

    Auf einer zusätzlichen Fläche von rund 640 Quadratmetern entstanden:

    • moderne Labor- und Schulungsräume,
    • EDV-Schulungsräume,
    • ein Elektrolabor,
    • neue Sozialräume,
    • Sanitäranlagen und Garderoben,
    • ein barrierefreies WC sowie
    • ein eigener Erste-Hilfe-Raum.

    Auch die Zahl der Ausbilderinnen und Ausbilder wurde erhöht. Pro Jahr können dadurch in Graz rund 20 zusätzliche Lehrlinge aufgenommen werden.

    Das klingt zunächst nach einer eher nüchternen Baustellenmeldung. Für Jugendliche und ihre Familien bedeutet es aber etwas sehr Konkretes: mehr Ausbildungsplätze und modernere Bedingungen für eine technische Lehre in Graz.

    So viele ÖBB-Lehrlinge wie noch nie

    Mit Beginn des Ausbildungsjahres im September 2026 haben österreichweit 721 Jugendliche ihre Lehre bei den ÖBB begonnen. Insgesamt befinden sich aktuell 2.421 Lehrlinge im ÖBB-Konzern in Ausbildung. Laut Unternehmen ist das ein neuer Höchststand.

    Auch das Interesse an einer ÖBB-Lehre ist groß: Rund 10.000 Bewerbungen gingen beim Unternehmen ein. Wer sich für eine Lehrstelle bei den ÖBB interessiert, sollte sich daher rechtzeitig informieren und nicht erst dann mit der Suche beginnen, wenn eine Bewerbungsfrist beinahe vorbei ist.

    „Die Fachkräfte von morgen fallen nicht vom Himmel. Wer Fachkräfte braucht, muss diese auch konsequent ausbilden.“

    Roman Hebenstreit, Vorsitzender des ÖBB-Konzernbetriebsrats

    Für Eltern ist dabei wichtig: Nicht jedes Kind muss schon Jahre im Voraus einen ganz konkreten Berufswunsch haben. Ein sinnvoller erster Schritt kann auch sein, gemeinsam herauszufinden, ob die Interessen eher im technischen, kaufmännischen oder digitalen Bereich liegen.

    Welche Lehrberufe bieten die ÖBB an?

    Die ÖBB bieten österreichweit 26 unterschiedliche Lehrberufe im technischen und kaufmännischen Bereich an. Welche Lehrstellen aktuell in Graz oder an anderen steirischen Standorten ausgeschrieben sind, kann sich allerdings von Jahr zu Jahr unterscheiden.

    Jugendliche und Eltern sollten daher direkt bei den aktuellen Stellenausschreibungen prüfen:

    • Welcher Lehrberuf wird angeboten?
    • An welchem Standort findet die Ausbildung statt?
    • Welche Voraussetzungen werden verlangt?
    • Wann beginnt die Ausbildung?
    • Bis wann ist eine Bewerbung möglich?

    Auch eine Lehre mit Matura ist bei den ÖBB grundsätzlich möglich.

    Video: „Mach den nächsten Schritt mit einer Lehre bei den ÖBB!“ © ÖBB/unsereOEBB

    Eine Lehre bei der Bahn ist nicht gleich Lokführer

    Bei „Arbeiten bei der Bahn“ denken viele Menschen zuerst an Lokführerinnen und Lokführer oder Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter. Doch hinter dem System Bahn stehen wesentlich mehr Berufe.

    Züge müssen gewartet, technische Anlagen überprüft, elektronische Systeme gesteuert und Schienenwege instand gehalten werden. Hinzu kommen Aufgaben in der Logistik, in kaufmännischen Bereichen und zunehmend auch in der Digitalisierung.

    Deshalb lohnt es sich, nicht nur den Namen des Unternehmens anzusehen, sondern den konkreten Lehrberuf genau unter die Lupe zu nehmen.

    Manche Jugendliche arbeiten gerne praktisch und möchten am Ende des Tages sehen, was sie geschafft haben. Andere tüfteln lieber an elektronischen Systemen, interessieren sich für Computer oder behalten auch bei komplexen Abläufen den Überblick.

    Eltern können dabei mit Fragen helfen:

    • Arbeitet mein Kind gerne mit Werkzeug und Maschinen?
    • Interessiert es sich für Elektronik oder digitale Systeme?
    • Möchte es überwiegend praktisch arbeiten?
    • Kann es sich für technische Zusammenhänge begeistern?
    • Arbeitet es gerne im Team?
    • Wie wichtig sind Genauigkeit und Verantwortungsbewusstsein in diesem Beruf?
    • Passt das Arbeitsumfeld tatsächlich zu meinem Kind?

    Denn ein bekannter Unternehmensname allein macht noch keinen passenden Lehrberuf. Entscheidend ist, ob Aufgaben, Arbeitsumfeld und persönliche Stärken zusammenpassen.

    Früh informieren – gemeinsam, aber nicht anstelle des Kindes

    Eltern können bei der Lehrstellensuche vieles erleichtern: gemeinsam Angebote vergleichen, an Bewerbungsfristen erinnern oder beim ersten Durchsehen der Bewerbungsunterlagen helfen.

    Die eigentliche Entscheidung und die Bewerbung sollten aber beim Jugendlichen bleiben. Schließlich muss nicht die Mutter oder der Vater jeden Morgen gerne in die Lehrwerkstätte gehen.

    Hilfreich ist es, die angebotenen Lehrberufe gemeinsam anzusehen und anschließend das Kind erzählen zu lassen: Was klingt interessant? Was eher nicht? Und warum?

    Oft wird in einem solchen Gespräch schneller klar, welche Richtung passen könnte, als durch die große Frage: „Was willst du einmal werden?“

    ÖBB-Lehre in Graz: Die wichtigsten Zahlen

    • Erweiterung der Lehrwerkstätte: rund 640 Quadratmeter
    • Investition: rund 1,7 Millionen Euro
    • Zusätzliche Ausbildungsplätze in Graz: rund 20 pro Jahr
    • Neue ÖBB-Lehrlinge im September 2026: 721
    • Lehrlinge im gesamten ÖBB-Konzern: 2.421
    • Bewerbungen: rund 10.000
    • Lehrberufe bei den ÖBB: 26 technische und kaufmännische Ausbildungen

    Warum Bahnberufe in der Steiermark Zukunft haben

    Ein Arbeitsplatz ist nie automatisch für alle Zeiten sicher. Mehrere Entwicklungen sprechen aber dafür, dass gut ausgebildete Fachkräfte rund um Bahn, Technik und Transportlogistik langfristig gebraucht werden.

    Die Koralmbahn verändert die Mobilität im Süden

    Die Koralmbahn wurde im Dezember 2025 offiziell eröffnet. Die rund 130 Kilometer lange Strecke schafft eine direkte Bahnverbindung zwischen Graz und Klagenfurt und ist ein zentraler Teil der neuen österreichischen Südstrecke.

    Davon profitiert nicht nur der Personenverkehr. Die Südstrecke ist auch für den Gütertransport in Richtung Südosteuropa und zu den Adriahäfen von Bedeutung. Auf der ausgebauten Bahnverbindung können längere und schwerere Güterzüge geführt werden. Das verbessert die Voraussetzungen dafür, Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

    Damit gewinnt Graz als Verkehrsknotenpunkt weiter an Bedeutung. Wo mehr Menschen und Waren auf der Schiene unterwegs sind, werden Fachkräfte für Betrieb, Technik, Wartung, Infrastruktur, Digitalisierung und Logistik benötigt.

    Graz wird für die Transportlogistik wichtiger

    Auch das Cargo Center Graz in Werndorf wird weiter ausgebaut. Der Standort liegt am Schnittpunkt wichtiger europäischer Verkehrsachsen und verbindet Straße und Schiene.

    Das Land Steiermark verwies bereits bei der Ankündigung des Ausbaus darauf, dass durch die Koralmbahn zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr notwendig werden. Neue Terminalgleise, Portalkräne, Werkstätten sowie weitere Container- und Betriebsflächen sollen den Standort für den kombinierten Verkehr stärken.

    Die Bahn ist also längst nicht nur Personenverkehr. Sie ist ebenso ein wichtiger Teil moderner Transportketten: Güter werden verladen, Verbindungen geplant, technische Anlagen gesteuert und digitale Systeme überwacht.

    In der Steiermark wird Bahntechnik nicht nur angewendet

    Die Steiermark verfügt außerdem über Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die an der Weiterentwicklung des Systems Bahn arbeiten.

    Im an der TU Graz gegründeten „Research Cluster Railway Systems“ beschäftigen sich Partner aus Forschung und Industrie unter anderem mit Schienenfahrzeugtechnik, Bahninfrastruktur, Bahnbetrieb und digitaler Transformation. Auch Simulationen, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge spielen dabei eine Rolle.

    Beteiligt sind beziehungsweise waren unter anderem die TU Graz, die ÖBB, Siemens Mobility, voestalpine und das Forschungszentrum Virtual Vehicle.

    Die Steiermark ist damit nicht nur ein Standort, an dem Züge fahren. Hier wird auch an Technologien für die Bahn von morgen geforscht und gearbeitet.

    Was bedeutet das für Jugendliche?

    Eine ÖBB-Lehre führt nicht in eine kleine technische Nische. Dahinter steht ein breites berufliches Umfeld, das von Elektrotechnik und Metalltechnik über digitale Systeme bis zu Verkehr und Logistik reicht.

    Für Jugendliche, die gerne praktisch arbeiten, technische Zusammenhänge verstehen und an der Mobilität von morgen mitwirken möchten, kann die Bahn deshalb eine interessante berufliche Perspektive sein.

    Entscheidend bleibt trotzdem: Nicht nur die Branche sollte Zukunft haben. Der konkrete Lehrberuf muss auch zu den Interessen und Stärken des jungen Menschen passen.

    Häufige Fragen zur ÖBB-Lehre in Graz

    Wie viele zusätzliche Lehrlinge können in Graz aufgenommen werden?

    Durch die Erweiterung der Grazer Lehrwerkstätte können die ÖBB künftig pro Jahr rund 20 zusätzliche Lehrlinge in Graz aufnehmen.

    Wann wurde die erweiterte Lehrwerkstätte eröffnet?

    Die Erweiterung wurde im September 2026 rechtzeitig zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres fertiggestellt.

    Wie viel wurde in die ÖBB-Lehrwerkstätte Graz investiert?

    Nach Angaben der ÖBB wurden rund 1,7 Millionen Euro in den Ausbau und die neuen Ausbildungsräume investiert.

    Wie groß ist die Erweiterung?

    Die zusätzliche Fläche umfasst rund 640 Quadratmeter. Darauf befinden sich unter anderem neue Labor-, EDV- und Schulungsräume.

    Welche ÖBB-Lehrberufe gibt es in Graz?

    Welche Lehrberufe in Graz tatsächlich ausgeschrieben sind, muss jeweils bei den aktuellen Stellenangeboten geprüft werden. Konzernweit bieten die ÖBB 26 technische und kaufmännische Lehrberufe an.

    Ist bei den ÖBB eine Lehre mit Matura möglich?

    Ja. Nach Angaben der ÖBB kann die Ausbildung grundsätzlich mit der Lehre mit Matura verbunden werden. Die konkreten Voraussetzungen sollten rechtzeitig mit dem Unternehmen und der zuständigen Berufsschule geklärt werden.

    Wo können sich Jugendliche für eine ÖBB-Lehre bewerben?

    Aktuelle Lehrstellen, Ausbildungsstandorte, Voraussetzungen und Informationen zum Bewerbungsprozess finden Jugendliche und Eltern im Karriereportal der ÖBB: Lehre und Karriere bei den ÖBB

    Quellen

    • ÖBB, 7. September 2026: „ÖBB starten mit Rekord ins neue Lehrjahr und nehmen erweiterte Grazer Lehrwerkstätte in Betrieb“, ÖBB-Presseinformation
    • ÖBB, laufend aktualisiert: Informationen zu Lehrberufen, Ausbildung und Bewerbung, ÖBB-Karriereportal
    • ÖBB-Infrastruktur AG, ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum: Informationen zur Koralmbahn und zur österreichischen Südstrecke, Die Südstrecke im Überblick
    • ÖBB-Holding AG, Geschäftsbericht 2025, veröffentlicht 2026: Angaben zur offiziellen Eröffnung der Koralmbahn am 12. Dezember 2025, ÖBB-Geschäftsbericht 2025
    • Land Steiermark, 24. Oktober 2024: „Neue Ära des Güterverkehrs in der Steiermark“, Ausbau des Cargo Terminals Graz
    • TU Graz, 22. Juni 2021: „Die Zukunft auf Schienen: Gesamtsystem Bahn – die Steiermark als internationales Forschungs- und Innovationszentrum“, Research Cluster Railway Systems
  • Geschicklichkeit – und Philosoph? Was alles in einem Kind stecken kann

    Geschicklichkeit – und Philosoph? Was alles in einem Kind stecken kann

    Der Talentcheck im Talentcenter der WKO Steiermark zeigt Jugendlichen, welche Interessen und Fähigkeiten in ihnen stecken. Der persönliche Talentreport enthält auch passende Berufs- und Ausbildungswege. Wirklich hilfreich wird er aber erst, wenn Schule, Beratung und Eltern die Ergebnisse gemeinsam mit den Jugendlichen weiterdenken.

    Geschicklichkeit und Philosophie – auf den ersten Blick liegen da Welten dazwischen. Bei Raphael kamen beide Bereiche im Talentcheck zusammen.

    „Ich habe die Mischung aus Computer- und praktischen Arbeiten sehr interessant gefunden“, erzählt der Schüler. Dabei entdeckte er nicht nur seine Geschicklichkeit neu. Unter den Möglichkeiten, die sich aus seinen Ergebnissen ergaben, fand sich auch der Philosoph.

    Gerade diese Bandbreite überraschte ihn. Und sie zeigt, worum es beim Talentcheck geht: Jugendliche sollen nicht möglichst schnell in eine berufliche Schublade gesteckt werden. Sie sollen erkennen, wie unterschiedlich ihre Fähigkeiten sein können – und welche Wege sich daraus möglicherweise entwickeln.

    Ein Talentreport sagt daher nicht: Das musst du werden. Er sagt vielmehr: Schau genauer hin, auch dort könnte etwas in dir stecken.

    Ein Bericht, kein Berufsurteil

    Jugendliche der siebenten und achten Schulstufe absolvieren im Talentcenter 48 Teststationen. Dabei geht es um Interessen, kognitive Fähigkeiten, Motorik, Aufnahmefähigkeit sowie allgemeine und berufsrelevante Fertigkeiten.

    Am nächsten Tag steht der persönliche Talentreport online zur Verfügung. Er enthält die einzelnen Ergebnisse und dazu passende Berufs- und Ausbildungswege – von der Lehre über weiterführende Schulen bis zum Studium.

    Wichtig für Eltern: Der Report legt ein Kind nicht auf einen bestimmten Beruf fest. Seine Vorschläge sind Möglichkeiten, keine fertigen Entscheidungen. Auch ein unerwartetes Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass der bisherige Berufswunsch falsch war. Es lädt vielmehr dazu ein, genauer hinzusehen.

    Sabine Sattler-Tremesberger, Leiterin des Talentcenters der WKO Steiermark, beim Pressegespräch zu den „Talent Talks“.

    „Das Talentcenter entwickelt sich laufend weiter – sowohl bei der Testung an sich als auch bei den Angeboten, die wir haben.“

    Sabine Sattler-Tremesberger, Leiterin des Talentcenters der WKO Steiermark

    Seit zehn Jahren kommen Jugendliche aus allen Regionen der Steiermark ins Talentcenter. Mittlerweile begleitet die Einrichtung mit unterschiedlichen Angeboten junge Menschen von 13 Jahren bis zur Matura.

    Für Sattler-Tremesberger endet Berufsorientierung jedoch nicht mit dem fertigen Talentreport. Besonders wichtig ist ihr die Zusammenarbeit mit den Schulen. Werden Jugendliche auf den Besuch vorbereitet und ihre Ergebnisse anschließend gemeinsam besprochen, können sie wesentlich mehr damit anfangen.

    Der zweite Blick macht den Unterschied

    Das zeigt auch eine Befragung unter 2.687 ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern: 35 Prozent der Jugendlichen, deren Talentreport in der Schule nachbereitet wurde, gaben an, dadurch ganz neue Stärken entdeckt zu haben. Ohne Nachbereitung waren es 24,2 Prozent.

    Auch die eigene Einschätzung wurde klarer: Mit schulischer Nachbereitung sagten 74,6 Prozent, ihre Stärken und Talente gut zu kennen. Ohne Nachbereitung waren es 66,5 Prozent.

    Eine Lehrerin, die seit Jahren mit ihren Klassen ins Talentcenter kommt, kennt das Problem aus der Praxis. Viele Jugendliche schauen im Report zuerst auf jene Bereiche, in denen sie vermeintlich schlecht abgeschnitten haben. Deshalb bespricht sie die Ergebnisse in Gruppen, arbeitet mit vorbereiteten Arbeitsblättern und führt bei Bedarf Einzelgespräche.

    Ihr Fazit: „Wenn man das nicht nachbereitet, lässt man zu viel Potenzial liegen.“

    Bitte keine Berufsprüfung am Küchentisch

    Auch Eltern können viel dazu beitragen, dass aus dem Talentreport mehr als ein abgelegtes Dokument wird. Dafür müssen sie weder jedes Ergebnis erklären noch sofort den passenden Ausbildungsweg kennen.

    Ein ruhiges Gespräch reicht für den Anfang. Zum Beispiel mit diesen Fragen:

    • Welches Ergebnis hat dich am meisten überrascht?
    • Welche Aufgabe ist dir besonders leichtgefallen?
    • Welcher Berufsvorschlag war völlig neu für dich?
    • Was davon möchtest du dir genauer ansehen?
    • Gibt es ein Ergebnis, das für dich überhaupt nicht passt?

    Gerade die letzte Frage ist wichtig. Ein Test liefert eine Außenansicht. Wie sich ein Jugendlicher selbst erlebt, gehört ebenso zur Entscheidung.

    Und wenn die Schule nicht nachbereitet?

    Nicht jede Schule kann den Talentreport gleich intensiv im Unterricht behandeln. Eltern finden auf der Website des Talentcenters ein Erklärvideo, einen Leitfaden und weitere Unterlagen zur Nachbereitung.

    Zusätzliche Unterstützung bieten die BerufsInfoZentren des AMS Steiermark. Im Rahmen der neuen „Talent Talks“ sollen Vorbereitung, Talentcheck und persönliche Beratung besser miteinander verbunden werden. Die Beratung ist kostenlos und kann bei Bedarf auch gemeinsam mit den Eltern stattfinden.

    Ein Talentreport kann Jugendlichen die Entscheidung über ihre Zukunft nicht abnehmen. Aber er kann ein Gespräch anstoßen, das ohne ihn vielleicht nie geführt worden wäre.

    Weitere Informationen und Unterlagen für Eltern:
    Talentcenter: Informationen für Jugendliche und Eltern

    Quelle: Presseinformation und Pressegespräch von WKO Steiermark, Arbeiterkammer Steiermark, AMS Steiermark, Universität Graz und Talentcenter vom 7. September 2026; Talentcenter der WKO Steiermark.

  • Wenn Berufsorientierung zur Familienfrage wird

    Wenn Berufsorientierung zur Familienfrage wird

    Lehre oder weiterführende Schule: Welcher Bildungsweg passt zu meinem Kind? Für die siebte Ausgabe von ZUKUNFT MEISTERN möchten wir wissen, welche Fragen, Sorgen und Ängste Eltern und andere Wegbegleiter beschäftigen. Denn nur dann können wir jene Antworten geben, die Familien wirklich helfen.

    Am Küchentisch liegen drei Broschüren, zwei Ausdrucke und ein Handy mit zwölf offenen Tabs. Eigentlich wollte man nur kurz über die Zukunft sprechen.

    Dann fällt ein Satz wie: „Ich will aber …“

    Und schon wird daraus eine Familienkonferenz und Grundsatzdiskussion.

    Die Eltern sehen Sicherheit und Zukunftschancen. Der Nachwuchs sieht Interessen, Freunde und vielleicht einen Beruf, unter dem sich zu Hause noch niemand besonders viel vorstellen kann. Oder es ist genau umgekehrt. Kann alles vorkommen.

    Vielleicht kennen Sie diesen Spagat: Man möchte das eigene Kind entscheiden lassen und gleichzeitig verhindern, dass es sich eine wichtige Tür zu früh verschließt. Schließlich will man nur das Beste. Schwierig wird es, wenn das „Beste“ für Eltern anders aussieht als für ihr Kind.

    Wir wollen nicht entscheiden. Wir wollen zuerst verstehen.

    ZUKUNFT MEISTERN möchte Familien Mut zu einer gut informierten Entscheidung machen. Für oder gegen einen bestimmten Bildungsweg.

    Die Lehre ist dabei eine Möglichkeit. Nicht die einzig richtige und nicht automatisch die zweite Wahl. Wir wollen niemanden von einer Lehre überzeugen. Wir möchten aber verhindern, dass sie ausgeschlossen wird, bevor ihre Chancen, Anforderungen und weiteren Möglichkeiten bekannt sind.

    Sechs Ausgaben haben uns viel Erfahrung gebracht – und vielleicht auch ein wenig Berufsblindheit. Wer sich ständig mit Lehre und Berufsorientierung beschäftigt, hält manches irgendwann für selbstverständlich.

    Aber wissen wir deshalb, welche Frage eine Mutter beschäftigt, die abends vor zwölf geöffneten Internetseiten sitzt? Nein.

    Darum wollen wir vor der Planung der siebten Ausgabe zuhören. Denn erst wenn wir Ihre Fragen und Ängste kennen, können wir die passenden Themen setzen und jene Interviewpartnerinnen und Interviewpartner auswählen, die darauf wirklich hilfreiche Antworten geben können.

    Was beschäftigt Eltern und andere Wegbegleiter?

    Was beschäftigt Sie als Mutter oder Vater? Welche Fragen hören Sie als Tante, Onkel, Oma oder Opa? Wo fehlt Orientierung, wenn ein junger Mensch vor einer Bildungsentscheidung steht?

    • Lehre oder weiterführende Schule: Welche Informationen fehlen, um diese Möglichkeiten fair beurteilen zu können?
    • Chancen und offene Türen: Was möchten Sie über Lehre mit Matura und spätere Bildungswege wissen?
    • KI und neue Berufe: Welche Veränderungen machen Ihnen mit Blick auf die Zukunft Ihres Kindes Sorgen?
    • Begleiten, ohne zu bestimmen: Wie erkennt man, was wirklich zum eigenen Kind passt?
    • Wenn Wünsche auseinandergehen: Wie lässt sich darüber sprechen, ohne dass aus Unterstützung Druck wird?

    Vielleicht erscheint Ihnen Ihre Frage zu einfach oder selbstverständlich. Für uns ist sie genau deshalb wichtig. Wir möchten nicht über den Informationsbedarf von Familien hinwegschreiben.

    Bildung wird oft „vererbt“. Aber macht dieses Erbe glücklich?

    Wie stark das Elternhaus mit Bildungsentscheidungen zusammenhängt, zeigt eine 2026 veröffentlichte IHS-Langzeitstudie von Mario Steiner, Nora Haag und Maria Köpping. Analysiert wurden die Wege von 85.535 jungen Menschen.

    Mit 13 Jahren besuchten 65 Prozent der Kinder von Eltern mit Hochschulabschluss eine AHS. Bei Kindern, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss hatten, waren es 11 Prozent. Mit 16 Jahren befanden sich wiederum 36 Prozent der Burschen, aber nur 20 Prozent der Mädchen in einer Lehrausbildung.

    Die Zahlen sagen nicht, welcher Weg für ein einzelnes Kind der richtige ist – und schon gar nicht, ob er glücklich macht. Sie zeigen aber, warum es wichtig ist, auch die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen.

    Zur IHS-Langzeitstudie von Steiner, Haag und Köpping aus dem Jahr 2026

    Mütter im Talk: Was, wenn das eigene Kind anders entscheidet?

    Wie schwierig es sein kann, die eigene Vorstellung vom richtigen Weg loszulassen, zeigen zwei unserer bisherigen Gespräche.

    Monika Haider-Raunigg erzählt im „Mutter im Talk“, dass sie sich für ihren Sohn Philipp zunächst die Matura gewünscht hatte. Er merkte jedoch, dass ihm praktisches Lernen mehr liegt, und entschied sich für den Weg in eine Lehre zum Zweiradtechniker.

    Auch Ute Khom spricht über Zweifel, Erwartungen und das Loslassen. Obwohl sie selbst in der Berufsorientierung arbeitet, überraschte sie die Entscheidung ihres Sohnes Florentin, das Gymnasium zu verlassen und eine Lehre als Mechatroniker zu beginnen.

    Beide Mütter wollten Sicherheit und möglichst viele Chancen für ihre Kinder. Ihre Söhne fanden diese Chancen nur auf einem anderen Weg als zunächst gedacht.

    Ein Abschluss kann Türen öffnen. Ob ein junger Mensch durchgehen möchte, steht auf einem anderen Blatt.

    Welche Frage sollen wir für Sie klären?

    Welche Information fehlt Ihnen? Welche Sorge sollten wir ernst nehmen? Und wen sollten wir für die siebte Ausgabe von ZUKUNFT MEISTERN unbedingt befragen?

    Schreiben Sie uns Ihre Gedanken gerne in die Kommentare. Wir hören zu, fragen nach und nehmen Ihre Impulse in die Redaktionsplanung auf.

    ZUKUNFT MEISTERN 2027 erscheint einmal jährlich in gedruckter Form und wird steiermarkweit verbreitet. Online begleiten wir Eltern und Jugendliche das ganze Jahr über.

    Wir wollen keinen Weg vorzeichnen. Wir wollen die Fragen beantworten, die Familien helfen, ihren eigenen Weg zu finden.

  • Siemens Mobility Graz: Lehrstart für 14 junge Talente

    Siemens Mobility Graz: Lehrstart für 14 junge Talente

    Vier Ausbildungsrichtungen, moderne Technologien und langfristige Karriereperspektiven: Am Grazer Weltkompetenzzentrum beginnt ein neuer Lehrlingsjahrgang seinen Weg in die Bahnindustrie.

    Der erste Schritt ist gemacht: Am 1. September 2026 haben die neuen Lehrlinge bei Siemens Mobility in Graz ihre Ausbildung aufgenommen. Sie lernen dort, wo Fahrwerke und Pantografen für Schienenfahrzeuge entwickelt und gefertigt werden, die weltweit im Einsatz sind. Nach Angaben des Unternehmens liegt die Übernahmequote nach dem Lehrabschluss bei 99 Prozent.

    Vom ersten Lehrtag in eine Zukunftsbranche

    Ein erster Arbeitstag ist immer ein Einschnitt: neue Menschen, neue Abläufe und plötzlich eine Verantwortung, die weit über den Stundenplan hinausgeht. Für die 14 neuen Siemens-Lehrlinge beginnt dieser Weg in einem Werk, in dem moderne Bahnindustrie, Digitalisierung und handwerkliches Können unmittelbar zusammenkommen.

    Siemens verbindet damit ein klares Ziel: Junge Fachkräfte sollen nicht nur einen Lehrabschluss erwerben, sondern langfristig im Unternehmen bleiben. Nach Angaben des Unternehmens werden 99 Prozent der Lehrabsolventinnen und Lehrabsolventen übernommen. Das ist für Jugendliche eine konkrete berufliche Perspektive – und für die Steiermark ein Beitrag zur Sicherung jener Fachkräfte, die Industrie und Mobilitätswirtschaft dringend benötigen.

    „Wir haben Jobs, mit denen sich eine Zukunft gut planen lässt.“

    Stefan Erlach, Standortleiter Siemens Mobility Graz, im Gespräch mit ZUKUNFT MEISTERN 2026

    Was die Lehre bei Siemens Mobility auszeichnet

    Im Mittelpunkt stehen fachliche Qualifikation und persönliche Entwicklung. Lernen bedeutet dabei nicht nur, Arbeitsabläufe zu beherrschen. Die Lehrlinge arbeiten praktisch, bringen eigene Ideen ein und werden Schritt für Schritt an neue Aufgaben herangeführt. Seminare, Exkursionen und mögliche Auslandspraktika ergänzen die Ausbildung.

    Hinzu kommen laut Siemens eine überdurchschnittliche Vergütung nach dem Elektro-Kollektivvertrag, Leistungsprämien für den Lehrabschluss, vergünstigte Verpflegung und freie Fenstertage.

    Auch Inklusion gehört nach Angaben des Unternehmens zum Ausbildungskonzept. Jugendliche sollen unabhängig von Geschlecht oder Herkunft gefördert werden. Menschen mit neurodiversen Profilen, etwa Autismus oder Dyskalkulie, erhalten Unterstützung beim Einstieg in die Berufswelt.

    Wie KI und Teamarbeit in der Lehrwerkstatt zusammenfinden

    Wie eine Lehre am Grazer Standort konkret aussehen kann, zeigte bereits der Beitrag „Eine spannende Fahrt in die Zukunft mit Siemens Mobility“ in der Ausgabe 2026 von ZUKUNFT MEISTERN. Die Lehrlinge Sandra Langer und Silvano Gahr berichteten darin von eigenen Projekten, digitalem Lernen und einem Miteinander auf Augenhöhe.

    In der Lehrwerkstatt entstehen nicht nur klassische Werkstücke. Lehrlinge entwickelten etwa einen Roboter, der einen Rubik-Würfel lösen kann, und arbeiteten an einem Prototyp, der wiederkehrende Tätigkeiten übernimmt. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung sind am Standort längst Teil der Ausbildung – beispielsweise bei automatisierten Anlagen, in der Qualitätskontrolle und bei der Aufbereitung von Lernunterlagen.

    Doch Technik allein macht noch keine gute Ausbildung. Standortleiter Stefan Erlach betonte im damaligen Gespräch mit ZUKUNFT MEISTERN, wie wichtig direkte Kommunikation, Konfliktfähigkeit und Zusammenarbeit gerade in den prägenden Jahren zwischen 15 und 20 sind. Die neue Lehrlingsgruppe setzt diesen Weg nun fort.

    Lehre in Graz mit langfristiger Perspektive

    Der Siemens-Mobility-Standort in Graz-Eggenberg ist innerhalb des Konzerns das Weltkompetenzzentrum für die Entwicklung und Fertigung von Fahrwerken und Pantografen, also Dachstromabnehmern für Schienenfahrzeuge. Die Ausbildung im eigenen Haus soll qualifizierten Nachwuchs sichern und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des steirischen Standorts stärken.

    Österreichweit haben 2026 rund 73 Jugendliche bei Siemens eine Ausbildung in insgesamt 17 Lehrberufen begonnen. 14 davon starten in Graz – und damit in einer Branche, die Technik mit der Frage verbindet, wie Mobilität künftig sicherer und nachhaltiger werden kann.

    Weitere Informationen zur Lehre und zur Bewerbung gibt es unter siemens.at/ausbildung.

    Quellen: Presseinformation Siemens AG Österreich und Siemens Mobility Austria vom 1. September 2026; ZUKUNFT MEISTERN, Ausgabe 2026, Seiten 32–33.


  • Noch keinen Lehrplatz? In der Steiermark sind noch 758 Lehrstellen offen

    Noch keinen Lehrplatz? In der Steiermark sind noch 758 Lehrstellen offen

    Wer zu Beginn des Herbstes noch keinen Lehrplatz gefunden hat, ist nicht automatisch zu spät dran. Ende Juli 2026 waren beim AMS in der Steiermark 758 sofort verfügbare offene Lehrstellen gemeldet. Auch Unternehmen wie SPAR suchen weiterhin Jugendliche, die noch in diesem Herbst ihre Ausbildung beginnen möchten.

    Für viele Jugendliche startet im September ein neuer Lebensabschnitt. Doch nicht alle haben ihre Entscheidung für einen Lehrberuf bereits getroffen oder den passenden Ausbildungsbetrieb gefunden. Manche ändern ihre ursprünglichen Pläne, andere erhalten Absagen oder erkennen erst nach Schulschluss, welcher Beruf tatsächlich zu ihnen passen könnte.

    Das bedeutet nicht, dass die Chance auf eine Lehrstelle für dieses Jahr vorbei ist.

    758 offene Lehrstellen in der Steiermark

    Nach den jüngsten veröffentlichten Zahlen des AMS Österreich waren Ende Juli 2026 in der Steiermark 758 sofort verfügbare offene Lehrstellen gemeldet. Gleichzeitig suchten 1.141 Jugendliche eine sofort verfügbare Lehrstelle.

    Die Zahlen zeigen zwei Seiten: Es gibt auch unmittelbar vor dem üblichen Ausbildungsbeginn noch zahlreiche freie Plätze. Gleichzeitig passt nicht jede offene Lehrstelle automatisch zu den Interessen, Fähigkeiten oder zum Wohnort der Jugendlichen. Je nach Beruf und Region kann die Suche daher unterschiedlich schwierig sein.

    Wer bisher noch nicht erfolgreich war, sollte auch verwandte Lehrberufe prüfen und den Suchradius über den eigenen Wohnort hinaus erweitern. Die BerufsInfoZentren des AMS unterstützen Jugendliche kostenlos bei der Orientierung und bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz.

    SPAR bietet auch im Herbst noch Lehrstellen an

    Mehr als 50 junge Menschen starten in diesem Herbst ihre Ausbildung bei SPAR Steiermark und im südlichen Burgenland. Wer noch auf der Suche ist, kann sich weiterhin für eine der offenen Lehrstellen bewerben – unter anderem im Verkauf oder in der TANN-Fleischproduktion.

    „Unsere Lehrlinge sind die Zukunft unseres Unternehmens. Deshalb legen wir großen Wert auf eine praxisorientierte Ausbildung, individuelle Unterstützung und attraktive Entwicklungsperspektiven“, erklärt Christoph Holzer, Geschäftsführer von SPAR Steiermark und Südburgenland.

    Motivierte Jugendliche seien weiterhin eingeladen, sich für die noch offenen Ausbildungsplätze zu bewerben und ihren beruflichen Weg gemeinsam mit dem Unternehmen zu beginnen.

    Mehr als zehn Lehrberufe bei SPAR

    Das Ausbildungsangebot von SPAR umfasst mehr als zehn Lehrberufe. Die Möglichkeiten reichen vom Einzelhandel über die TANN-Fleischproduktion und die Logistik bis zum Büromanagement.

    Von Beginn an sammeln die Lehrlinge praktische Erfahrungen und übernehmen schrittweise Verantwortung. Begleitet werden sie dabei von erfahrenen Ausbilderinnen und Ausbildern. Wer zusätzlich die Reifeprüfung ablegen möchte, kann Berufsausbildung und Matura miteinander verbinden.

    Wie viel verdienen Lehrlinge bei SPAR?

    Die Lehrlingsentschädigung beträgt laut SPAR derzeit:

    • 1.380 Euro brutto im ersten Lehrjahr
    • 1.580 Euro brutto im zweiten Lehrjahr
    • 1.940 Euro brutto im dritten Lehrjahr

    Zusätzlich bietet das Unternehmen Leistungsprämien von insgesamt mehr als 6.700 Euro, verschiedene Aus- und Weiterbildungsangebote sowie Workshops zur persönlichen und beruflichen Entwicklung.

    Nach dem Lehrabschluss stehen unterschiedliche Karrierewege offen. Zahlreiche heutige Marktleiterinnen und Marktleiter sowie weitere Führungskräfte bei SPAR haben ihre Laufbahn selbst mit einer Lehre im Unternehmen begonnen.

    Wo findet man jetzt noch offene Lehrstellen?

    Jugendliche können über die AMS-Stellensuche „alle jobs“ kostenlos und ohne Anmeldung nach offenen Lehrstellen suchen. Die Ergebnisse lassen sich nach Bundesland, Region, Ort und Lehrberuf filtern.

    Zusätzlich lohnt es sich:

    • die Karriereportale interessanter Unternehmen direkt aufzurufen,
    • bei Wunschbetrieben persönlich nachzufragen,
    • sich beim AMS als lehrstellensuchend vormerken zu lassen,
    • einen kostenlosen Beratungstermin in einem BerufsInfoZentrum zu vereinbaren,
    • auch ähnliche oder bisher nicht berücksichtigte Lehrberufe zu prüfen.

    Eine berufliche Entscheidung darf Zeit benötigen – und sie darf auch neu getroffen werden. Wer im Herbst noch keinen Ausbildungsplatz hat, sollte deshalb nicht aufgeben, sondern die vorhandenen Möglichkeiten gezielt nutzen.

    Aktuelle Lehrstellen in der Steiermark finden sich über die Lehrstellensuche des AMS.

    Informationen zu den offenen Ausbildungsplätzen bei SPAR gibt es unter www.spar.at/karriere/lehre/lehrberufe.

    Quelle der Arbeitsmarktzahlen: AMS Österreich, „Eckdaten Juli 2026“, Datenstand 31. Juli 2026, veröffentlicht im August 2026.

  • KÖNNEN BRAUCHT MANCHMAL EIN ZEUGNIS

    KÖNNEN BRAUCHT MANCHMAL EIN ZEUGNIS

    Den Lehrabschluss nachholen, obwohl man längst im Beruf steht: SPAR ermöglicht Mitarbeiter:innen im Lebensmittelhandel, ihre praktische Erfahrung mit einem anerkannten Abschluss zu verbinden. Im Oktober startet der nächste Ausbildungsdurchgang in Graz.

    Wenn Berufserfahrung zum Lehrabschluss führt

    Manche Menschen haben ihren Beruf gelernt, ohne je eine klassische Lehre absolviert zu haben. Sie beraten Kund:innen, arbeiten an der Kassa oder behalten in der Feinkost den Überblick. Was ihnen fehlt, ist nicht das Können, sondern der offizielle Nachweis dafür.

    Genau hier setzt „Berufsausbildung@SPAR“ an. Seit 2014 begleitet SPAR gemeinsam mit dem Grazer Verein nowa Beschäftigte in der Steiermark und im südlichen Burgenland auf dem Weg zur außerordentlichen Lehrabschlussprüfung.

    Bisher nahmen 211 Mitarbeiter:innen teil. 55 bestanden die Prüfung mit Auszeichnung, weitere 31 mit gutem Erfolg.

    Lehrabschluss nachholen: Wer kann teilnehmen?

    Das Angebot richtet sich an Mitarbeiter:innen der SPAR-Supermärkte, die zum Zeitpunkt der Lehrabschlussprüfung mindestens 18 Monate Berufserfahrung im Lebensmitteleinzelhandel nachweisen können. Für Beschäftigte aus dem Filialbereich übernimmt SPAR die Kurskosten.

    Am 11. September 2026 findet im SPAR Campus Graz eine kostenlose Informationsveranstaltung statt. Der 13. Ausbildungsdurchgang startet im Oktober.

    Ein Abschluss darf auch später kommen

    Ein Berufsweg muss nicht immer geradlinig verlaufen. Unabhängig vom konkreten Angebot bei SPAR können Erwachsene in Österreich unter bestimmten Voraussetzungen einen Lehrabschluss nachholen. Wer die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten durch einschlägige Berufspraxis oder eine entsprechende Ausbildung erworben hat, kann bei der zuständigen Lehrlingsstelle die ausnahmsweise Zulassung zur Lehrabschlussprüfung beantragen.

    Informationen zu den Voraussetzungen und zur Antragstellung bietet die Wirtschaftskammer Österreich.

    Darin liegt auch für junge Menschen und ihre Eltern eine wichtige Botschaft: Eine Entscheidung in jungen Jahren legt nicht das gesamte Berufsleben fest. Erfahrung und Wissen wachsen weiter – und die formale Bestätigung dafür kann auch später folgen.

    Manches Können wächst lange, bevor es auf einem Zeugnis sichtbar wird.

    Quellen: SPAR Österreich, 20. August 2026; Wirtschaftskammer Österreich, 4. November 2025

    Bild: © SPAR / Velchev

  • Nachhilfekosten 2026: Wessen Ziel bezahlen Eltern eigentlich?

    Nachhilfekosten 2026: Wessen Ziel bezahlen Eltern eigentlich?

    Noch sind die Hefte leer und die Noten weit weg. Trotzdem ahnen manche Familien bereits, was mit den ersten Hausübungen, Tests und Schularbeiten wieder beginnen könnte: erklären, kontrollieren, diskutieren – und Nachhilfe bezahlen.

    Über allem steht eine Frage, die kaum jemand auszusprechen wagt:

    Verfolgen Eltern und Kind überhaupt dasselbe Bildungsziel?

    Eltern fürchten die Antwort, weil damit ihre Vorstellungen von der Zukunft des Kindes ins Wanken geraten könnten. Jugendliche fürchten sie, weil sie Erwartungen nicht erfüllen, aber oft noch nicht sagen können, was sie stattdessen möchten.

    Wünsche zu formulieren ist für Jugendliche schwierig. Eigene Vorstellungen loszulassen für Erwachsene ebenso.

    Was kostet Nachhilfe in Österreich 2026?

    Rund 199.000 Schülerinnen und Schüler erhalten bezahlte Nachhilfe. Die durchschnittlichen Kosten liegen bei 720 Euro pro Kind und Jahr, in der Steiermark bei 770 Euro. In der AHS-Oberstufe steigt der Durchschnitt auf 930 Euro.

    Zieht sich Nachhilfe über vier Jahre, werden aus 720 Euro rechnerisch 2.880 Euro. In der AHS-Oberstufe wären es auf heutigem Kostenniveau 3.720 Euro. Das sind Beispielrechnungen – tatsächliche mehrjährige Gesamtkosten erhebt der AK-Nachhilfereport nicht.

    47 Prozent der betroffenen Eltern fühlen sich durch die Ausgaben sehr stark oder spürbar belastet.

    Warum ist der Druck für Alleinerziehende besonders groß?

    Bei Kindern von Alleinerziehenden liegt der zusätzliche beziehungsweise ungedeckte Bedarf an bezahlter Nachhilfe laut AK-Report bei 29 Prozent.

    Zur finanziellen Belastung kann ein weiterer Druck kommen: Wer die Verantwortung für ein Kind allein trägt, möchte ihm jede Chance ermöglichen. Der Gedanke, dass die geplante Schule oder die Matura vielleicht nicht der richtige Weg ist, kann sich wie persönliches Versagen anfühlen.

    Also wird weiterbezahlt und weiter weitergekämpft.

    Wann wird Nachhilfe zur Scheinlösung?

    Bei 71 Prozent führt Nachhilfe laut Einschätzung der Eltern zum gewünschten Schulerfolg. Bei 14 Prozent nicht, bei weiteren 16 Prozent ist das Ergebnis noch offen.

    Wenn die Noten trotz Nachhilfe nicht ausreichend steigen, beginnt häufig eine Spirale: Das Kind macht dicht. Die Eltern buchen weitere Stunden. Die Kosten und der Druck steigen, der gewünschte Erfolg bleibt aus.

    Die Nachhilfestunde endet. Der Konflikt zu Hause nicht.

    Nachhilfe kann fehlendes Wissen vermitteln. Wenn aber ein gemeinsames Ziel fehlt, wird sie zur Scheinlösung. Sie verlängert dann einen Konflikt, den keine zusätzliche Unterrichtsstunde lösen kann.

    Ist es das Ziel des Kindes oder das Ziel der Eltern?

    Vielleicht könnte der Jugendliche den vorgesehenen Bildungsweg schaffen. Vielleicht möchte er ihn nur nicht gehen. Nicht aus Faulheit oder mangelnder Begabung, sondern weil seine Wünsche und Vorstellungen andere sind.

    Gerade Jugendliche können das oft noch nicht so ausdrücken, dass Erwachsene es verstehen. Dann wird aus Unsicherheit Schweigen, aus Überforderung Widerstand.

    Die Vorstellung, dass zu einem gelungenen Bildungsweg die Matura gehört, hält sich hartnäckig. Wer einen anderen Weg einschlägt, muss sich noch immer erklären.

    Das setzt beide Seiten unter Druck: Eltern fürchten, ihrem Kind Chancen zu nehmen. Jugendliche fürchten, ihre Eltern zu enttäuschen.

    Ich kenne diesen Zwiespalt. Auch ich wollte für meinen Sohn die Matura. Später hat er sie nachgeholt – als sie sein Ziel war.

    Der Abschluss war derselbe. Aber die Motivation gehörte nun ihm und nicht mehr mir.

    Wo finden Familien in der Steiermark Hilfe, wenn Nachhilfe nicht wirkt?

    Wenn trotz Nachhilfe Noten, Motivation und Stimmung zu Hause nicht besser werden, muss die Antwort nicht automatisch noch mehr Nachhilfe sein. Manchmal braucht es einen neutralen Blick von außen:

    • Die BerufsInfoZentren des AMS Steiermark beraten kostenlos zu Interessen, Stärken, Schulen, Lehre und möglichen Bildungswegen.
    • Das NEBA-Jugendcoaching in der Steiermark begleitet insbesondere Jugendliche ab dem neunten Schulbesuchsjahr, wenn der weitere Weg unklar ist oder ein Schulabbruch droht. Über die Anbietersuche findet man die zuständige Stelle im eigenen Bezirk.

    Beratung ist kein Eingeständnis des Scheiterns. Sie kann verhindern, dass sich der Konflikt über Monate oder Jahre im Familienleben festsetzt: Immer mehr Geld wird ausgegeben, der Druck steigt, der Frust wächst – und Eltern und Kind erreichen einander immer weniger.

    Am Ende geht nicht nur Kraft verloren, sondern auch Nähe. Und das für ein Ziel, das nie gemeinsam festgelegt wurde.

    Entscheidend ist, dass nicht nur die Eltern das Ziel sehen, sondern auch das Kind.

    Deshalb vor der nächsten Überweisung für Nachhilfe einmal fragen: Arbeiten wir gerade an deinem Ziel – oder an meinem?

    Quelle: Julian Aichholzer und Alexander Brenn, „Nachhilfe in Österreich 2026“, IFES/Arbeiterkammer Wien, August 2026

  • Schutz vor dem Sog – ohne Lernwege zu sperren

    Schutz vor dem Sog – ohne Lernwege zu sperren

    Österreich plant ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14. Nach Angaben von Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll soll auch YouTube erfasst sein. Doch was bedeutet das für Kinder, die dort nicht scrollen, sondern lernen?

    Mehr als eine Million Aufrufe für ein gut sechs Minuten langes Video über Bruchrechnen.

    Im YouTube-Video von MathemaTrick gibt es kein Spektakel und keine Effekte. Nur Regeln, Beispiele und einen Lösungsweg. Warum sehen sich so viele Menschen freiwillig an, wie Brüche addiert, subtrahiert, multipliziert und dividiert werden?

    Eine Antwort kenne ich aus meiner eigenen Familie. Meine beiden Söhne nutzten Lernvideos, wenn eine Erklärung im Unterricht für sie nicht ausgereicht hatte. Nicht zum Zeitvertreib, sondern um den Stoff zu verstehen.

    Ein Lernvideo lässt sich stoppen, zurückspulen und wiederholen. Es erklärt einen Rechenweg vielleicht anders als die Lehrkraft oder das Schulbuch. Nicht jede Erklärung erreicht jedes Kind. Lernvideos ersetzen keine Lehrkräfte – aber sie können ein zweiter Weg zum Verstehen sein.

    Dabei geht es nicht nur um YouTube. Auch auf TikTok, Instagram und anderen Plattformen finden Jugendliche Erklärvideos, Sprachübungen und Wissenskanäle.

    Wurde das mitgedacht?

    Man kann für eine Altersgrenze sein und trotzdem fragen: Was geschieht mit den nützlichen Inhalten auf jenen Plattformen, deren Zugang eingeschränkt werden soll?

    Die Frage hat auch eine soziale Dimension. Private Nachhilfe kann sich nicht jede Familie leisten. Kostenlose Lernvideos können gerade für Jugendliche wichtig sein, die bei Schwierigkeiten nicht auf bezahlte Unterstützung ausweichen können. Auch deshalb muss geklärt werden, wie dieser Zugang erhalten bleibt.

    Laut Jugend-Internet-Monitor 2026 nutzen 76 Prozent der 11- bis 17-Jährigen in Österreich YouTube. Wie viele davon dort gezielt lernen, wurde nicht erhoben. Das konkrete Bruchrechen-Video wird allerdings sogar in schulischen Übungs- und Vorbereitungsmaterialien empfohlen.

    Ob Kinder solche Inhalte weiterhin gezielt suchen, über einen Schul-Link öffnen oder ohne algorithmischen Feed nutzen können, ist bisher nicht konkret beantwortet. In den von ZUKUNFT MEISTERN geprüften Regierungsinformationen findet sich dazu keine klare Aussage.

    YouTube ist eben nicht nur Social Media. Die Plattform ist auch Suchmaschine, Videobibliothek und digitale Nachhilfe.

    Das Problem ist nicht das gesuchte Lernvideo. Das Problem beginnt dort, wo nach diesem Video ungefragt das nächste wartet.

    Wer den Sog begrenzen will, muss deshalb auch beantworten, wie der Zugang zum Wissen offenbleibt.

    Lernvideo ja. Endlosschleife nein.

    Was meinen Sie?

    Nutzt Ihr Kind YouTube oder andere Plattformen zum Lernen? Welche Angebote sollten für unter 14-Jährige zugänglich bleiben – und wo braucht es klare Grenzen?

    Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen und Fragen in die Kommentare.


    Stand: 28. Juli 2026. Der Gesetzesentwurf befindet sich in Begutachtung. Die konkrete Umsetzung ist noch offen.

    Quellen

    FAQ: Häufige Fragen zum Social-Media-Verbot und Lernvideos in Österreich

    Betrifft das Social-Media-Verbot in Österreich auch YouTube?

    Ja. Nach den Plänen der österreichischen Bundesregierung (Stand Juli 2026) soll das geplante Verbot für Kinder unter 14 Jahren auch die reguläre YouTube-Plattform umfassen. Da YouTube neben Videoclips auch algorithmische Feeds, Kommentarspalten und Profilfunktionen anbietet, wird es rechtlich als soziales Netzwerk eingestuft.

    Warum steht die Sperre von YouTube für unter 14-Jährige in der Kritik?

    Kritiker und Jugendorganisationen bemängeln, dass YouTube eine der wichtigsten Quellen für kostenlose Lernvideos und digitale Nachhilfe ist. Ein pauschales Verbot trifft vor allem Familien, die sich keine private Nachhilfe leisten können, und schränkt Jugendliche in ihrem Recht auf freien Zugang zu Bildungsinformationen ein.

    Wie können Kinder unter 14 Jahren künftig noch Lernvideos nutzen?

    Obwohl der direkte, eigenständige Zugang zur YouTube-Hauptseite blockiert wird, bleibt die Nutzung im pädagogischen Raum möglich. Schulen können Lernvideos über geschützte Schnittstellen (wie den werbefreien „YouTube Player for Education“) direkt im Unterricht oder auf Lernplattformen wie der staatlichen Eduthek einbetten, ohne dass Kinder mit Social-Media-Funktionen in Kontakt kommen.

    Welche Online-Dienste sind vom Social-Media-Verbot ausgenommen?

    Reine Messenger-Dienste wie WhatsApp sollen vom Verbot ausgenommen bleiben, da sie für die alltägliche Organisation, die Kommunikation in der Familie und für Klassengruppen notwendig sind. Auch Schulsoftware (z.B. Microsoft Teams) und reine Bildungsportale sind nicht betroffen.

  • Was Praxis für die Berufswahl bedeutet

    Was Praxis für die Berufswahl bedeutet

    Eine Jugendbefragung in der Südoststeiermark zeigt, was junge Menschen von einem Praktikum erwarten – und was Eltern daraus für die Berufswahl mitnehmen können.

    Ob ein Beruf wirklich passt, zeigt sich nicht in einer Berufsbeschreibung, sondern beim Tun. In der Werkstatt, im Büro, im Geschäft oder in der Küche erleben Jugendliche, welche Aufgaben ihnen liegen, wie ein Arbeitstag abläuft und ob sie sich in diesem Umfeld wohlfühlen.

    Wie wichtig solche Einblicke für Jugendliche sind, zeigt die regionale Befragung „Praktika und Berufserfahrung“ vom Juni 2026. Insgesamt nahmen 493 Jugendliche teil, 459 Fragebögen wurden vollständig ausgefüllt. 79 Prozent der Befragten stammen aus der Südoststeiermark.

    Erfahrung schafft Orientierung

    96 Prozent der Jugendlichen finden es gut, bereits während der Schulzeit Berufserfahrung zu sammeln. 89 Prozent haben dies schon getan – durch Pflichtpraktika, Ferialjobs, freiwillige Praktika oder berufspraktische Tage. Viele kommen bereits im Alter von 14 Jahren erstmals mit der Arbeitswelt in Berührung.

    „Junge Menschen möchten arbeiten, Erfahrungen sammeln und herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Praktika sind dabei weit mehr als ein Ferienjob – sie sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Berufsentscheidung“, erklärt LAbg. Michael Wagner, Vorsitzender der Region Südoststeiermark.

    Auch die Bereitschaft, einen Teil der Ferien für einen Sommerjob zu nutzen, ist hoch: 58 Prozent möchten im Sommer arbeiten, weitere 24 Prozent sind noch unentschlossen.

    Geld zählt. Der Umgang ebenso.

    55 Prozent möchten mit einem Praktikum oder Ferialjob Geld verdienen. Für 45 Prozent geht es darum, herauszufinden, welcher Beruf zu den eigenen Interessen und Stärken passt. 43 Prozent absolvieren ein Praktikum aufgrund schulischer Vorgaben.

    Was eine gelungene praktische Erfahrung ausmacht, zeigen vor allem die offenen Antworten. Jugendliche wünschen sich ein gutes Arbeitsklima, ein freundliches Team und einen respektvollen Umgang. Wichtig sind ihnen ebenso eine faire Bezahlung, eine gute Einschulung und die Möglichkeit, tatsächlich mitzuarbeiten.

    Sie wollen nicht nur zusehen, sondern ausprobieren, lernen und erleben, dass ihnen etwas zugetraut wird.

    Was Eltern daraus mitnehmen können

    Ein Praktikum muss nicht sofort zum Traumberuf führen. Es kann eine Vorstellung bestätigen – oder zeigen, dass ein anderer Weg besser passt. Beides ist eine wichtige Erkenntnis.

    Nach einem Praktikum lohnt es sich daher, nicht nur zu fragen: „Wie war es?“ Konkretere Fragen helfen Jugendlichen dabei, ihre Erfahrungen einzuordnen:

    • Welche Aufgabe hat dir besonders gefallen?
    • Was ist dir leichter oder schwerer gefallen als erwartet?
    • Wie bist du im Betrieb aufgenommen worden?
    • Würdest du diesen Beruf gerne noch besser kennenlernen?

    So wird aus einigen Tagen oder Wochen in einem Unternehmen eine wertvolle Grundlage für die weitere Berufswahl – ohne bereits eine endgültige Entscheidung treffen zu müssen.

    Weitere Anregungen bietet unser Ratgeber „Warum Schnuppern für Jugendliche so wichtig ist“.

    Wenn aus einem Praktikum mehr wird

    Die meisten praktischen Erfahrungen wurden in Betrieben der Südoststeiermark und der näheren Umgebung gesammelt. Viele Jugendliche organisierten ihren Praktikumsplatz selbst – durch eine Bewerbung oder eine persönliche Anfrage.

    Damit wird das Praktikum auch für Unternehmen zu einer Chance: Sie begegnen möglichen künftigen Mitarbeitern zu einem Zeitpunkt, an dem berufliche Entscheidungen noch offen sind. Wie dieser erste Kontakt erlebt wird, kann daher weit über einige Wochen im Sommer hinauswirken.

    Nach der Jugendbefragung erhebt das Steirische Vulkanland nun auch die Erfahrungen und Bedürfnisse der regionalen Betriebe. Die Teilnahme an der kurzen Unternehmensbefragung dauert rund fünf Minuten.

    Zur Unternehmensbefragung über Praktika

    Quelle: Regionale Umfrage „Praktika und Berufserfahrung“, Juni 2026. Regionale Koordination für Bildungs- und Berufsorientierung Südoststeiermark, Regionalmanagement Südoststeiermark – Steirisches Vulkanland GmbH, in Kooperation mit QUA Bildung & Projekt GmbH. Der vollständige Ergebnisbericht kann bei schober@vulkanland.at angefragt werden.

    Foto: © Steirisches Vulkanland/Manuel Flor

  • Die Welt bekochen: Johann Lafers Karriere begann mit einer Lehre

    Die Welt bekochen: Johann Lafers Karriere begann mit einer Lehre

    Vor 50 Jahren schloss Johann Lafer seine Kochlehre im Grazer Gösser-Bräu ab. Aus diesem Grundstock entstand eine internationale Karriere. Geblieben ist seine enge Verbindung zur Steiermark – zu ihrer Landschaft, ihren Menschen und ihren Produkten.

    Was kann aus einer Lehre werden? Im Fall von Johann Lafer eine internationale Karriere als Spitzenkoch, Gastronom, Fernsehstar und Bestsellerautor. Zum 50. Jahrestag seines Lehrabschlusses kehrte der gebürtige Steirer in jene Stadt zurück, an dem sein außergewöhnlicher Berufsweg begann: nach Graz

    Von der Kochlehre in die Welt

    Von 1973 bis 1976 erlernte Johann Lafer im Gösser-Bräu in Graz sein Handwerk. Danach führte ihn sein Weg aus der Steiermark zunächst in das Berliner Hotel Schweizer Hof. Es folgten renommierte Häuser in Hamburg, Wertheim und München. Im Spitzenrestaurant „Aubergine“ arbeitete er mit Eckart Witzigmann zusammen. Als Küchenchef im „Le Val d’Or“ wurde Lafer schließlich mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet.

    Einem Millionenpublikum wurde er später durch Fernsehsendungen wie „Lafer! Lichter! Lecker!“ und „Die Küchenschlacht“ bekannt. Er veröffentlichte mehr als 60 Kochbücher und machte sich auch als Gastronom und Unternehmer einen Namen.

    Begonnen hatte all das mit einem Lehrabschluss in Graz.

    Die Lehre ist der Grundstock

    „In Graz und in der Steiermark habe ich nicht nur mein Handwerk gelernt, sondern auch den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln, die Bedeutung von Qualität und den Wert harter Arbeit“, sagte Johann Lafer anlässlich seines Jubiläums. Dass aus einer Kochlehre im Gösser-Bräu eine internationale Karriere entstehen konnte, zeige, welche Kraft in einer fundierten Ausbildung stecke.

    Eine Botschaft blieb bei der Pressekonferenz besonders hängen: Die Lehre ist der Grundstock. Doch wer die Welt bekochen will, muss diese Welt auch kennenlernen. Wie soll man die französische Küche verstehen und zubereiten, wenn man sie selbst nie gekostet hat? Wie sollen neue Ideen entstehen, wenn man immer nur in der eigenen Küche bleibt?

    Lafers berufliche Stationen waren daher mehr als Namen in einem Lebenslauf. Sie erweiterten seinen Geschmack, sein Wissen und seinen Blick auf das eigene Handwerk. Die Lehre gab ihm das Fundament. Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, die vertraute Umgebung zu verlassen, machten daraus eine internationale Karriere.

    Botschafter seiner steirischen Heimat

    Seine Karriere führte Johann Lafer hinaus in die Welt, aber nie weg von der Steiermark. Seit Jahrzehnten macht er seine Heimat, ihre Menschen und die von ihnen erzeugten Produkte weit über die Landesgrenzen hinaus sichtbar.

    Was die Steiermark für ihn bis heute auszeichnet, brachte er bei der Pressekonferenz persönlich auf den Punkt:

    „Eigentlich ist die Steiermark das geblieben, was wir uns alle wünschen: authentisch, ehrlich, gastfreundlich, dienstleistungsbereit und natürlich.“

    Gerade diese Eigenschaften, verbunden mit der Qualität regionaler Lebensmittel, trägt Lafer als Genussbotschafter in die Welt. Die Steiermark gab ihm den Grundstock für seine Karriere – und er gab ihr internationale Sichtbarkeit zurück.

    Neue Ausbildungsstätte für Gastronomie und Hotellerie

    Steiermark Tourismus und die WKO Steiermark nahmen das Jubiläum auch zum Anlass, im Center of Excellence einen neuen gastronomischen Ausbildungsbereich vorzustellen. Dort sollen Lehrlinge aus Gastronomie und Hotellerie künftig unter modernen und möglichst realitätsnahen Bedingungen trainieren können.

    Das Ausbildungszentrum soll die Qualität und Attraktivität der Tourismuslehre erhöhen und Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen sowie Tourismusorganisationen enger miteinander vernetzen.

    Derzeit werden nach Angaben der WKO Steiermark 242 Lehrlinge in 173 steirischen Gastronomiebetrieben ausgebildet. In der Hotellerie sind es 515 Lehrlinge in 288 Betrieben.

    „Wenn wir heute auf 50 Jahre Lehrabschluss von Johann Lafer zurückblicken, dann sehen wir, was eine steirische Tourismuslehre leisten kann: Sie öffnet Türen in die Welt“, betont Hans Spreitzhofer, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKO Steiermark.

    Ein Anfang, der vieles möglich macht

    Nicht jeder Kochlehrling wird später Michelin-Sterne erhalten, im Fernsehen auftreten oder Bestseller schreiben. Darum geht es auch nicht. Johann Lafers Lebensweg zeigt vielmehr, dass ein Lehrabschluss kein fertiger Berufsweg ist. Er ist ein Ausgangspunkt, von dem aus sich Möglichkeiten entwickeln können, die zu Beginn noch gar nicht sichtbar sind.

    Man muss nicht schon beim Start wissen, wohin die Reise führt. Aber man sollte bereit sein, zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und manchmal auch die vertraute Umgebung zu verlassen.

    Eine Lehre gibt jungen Menschen ein Handwerk mit. Wie weit sie damit gehen, dürfen sie selbst herausfinden.