Autor: karin

  • MUTTER IM TALK

    MUTTER IM TALK

    Philipp hat sich nach der Schule für eine Lehre entschieden – und Mama Monika Haider-Raunigg unterstützt ihn dabei.

    DIE SCHULE UND PHILIPP RAUNIGG waren noch nie gute Freunde. „Schon nach der 2. Klasse Volksschule hat er verkündet, dass es das jetzt für ihn war – er meinte, er braucht da nicht mehr hingehen“, erzählt seine Mama Monika Haider- Raunigg. Immerhin könne er jetzt lesen, schreiben und rechnen und das würde wohl reichen, befand der junge Mann. Damals konnten ihn die Eltern dann doch noch zum Weitermachen überreden – aber nach der 4. Klasse im Bundesrealgymnasium Petersgasse war der Ofen dann endgültig aus. „Das war alles nur mehr ein Krampf – Dinge auswendig zu lernen, die mich nicht interessiert haben und wo ich das Gefühl hatte, dass ich sie nie mehr brauchen werde, das hat für mich einfach keinen Sinn mehr ergeben“, erzählt der 17-Jährige. Der Endgegner: Mathematik. Doch ausgerechnet die Mathematik-Lehrerin hatte die zündende Idee, in eine praxisorientiertere Schule zu wechseln.

    „Nicht auf die Freunde, sondern immer auf das eigene Gefühl hören.“

    Philipp Raunigg

    Von der Fachschule zum Lehrberuf

    Darum hat Philipp in den letzten drei Jahren die landwirtschaftliche Fachschule Grottenhof besucht und mittlerweile die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter in der Tasche. „Dort hat es mir sehr gut gefallen, das hat genau zu mir gepasst“, meint er. „Der Unterricht dort war sehr praxisorientiert, das liegt ihm einfach mehr“, findet die Mama. Während der Schule hatte er zuerst als Medienfachmann, dann in einer Tischlerei und zuletzt in einer Werkstatt geschnuppert. „Beim ersten Schnuppern habe ich Kopfweh bekommen, weil ich so lange vor dem Computer gesessen bin.“ In dem Großbetrieb der Tischlerei, wo vieles maschinell gefertigt wurde, hat er sich auch nicht wirklich wohl gefühlt. „Aber in der Werkstatt war ich gleich wie zu Hause – ich schraube ja in meiner Freizeit auch am liebsten an meinem Moped herum, den Betrieb hat mir ein Freund empfohlen, weil dort ein sehr gutes Arbeitsklima herrscht“, erzählt der junge Mann. Wenn alles gut geht, startet er dort in Kürze die Lehre zum Zweiradtechniker, bis dahin überbrückt er die Zeit mit einem Job im Handel. Was im Nachhinein so einfach klingt, war ein ziemlich langer und steiniger Weg – vor allem für Mama Monika. Sie selbst hat ein abgeschlossenes Studium und unterrichtet an der Medien-HAK in Graz. „Natürlich habe ich mir für ihn auch gewünscht, dass er die Matura macht – einfach, damit er eine solide Grundausbildung bekommt und ihm dann alle Möglichkeiten offenstehen. Und die Studienzeit habe ich sehr genossen, das hätte ich ihm auch gegönnt“, bekennt sie. Aber es hat viel Kraft und Energie gekostet, ihn immer wieder zum Lernen zu motivieren. „Ich habe irgendwann begriffen, dass das nicht sein Weg ist. Letztendlich muss man froh für sein Kind sein, wenn es etwas findet, wofür es brennt.“

    „Loslassen, vor allem die eigene Vorstellung vom idealen Ausbildungsweg – aber trotzdem mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

    Monika Haider-Raunigg

    Loslassen, aber weiter da sein

    Aber selbst wenn klar ist, dass eine Lehre begonnen werden soll, brauchen die Jugendlichen weiter Unterstützung, weiß Haider-Raunigg: „Die Recherche nach der optimalen Lehrstelle, das Verfassen von Bewerbungen, da ist man als Elternteil nochmals sehr gefragt.“ Auch einen Test zur Berufsorientierung an der Wirtschaftskammer hat Philipp absolviert, um auszuloten, welche Lehrberufe es gibt und um sicherzustellen, dass er auf dem richtigen Weg ist. Ihr Tipp für andere Mütter: Loslassen, vor allem die eigene Vorstellung vom idealen Ausbildungsweg – aber trotzdem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Genau wie sie unterstützt ihr Mann seinen Sohn auf seinem Weg.

    Auch Philipps Freunde finden seine Entscheidung gut. „Die Hälfte davon macht ja auch eine Lehre, der Rest sind meine ehemaligen Klassenkollegen, die heuer maturieren werden.“ Dass die Lehre nicht immer ein Zuckerschlecken sein wird, ist ihm klar: „Aber ich denke doch, dass die interessanten Aspekte überwiegen werden und ich dann einen Beruf habe, der wirklich zu mir passt. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, viel Neues zu lernen und mit den Händen arbeiten zu dürfen.“ Sein Rat an andere Jugendliche, die sich gerade am Scheideweg zwischen Schule und Ausbildung befinden: „Nicht auf die Freunde, sondern immer auf das eigene Gefühl hören – auch wenn alle anderen die Matura machen, muss das nicht dein Weg sein.“

  • ZUKUNFT MEISTERN

    ZUKUNFT MEISTERN

    Zukunft braucht neue Wege – denken wir doch schon heute anders!

    Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Welt in rasantem Tempo. Sie unterstützt uns bereits heute in vielen Bereichen und wird künftig unsere Arbeitswelt noch stärker prägen. Steuerberater, Rechtsanwälte oder viele andere Berufe, die auf komplexem Fachwissen und Routine basieren, werden durch KI schneller, effizienter und präziser unterstützt – vielleicht sogar besser, als es menschliche Mitarbeiter könnten. Doch eines ist sicher: Die Arbeit mit Händen und Hirn wird auch in Zukunft einen sicheren Platz in der Berufswelt haben.

    Dieses Bild wurde von ChatGPT erstellt. Es zeigt, wie KI das Thema „Zukunftsorientierte Berufe und Handwerk“ visuell darstellt.

    Handwerksberufe wie Tischler, Bäcker oder Automechaniker sind nicht nur systemrelevant, sie sind auch kreativ, erfüllend und krisensicher. Sie stehen für Werte wie Sorgfalt, Leidenschaft und das Gestalten mit eigenen Händen – Werte, die auch in einer digitalisierten Welt nicht ersetzbar sind.

    Deshalb ist es wichtig, heute neu zu denken. Die Entscheidung zwischen einer Lehre oder einer weiterführenden Schule ist längst keine Entweder-oder-Frage mehr. Mit der Möglichkeit, Lehre mit Matura zu kombinieren, stehen jungen Menschen alle Wege offen: vom direkten Einstieg ins Berufsleben bis hin zur akademischen Laufbahn. Lehre bedeutet heute Praxis und Perspektive, Handwerk und Hirn – eine unschlagbare Kombination, die die Talente von morgen hervorbringt.

    Mit ZUKUNFT MEISTERN möchten wir Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel und alle begleiten, die junge Menschen auf ihrem Weg unterstützen. Gemeinsam stellen wir die spannendsten und zukunftsfähigsten Lehrberufe vor, geben Orientierung und zeigen auf, welche Chancen eine Lehre heute bietet. Denn die Welt mag sich verändern, doch eines bleibt: Wer mit Leidenschaft und Können arbeitet, wird immer einen sicheren Platz in der Zukunft finden.

    Ihre Redaktion von ZUKUNFT MEISTERN

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    03. Jänner 2025 bei allen

    SPAR, INTERSPAR und EUROSPAR-Filialen in der Steiermark

  • Billie Steirisch im Interview

    Billie Steirisch im Interview

    Während der Pandemie lud Gini Lampl unter dem Namen Billie Steirisch Comedy in breitem steirischen Dialekt auf TikTok hoch. Sie dachte, das sähen nur einige wenige. Mittlerweile kann sie davon leben.

    „Ich mache das für mich, egal, was die anderen sagen“

    Hättest du dir jemals gedacht, dass du mit Lustigsein auf Social Media einmal Geld verdienen wirst?

    Billie Steirisch: Ich bin ja ausgebildete Sängerin und Schauspielerin, mein Wunsch und mein Ziel waren natürlich schon, damit einmal Geld zu verdienen. Aber dass es über Online oder Social Media passiert, hätte ich nicht erwartet.

    Wie kam es zu Billie Steirisch?

    Während der Pandemie konnten wir Künstler nicht auf die Bühnen, alles war abgesagt. Meinen kreativen Output wollte ich trotzdem raushauen und habe das über TikTok gemacht, weil ich dachte, da ist eh keiner, das sieht niemand. Das waren anfangs Comedy-Sketches und englische Songs, die ich auf Dialekt umgetextet habe. Ich dachte anfangs wirklich, ich mache das nur für mich. Dann sind die ersten Videos viral gegangen und ich merkte, dass da doch viele Leute unterwegs sind. Auf einmal hatte ich 100.000 Views, dann 300.000. So bin ich auf den Gedanken gekommen, dass man da vielleicht mehr machen könnte.

    Hattest du nie Scheu davor, etwas zu sagen oder zu tun, wofür du einen Shitstorm ernten könntest? Oder sagst du: Was authentisch ist, soll raus?

    Im Großen und Ganzen will ich immer authentisch sein, wie ich eben bin. Es stört mich auch nicht, anzuecken oder zu provozieren, das ist Teil meiner Persönlichkeit. Dass ich aufpassen muss, was ich poste, weil das ja doch mehr als hundert Leute sehen, ist mir erst im Laufe der Zeit bewusst geworden. Als die ersten Firmen angefragt haben, ob ich für sie ein Werbegesicht sein will, dachte ich schon: Oh Gott, das ist jetzt nicht nur mehr Spaß.

    Wie ist es dir mit der Vorstellung gegangen, dass unter deinen Viewern auch Menschen sein könnten, die es nicht immer gut mit dir und der Welt meinen?

    Diese Vorstellung war in der Tat etwas gruselig, wenn ich bis heute auch wenig Hasskommentare bekommen habe. Aber natürlich, die ersten negativen Meldungen haben mich getroffen, es gibt dir schon einen kleinen Stich ins Herz. Aber wenn man so viel Output hat – ich habe damals ja fast täglich etwas gepostet – muss man sich daran gewöhnen, es muss einem wurscht werden.

    Wovon kannst du besser leben: von Billie Steirisch oder von Gini Lampl?

    Meine Cash Cow ist eindeutig Billie, aus der stammt der größte Teil des Einkommens. Social Media ist definitiv lukrativer als etwa eine Anstellung in einem Theater. Natürlich ist es auch instabil. Da hast du einmal einen Hype und bist ein halbes Jahr voll angesagt, dann überlegt es sich der Algorithmus anders und deine Reichweite bricht ein. Deshalb investiere ich auch in meine Musik, die ist dann doch langlebiger und beständiger. Ich investiere in Produkte und darin, mich als Person zu branden, um nicht zu sehr von Social Media abhängig zu sein. Man hat auch Lebensphasen oder ist mit Kooperationen beschäftigt, wo man nicht immer Zeit zum Contentproduzieren hat.

    Influencer oder YouTuber werden zu wollen, ist ja der Traum vieler Jugendlicher. Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du festgestellt hast: Jetzt hat mich eine größere Gruppe entdeckt?

    Auf Social Media geht das recht schnell, wenn einmal der Inhalt funktioniert. Es kann auch sein, dass man jahrelang unter der Oberfläche dahindüm- pelt. Ich habe einen Musikerkollegen, der postete zwei Jahre ohne rechten Erfolg, dann auf einmal ging es richtig los. Man muss extreme Ausdauer haben, es ist ein bisserl wie Lottospielen. Natürlich ist es erfolgversprechender, wenn man dabei einen Plan hat, wenn man weiß, was man will, und man professionell in dem ist, was man tut. Aber ob dich der Algorithmus auswählt oder nicht, ist schon Glückssache. Und dann gibt es Inhalte, die länger brauchen, bis sie in die richtige Bubble kommen. Comedy beispielsweise erreicht Leute schneller als Videos, die zeigen, wie man irgendwelche Kerzen herstellt.

    Welche Gefühle haben dich am Beginn dieser Reise begleitet?

    Nach dem ersten Hype stellte ich fest, dass plötzlich nicht mehr alles viral ging wie zu Beginn. Dazu kommt, dass man auch süchtig nach dieser Anerkennung wird, nach den Likes, den Klicks. Da fragt man sich schon, warum man es tut. Ich für mich kam zum Schluss: Mir taugt das, und ich mache es für mich, egal, wie die anderen das sehen. Alles Weitere hat sich von selbst ergeben. Ab dem Moment dachte ich auch nicht mehr daran, ob es funktionieren könnte.

    Was ist für dich Erfolg im Leben?

    Erfolg ist für mich, wenn man zufrieden und glücklich ist. Das hat jetzt gar nichts mit Reichsein zu tun. Wenn ich als Friseurin arbeite oder als Lehrerin, ich in meinem Job glücklich bin und er mich erfüllt, bin ich nach meinem Geschmack ein erfolgreicher Mensch. Der vielleicht sogar glücklicher ist als ein Topstar, den jeder kennt. Weil man muss schon sagen: Viele tun das, was sie tun, für Anerkennung und Ruhm, nicht so sehr für sich selbst und weil sie das von Herzen tun wollen.

    Lehrlinge sind in der Regel erst 15, wenn sie sich für einen Beruf entscheiden müssen. Wenn du zurückdenkst, welchen Rat in Bezug auf deine Zukunft hättest du in diesem Alter gern gehört?

    Dass es bei der Entscheidung um die Frage gehen sollte, was man wirklich gern macht und nicht, was das meiste Geld bringt. Und dass die Erwachsenen einen bestärken sollten in dem, was man tun will. Es gibt ja auch unkonventionelle und coole Lehrberufe, statt zu sagen: „Da gibt es aber nicht so viele Stellen“ oder „Bei uns in der Nähe bekommst du da aber keinen Job“ könnten Eltern das Kind einfach ermutigen, den Beruf zu ergreifen, egal wie der Arbeitsmarkt aussieht. Zu mir haben auch viele Leute gesagt, ich würde mit dem, was ich tun will, nie Geld verdienen. Doch mein Traum ist wahr geworden, weil ich halt weitergemacht habe und meinen Weg weitergegangen bin, und das ganz ohne Kontakte oder Beziehungen. Wenn jemand etwas wirklich will und einen starken Willen hat, wird er oder sie es auch schaffen.

    Was konkret würdest du Eltern raten?

    Ich würde ihnen raten, ihr Kind zu unterstützen, sofern der Beruf nicht in die Kriminalität führt (lacht). Manche Eltern sollten ihr Ego zurückstellen, vor allem wenn sie wollen, dass ihre Kinder das tun, was sie selbst gern gemacht hätten, und das sie nun über die Kinder ausleben können. Das geht selten gut. Außer das Kind will es.

    Wie war das bei dir?

    Mein Papa wollte immer Musiker werden. Und ich wollte von klein auf Schauspielerin und Sängerin werden. Das hat sich halt super getroffen, meine Eltern waren total offen, was meinen Berufswunsch anbelangt. Sie haben mich unterstützt, ohne Druck zu machen. Natürlich kann man auch Grenzen setzen und die finanzielle Unterstützung an einen gewissen Erfolg knüpfen, damit das Kind auch wirklich schaut, dass es etwas weiterbringt.

    Hast du dir schon einmal überlegt, wie es gewesen wäre, hätten dich deine Eltern nicht unterstützt?

    Ich denke, es wäre viel härter gewesen. Und die Bindung zu meinen Eltern wäre nicht so stark, wie sie ist. Ich weiß nicht, ob ich das alles durchgezogen hätte. Ein Vollzeitstudium und daneben noch 30 Stunden arbeiten zu müssen, weil es an finanzieller Unterstützung fehlt und man für die Miete aufkommen muss, ist schon hart. Ich weiß nicht, ob ich ohne die Unterstützung meiner Eltern so mutig gewesen wäre, weiterzugehen oder durchzuhalten.

    Es gibt ja den Spruch: „Tu, was dir Spaß macht.“ Wir wissen aber, dass Eltern oder die Peergroup mit ihrer Meinung wichtig sind und das „einfach tun“ alles andere als einfach ist. Wie würdest du den Spruch für junge Menschen auf dem Sprung in den ersten Job umtexten?

    Vielleicht: Wähle etwas aus, bei dem du dir nicht vorstellen kannst, ohne es leben zu wollen. Bei mir war das eben die Musik, die ich extrem liebe. Es gibt ja auch genügend Menschen, die sich handwerklich betätigen wollen. Jeder hat etwas, das er sehr gern tut.

    Hast du einen Karriereplan oder überlässt du das, was kommt, dem Schicksal?

    Ich habe schon ein Ziel beziehungsweise einen Plan, darin sind auch die einzelnen Schritte definiert. Ohne die kommt man nicht wirklich zum Ziel. Mein Ziel wäre schon, eine große Tour in vollen Häusern zu spielen. Ich würde mir wünschen, dass man meine Musik gern hören und die Live-Shows sehen will, und dass dies einmal einen großen Teil meines Einkommens ausmacht. Schön wäre auch die Vorstellung, dass ich Menschen mit meiner Musik durch ihr Leben begleiten und ihnen kleine Erinnerungen mitgeben kann. Dass sie etwa an Billie Steirisch denken, weil sie einen Song auf der Matura-Reise gehört haben, dabei zum ersten Mal geschmust oder Liebeskummer hatten.
    Und sonst arbeiten wir gerade mit Hochdruck an meiner LP, wir arbeiten mit diversen Unternehmen zusammen. Wir lassen aber vieles auch auf uns zukommen.

    Hattest du je einen Plan B in deinem Leben?

    Ich bin ja in dem, was ich mache, so vielseitig interessiert – das sind Comedy, Musik, im letzten Aussee-Krimi spielte ich eine große Rolle. Schon als Kind hatte ich eine Berufsranking-Liste. Da haben sich auf Platz eins und zwei Schauspiel und Gesang abgewechselt, Moderatorin war Top drei. Die ersten beiden Sachen habe ich studiert, bei Krone Hit habe ich zwei Jahre den Verkehr angesagt. Platz vier war Stewardess, das wäre auch eine Option gewesen, und auf Platz fünf lag die Stripperin.

    Warum das?

    Ich bin mit Cardi B. und anderen Rapperinnen groß geworden, und viele davon arbeiteten vorher als Stripperin.

  • MUTTER IM TALK

    MUTTER IM TALK

    Traum-Ausbildung statt langweiligem Schultrott

    Katharina Heger hat selbst ein Studium absolviert – und ist glücklich, dass ihre beiden Kinder an ihren Lehrstellen so sehr aufblühen.

    WIE EIN SPRUNG ins kalte Wasser – so be- schreibt Katharina Heger ihre erste Joberfahrung. Die ehrgeizige Steirerin hatte internationale Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck und – dank Stipendium – in Birmingham an der Aston Business School studiert. „Aber als ich nach meiner Einstellung gleich einen Marketingplan erstellen sollte, war ich verloren“, lacht sie. Umso mehr schätzt sie die Praxiserfahrung, die ihre beiden Kinder Felix (18) und Amelie (16) an ihren Lehrstellen bei KNAPP sammeln. „Amelie macht als Industriekauffrau ja quasi die analoge Lehre zu meinem Studium, da habe ich die beste Vergleichsmöglichkeit. Sie durchläuft alle Stationen der Wertschöpfungskette in der Firma und bekommt so überall einen richtig guten Einblick. Das ist unbezahlbar.“ Auch Felix ist an seiner Lehrstelle als Applikationsentwickler überglücklich – genau diese Ausbildung wollte er machen, mittlerweile nutzt er die Möglichkeit, eine Lehre mit Matura zu absolvieren.

    Ganz so glatt lief der Übergang von der Schule in die Lehre jedoch nicht. „Felix war immer ein guter Schüler, war zuletzt in der HTL Kaindorf, aber durch das Distance Learning während der Pandemie hat er Freude am Lernen verloren“, erinnert sich seine Mama. Amelie besuchte die BAfEP für Elementarpädagogik in Mureck und eröffnete den Eltern nach ihrem Praktikum im Kindergarten: „Ich sehe mich nicht in diesem Berufsbild. Ich möchte meine Fähigkeiten erweitern und viel mehr in wirtschaftliche Themen eintauchen.“ Trotz eines Top-Zeugnisses mit fast lauter Einsen sah sie einfach keinen Sinn mehr in dieser Ausbildung.

    Qual der Wahl

    „Dann haben wir begonnen, Alternativen zu suchen – und unglaublich viele neue, tolle Berufsbilder entdeckt. Vor allem im technischen Bereich hat sich so viel getan“, so Heger über die Berufsorientierung an der Lehrstellenbörse. Felix‘ Traumberuf, der Applikationsentwickler, wird als Lehrstelle in der Steiermark nur von wenigen Firmen angeboten. „Als er nach den ersten Schnuppertagen bei KNAPP strahlend nach Hause gekommen ist, hab ich gewusst: Jetzt haben wir das Richtige gefunden. Denn eines hat mir als Mutter schon Angst gemacht: Er hatte in der Schule seinen Antrieb verloren, und das bin ich von meinem Sohn gar nicht gewöhnt.“ Mittlerweile ist Felix im zweiten Lehrjahr, die ersten Prüfungen hat er mit sehr gutem Erfolg absolviert. Dafür gab es einen zusätzlichen Urlaubstag und eine Frühstückseinladung zu Martin Auer. „Es ist schön, dass Leistung in der Firma honoriert wird“, findet Heger. Kaum hatte Felix den L17, bekam er einen Kleinbus zur Verfügung gestellt und darf täglich seine Kollegen zur Arbeit chauffieren. „Das hat mich ganz besonders berührt: Dass andere Menschen meinem Sohn so viel Vertrauen schenken.“

    Vertrauen und Wertschätzung

    Dass auch Amelie ihre Ausbildung bei KNAPP machen würde, war so nicht geplant. Sie hat in diversen Betrieben geschnuppert. „So richtig gefunkt hat es bei ihr aber erst, als sie von der KNAPP heimgekommen ist“, schmunzelt die Mama. Sie hat ihre Lehre im September 2023 gestartet und fühlt sich dabei sehr wohl. Das liegt nicht nur an der großen Wertschätzung, die Lehrlingen hier entgegengebracht wird – schon während des Onboarding-Prozesses präsentieren die jungen Menschen ihre Arbeiten vor Führungskräften – und an den vielen Vorteilen, die eine so große Firma bietet, wie zum Beispiel Entwicklungsmöglichkeiten, Sport- und Freizeitangebote und gemeinsame Unternehmungen. Vor allem der Zusammenhalt in der buntgemischten Lehrlingscommunity gefällt Amelie und Felix. Und das begeistert auch Mutter Katharina: „Der ganzheitliche Ansatz, also Stärkung von Körper und Psyche und die Unterstützung durch Coaches, sowie die vielen Themen, die während der Lehre behandelt werden – das ist schon etwas Besonderes.“

    Ihr Rat an Eltern, deren Kinder an dem Scheideweg von Schule und Ausbildung stehen: „Man sollte in Möglichkeiten denken, keine Tabus zulassen. Heutzutage muss nicht mehr jeder studieren, es gibt eine Fülle von spannenden und zukunftsträchtigen Ausbildungsmöglichkeiten. Und möglichst viel ausprobieren, schnuppern und so einen Eindruck von dem Job und dem Betrieb bekommen – dann gemeinsam reflektieren. Wichtig ist, dass man etwas findet, wo die Leidenschaft des Jugendlichen abgeholt wird, dann macht die Lehre auch Spaß. Und natürlich muss auch das System passen – nicht jeder junge Mensch passt in jede Firma.“

  • Eltern, bremst eure Ängste ein!

    Eltern, bremst eure Ängste ein!

    Beginnt ein Kleinkind zu gehen, freuen sich alle. Geht es um die Jobwahl des Kindes, schreiben viele Ängste mit, sagt Ali Mahlodji. Bei ihm suchen zu diesem Thema Jugendliche und Eltern Rat. Oft empfiehlt er mehr Entspanntheit – und zwar den Eltern.

    Herr Mahlodji, was hat Ihnen Ihre Mutter für Ihr Leben mitgegeben?
    ALI MAHLODJI • Sehr viel, auch wenn ich früher immer gedacht habe, meine Mutter sei beinhart und die Mütter anderer Kinder seien viel netter. Heute kann ich sagen, dass meine Mutter liebevoll gehandelt hat. Sie hat mich gelehrt, dass jede Entscheidung im Leben Konsequenzen hat. Damals, als ich ihr mitgeteilt habe, ich werde die Schule hinschmeißen – kurz vor der Matura -, drohte sie mir, mich aus der Wohnung zu werfen. Sie meinte, das mit dem Schulabbruch sei zwar meine Entscheidung, doch ich sei nun fast volljährig und müsse dann auch mit den Konsequenzen leben. Sie werde nicht ewig da sein und wenn ich nicht jetzt lerne, zu meinen Entscheidungen zu stehen, werde ich das nie tun. Das hat mich gerettet.

    Was war Ihre Konsequenz aus diesem Gespräch? Sind Sie weiter zur Schule gegangen?
    A M • Nein, aber ich war gezwungen, zu sehen, wie viel ich dann doch kann. Damals hatte ich kein Selbstbewusst- sein und dachte, ich sei der größte Idiot. Das, was ich konnte, kam erst dadurch zutage, weil meine Mutter mich ins kalte Wasser geworfen hat. Im Nachhinein könnte man sagen, meine Mama war tough. Doch in Wahrheit hat sie sich nicht mehr zu helfen gewusst. Sie hat diese Strenge aber kon- sequent durchgezogen! Und sie hat mir noch eine wichtige Sache mitgegeben, sie meinte: „Ali, du kannst machen, was du willst. Auch wir Erwachsene wissen nicht, wie die Welt in zehn Jahren aussieht.“ Sie hat mich also mit ihren Ängsten, was meine Zukunft betrifft, verschont.

    Meinen Sie damit, dass Eltern ihren Kindern ruhig mehr zutrauen könnten?
    A M • Zu mir kommen oft Eltern, die mich um Rat fragen, wenn es um die Wahl des richtigen Berufes geht. Meine Gegenfrage lautet: „Warum sind Sie bei mir und nicht Ihr Kind?“ Ich kenne El- tern, die gehen mit ihrem 22-jährigen Kind mit zur Uni, um das passende Studium zu finden! Mein Rat an Eltern ist der, ihren Kindern Entscheidungen mit einer Selbstverständlichkeit zuzu- trauen, wie sie ihnen auch das Gehen lernen zugetraut haben. Und da tun sich viele Eltern schwer.

    Warum reagieren viele Eltern, wie sie reagieren?
    A M • Denken wir doch an unsere eigene Schulzeit zurück, was wir da alles gehört haben, etwa, dass die Matura das Wichtigste ist und man damit
    auf das Leben vorbereitet ist. Wir alle kennen den Druck und die Erwartungen, die wir in der Schule hatten. Und wenn das eigene Kind in dieses Alter kommt, kommen auch die eigenen Erinnerungen an die Schulzeit zurück. Dann beginnen die Eltern, ihre Kinder vor diesen Erfahrungen bewahren zu wollen. Das ist aber nicht möglich. Die eigenen Ängste werden also auf die Kinder weitergegeben. Für die Eltern ist es wichtig, das zu realisieren. Man müsste die Frage nach dem passenden Job andersherum stellen: Statt für das Kind mitzuentscheiden, was es in zehn Jahren beruflich machen soll, sollte man Eltern bitten, sich in die Rolle eines 17-Jährigen zu versetzen und zu fragen, was man selbst gern tun würde. Fakt ist: Niemand weiß, welche Jobs es in zehn Jahren geben wird – aber ein Kind sollte das wissen!?

    Mütter sind ja oft die stillen Mache- rinnen im Hintergrund. Kindererziehung, die ganze Care-Arbeit hat ja in unserer Gesellschaft wenig Stellen- wert. Was geben Mütter ihren Kindern mit – oft ohne sich darüber im Klaren zu sein?

    A M • Meine Mutter war Alleinerziehe- rin, sie hat uns viel Verantwortungsbewusstsein mitgegeben und die Freiheit, zu denken, dass alles möglich ist. Doch es kommt auf die Familienkonstellation an, darauf, wieviel Selbstwert die Erziehungspersonen haben und neben- bei: Es gibt heute genauso Männer, die Kinderwägen schieben und sich in der Erziehung stark machen. Ich denke, im klassischen Familiengefüge bekommt man als Kind von der Mutter mit, dass sie immer funktioniert, dass auf sie einfach Verlass ist. Auf der anderen Seite ist dieses Bild, dass sich die Frau um alles kümmert, problematisch, weil es dazu beiträgt, Rollenklischees zu festigen, etwa, dass Frauen im Sozialen stark sind, aber weniger in technischen Belangen. Doch diese Rollenbilder werden von der Familie gelebt und weitergetragen. Damit werden die Fähigkeiten von Frauen unterschätzt. Ein Beispiel: Die Corona-Krise hat gezeigt, dass jene Länder, die von Frauen geführt wurden, besser durch die Krise kamen. Der neue US-Präsident Biden setzt für hochkritische Themen Frauen ein. Im Harvard Business Review for Leadership ist zu lesen, dass Frauen in manchen Themen mit weniger Ego hineingehen und mehr miteinander agieren, also das einsetzen, was sie oft zuhause gelernt haben. Bei solchen traditionellen Rollenzuschreibungen muss man jedoch aufpassen und sie vor allem nicht verkürzen.

    Was sind heute so die Schwierigkeiten im Verhältnis Kind – Eltern in der Praxis?
    A M • Homeschooling hat gezeigt, dass manche Eltern kein Verständnis dafür haben, was es bedeutet, ein Schüler oder eine Schülerin zu sein. Sie wur- den zu Arbeiten im Haus eingeteilt, die Eltern sahen aber nicht, dass Schüler- bzw. Schülerinsein auch ein Job ist! Immerhin müssen sich die Kinder und Jugendlichen nun selbst um ihre schulischen Angelegenheiten kümmern. Ihre Herausforderungen damit werden und wurden oft nicht ernst genommen. Leider haben viele Eltern nicht gelernt, ihr Kind zu begleiten und die Neugier- de am Leben zu erhalten.

    Das betrifft vermutlich auch die Berufsausbildung?
    A M • Ja. Was ist denn falsch daran, dass ein Kind Youtuber werden will? Wissen Eltern überhaupt, was ihre Kinder können? Das frage ich Eltern oft, die klassische Antwort ist: „Ich will nicht, dass mein Kind enttäuscht ist“. Wenn Eltern nicht mehr zulassen, dass ihre Kinder enttäuscht sein könnten und ihnen alle Hürden aus dem Weg räumen, ruinieren sie mehr, als sie gutmachen. Klar, sie tun das, weil
    sie selbst Angst haben. Doch da sind wir wieder am Anfang: Kinder und Jugendliche müssen mit Herausforderungen und Hürden umgehen lernen und sie müssen wissen, was es heißt, geduldig zu sein. Der in diesem Zusammenhang so gern gehörte Spruch, dem Kind solle es einmal besser gehen als einem selbst, ist ein Glaubenssatz, der in der Nachkriegszeit erfunden wurde. Der hat heute keine Gültigkeit mehr.

    Der so gern gehörte Spruch, dem Kind soll es einmal besser gehen als einem selbst, ist aus der Nachkriegszeit und hat heute keine Gültigkeit mehr.

  • MUTTER IM TALK

    MUTTER IM TALK

    MOTOREN STATT MATURA


    Schule war nicht seins, die Lehre als KFZ-Mechaniker dafür umso mehr: Warum Elke Harg heute froh darüber ist, dass ihr Sohn Daniel kurz vor der Matura das Handtuch geworfen hat.

    Wenn Elke Harg heute auf ihren 26-jährigen Sohn Daniel blickt, dann tut sie das mit einer ordentlichen Portion Stolz: „Ich weiß, er wird seinen Weg gehen und sein Leben gut meistern – das hat er bewiesen.“ Das war allerdings nicht immer so: Nach gut 12 Jahren Schulkarriere, in der Maturaklasse der HAK, lagen die Nerven blank. „Wir haben gemeinsam gelernt, doch das war sehr anstrengend. Bis ich eines Tages zu ihm gesagt habe: Weißt du, für mich musst du die Schule nicht fertig machen.“ Das hat dann wohl einen Schalter umgelegt, denn Daniel hatte ohnehin schon lange das Gefühl, am falschen Ort zu sein. „Schule hat mich immer weniger interessiert, Autos dafür umso mehr“, schmunzelt er.

    Plötzlich war da eine Energie, die Elke von ihrem Sohn so nicht kannte: „Es hat keine vier Monate gedauert, und er hatte eine Lehrstelle gefunden.“ Und auf einmal war alles leicht: „Ich hatte und habe jeden Tag Spaß an meiner Arbeit – und ich nehme jeden Tag was mit, auch, wenn einmal nicht alles glatt läuft. Ich habe vorher nie handwerklich gearbeitet, und mit 20 eine Lehre anzufangen, war auch nicht ganz leicht.“ Doch die Freude an der Arbeit zeigte sich letztendlich auch in Daniels Leistung: Mittlerweile hat er die Meisterprüfung absolviert, mündlich sogar mit Auszeichnung; und das, obwohl die Vorbereitungszeit mit seinem Zivildienst im Kindergarten Thal zusammenfiel. „Es war wirklich verblüffend zu sehen, wie leicht alles wird, wenn man etwas mit Begeisterung macht“, meint Mama Elke.

    Freude am Job
    Darum war es für sie auch nicht schwer, ihre Vorstellung von Daniels Berufsweg zu überdenken. „Natürlich hatte ich etwas im Kopf, wollte, dass er eine möglichst gute Ausbildung bekommt. Aber für mich war trotzdem immer klar, dass das nicht unbedingt in der Schule passieren muss.“ Wichtig sei vor allem, sich anzusehen, wie es dem Kind mit dem jeweiligen Weg geht. „Denn eines muss einem klar sein: Man kann sein Kind nicht durch eine Ausbildung durchtragen.“

    Auch Daniel hat einen Rat für junge Menschen, die in einer ähnlichen Lage sind, wie er es vor sechs Jahren war: „Sucht euch etwas, was ihr gern macht, was euch wirklich interessiert – dann geht es auch leicht.“ Er habe etwas gefunden, was auch an schlechten Tagen Freude macht: „Ich sorge dafür, dass die Menschen mit ihrem Fahrzeug sicher dorthin kommen, wo sie hinwollen – damit weiß ich, dass ich jeden Tag etwas Sinnvolles mache.“ „Es ist verblüffend, wie leicht alles wird, wenn man mit Begeisterung dabei ist.“

  • Der Einfluss der Eltern ist größer als man denkt

    Der Einfluss der Eltern ist größer als man denkt

    Der Psychologe Philip Streit erklärt, was die Gehirnentwicklung mit der Berufswahl zu tun hat, warum der Flow so wichtig ist, um seinen Traumjob zu finden und wie man Kinder an der schwierigen Schwelle von der Schule zum Berufsleben am besten unterstützen kann.

    WERTSCHÄTZUNG, Haltung, Achtsamkeit: Als Leiter des „Instituts für Kind, Jugend und Familie“ in Graz kennt Philip Streit die wichtigsten Zutaten für eine gelungene Eltern-Kind- Beziehung. Und die ist die Basis, um seinen Nachwuchs so gut wie möglich zu unterstützen, wenn es um die wohl schwierigste Entscheidung in einem jungen Leben geht, nämlich die der Berufswahl. Eine Vielzahl von Aus- bildungswegen steht heute zur Wahl. „Das ist zwar grundsätzlich sehr positiv, aber man kann dabei auch schon einmal den Überblick verlieren“, so der Klinische und Gesundheitspsychologe. Auch der überfürsorgliche Druck der Eltern macht es Jugendlichen oft nicht leicht, sich zu entscheiden. Dazu kommt, dass gerade diese weitreichen- den Entscheidungen meist in einer kritischen Phase der Gehirnentwicklung zu treffen sind. „Zwischen neun und zirka 15 Jahren strukturiert sich das Gehirn neu; eine Chance und ein her- ausfordernder Zeitpunkt zugleich, um die Weichen für das restliche Leben zu stellen“, weiß der Experte.

    Im Flow zum Traumjob

    Obwohl: Einige wissen schon sehr früh, was sie später einmal werden wollen. „Wenn Kinder schon in jungen Jahren eine Leidenschaft für etwas entwickeln, dann fällt diese Wahl oft gar nicht so schwer“, erklärt Streit. Wichtig sei es darum, achtsam zu sein – gegenüber sich selbst, aber noch mehr ge- genüber dem Kind. „Denn jedes Kind hat außergewöhnliche Stärken, Talente, Leidenschaften. Wenn Eltern ihren Kindern begegnen, ist die Basis vorhanden, um gemeinsam mit dem Kind diese zu entdecken und zu fördern Dann entsteht der so genannte Flow – ein gutes Indiz dafür, was einem auch Jahre später noch im Beruf Freude be- reiten wird. Jedes Kind hat normalerweise das entwicklungspsychologische Streben, sich auszuprobieren und sich autonom zu verwirklichen.“

    Neben der Förderung des Nachwuchses können Eltern aber noch mehr tun, um ihre Kinder in dieser wichtigen Phase zu unterstützen, weiß Streit: „Wichtig ist, eine geordnete Struktur und einen Rahmen vorzugeben. Kinder müssen wissen, dass die Eltern immer für sie da sind, beide Seiten dürfen dabei ruhig ihre Meinung sagen. Übermäßiger Druck, Ungeduld oder Bevormundung sollten keinen Platz in dieser Beziehung haben. Auf dieser Basis kann man sich auf Augenhöhe begegnen und Jugendliche durchaus auch inspirieren und für etwas begeistern.“

    Denn gerade bei der Berufswahl haben Eltern viel mehr Einfluss, als man glaube. Das zeige die moderne Pubertätsforschung. „Die Peer-Group ist wichtig, wenn es um soziale Aspekte geht – man geht zum Beispiel in eine bestimmte Schule, weil die beste Freundin auch dorthin geht. Und das darf auch sein. Aber wenn die Eltern- Kind-Beziehung stimmt, wird der Rat von Mutter oder Vater gern angenommen“, erklärt Streit. Es gebe eine klare Tendenz, Ausbildungsentscheidungen im Einvernehmen mit den Eltern zu treffen – auch in stürmischen Zeiten, wie der Pubertät, haben Eltern also durchaus die Chance, durchzudringen und positiv einzuwirken.

    Sehr hilfreich können auch Oma und Opa sein, denn die haben aus Sicht der Enkel oft genau das, was ein guter Berater braucht: Haltung, Erfahrung, eine eigene Meinung, aber auch ein offenes Ohr. Damit geben sie einen Rahmen, in dem sich Jugendliche orientieren können. „Für Eltern wie auch für Großeltern gilt aber: Sie dürfen durchaus Vorschläge machen und dazu stehen. Doch ob der Jugendliche das annimmt, muss ihm überlassen bleiben.“

    Richtungskorrektur

    Aber was tun, wenn der Berufswunsch ganz augenscheinlich in eine Sackgasse führt, wenn der Nachwuchs zum Beispiel unbedingt Influencer werden will? „Auch solche Wünsche sollte man sich anhören. Wichtig ist, dass man dabei innehält, sich nicht in eine Abwehrhaltung hineinsteigert und wohlüberlegt argumentiert. Jedoch würde ich dennoch auf einer fundierten Ausbildung beharren; und manch- mal braucht es auch ein klares Nein“, so Streit. Auch hier zählt: Aufrichtigkeit und eine klare Botschaft schaffen Vertrauen und Authentizität und somit eine konstruktive Basis für Gespräche.

    Noch öfter kommt es vor, dass Jugendliche während der Ausbildung das Gefühl haben, nicht auf dem richtigen Weg zu sein. Mitten in der Lehre, oft auch kurz vor dem Abschluss, will man aussteigen. „Wir haben in diesen Fällen in unserem Institut mit folgender Formel die besten Erfahrungen gemacht: Ohne konkrete Alternative wird keine Ausbildung abgebrochen. Wir sagen: Gerne kannst du etwas Anderes machen, wenn du für dich selber einen klaren Weg gefunden hast und ihn uns präsentieren kannst. Bis dahin bleibt der Jugendliche in der angefangenen Ausbildung. Wenn man in diesem Fall beharrlich bleibt, entstehen oft die konstruktivsten Lösungen.“

    Optimistisch bleiben

    Die aktuelle weltweite Gesundheits- und damit einhergehende Wirtschaftskrise ist für Streit kein Grund, um pessimistisch zu werden. „Die Vielfalt im Ausbildungssektor wird bleiben, das Motiv der Erfüllung wird weiter bei der Berufswahl die Hauptrolle spielen – da bin ich optimistisch. Natürlich bringt die technologische Revolution, die durch die aktuelle Krise beschleunigt wird, neue Berufe mit sich, andere werden wegfallen. Doch davor muss man keine Angst haben. Denn das ist für mich die Lehre aus Corona: Die neuen Medien sind wertvolle Entwicklungs- und Orientierungshilfen, sie helfen uns, uns zu vernetzen und Begegnungen zu schaffen. Auch in der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert gab es ähnliche Ängste wie heute – doch der Mensch hat ein unglaublich reichhaltiges Betätigungsfeld, er will sich selbst verwirklichen und wird immer erfüllende und sinnstiftende Aufgaben finden.“

    Bei der Berufsentschei­dung haben Jugendliche heute die Qual der Wahl. Wer schon sehr früh eine Leidenschaft entwickelt, tut sich da leichter.

    PHILIP STREITLeiter des Instituts für Kind, Jugend und Familie

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    MUTTER IM TALK

    Stärken kennen und sich daran orientieren

    Drei erwachsene Söhne hat Andrea Ohersthaller; zwei davon haben
    sich nach der Matura nicht für ein Studium entschieden – und sind damit glücklich.

    ANDREA OHERSTHALLER,Vizebürgermeisterin in Hart bei Graz, hat alle Möglichkeiten der Jobfindung mit ihren drei Söhnen erlebt. „Aber was immer das Wichtigste für mich war: Alle drei haben etwas gefunden, was sie erfüllt.“ Am schwersten hat sich dabei Felix, der Älteste, getan. „Er hat einfach Zeit gebraucht, um sich zu orientieren“, so Ohersthaller. Doch mittlerweile hat auch der 26-Jährige seinen Traumjob gefunden – und zwar über eine Lehre. Dabei sollte es eigentlich ein Medizinstudium sein, doch der schwierige Aufnahmetest macht ihm – wie so vielen anderen – einen Strich durch die Rechnung. Nach abgebrochenem Jus- und Germanistikstudium setzte man sich gemeinsam an einen Tisch und überlegte, wo die Stärken von Felix lägen – und kam bald auf die Landschaftsgärtnerei. Vor einem Jahr hat er diese (verkürzte) Lehre erfolgreich abgeschlossen, arbeitet jetzt in einem Betrieb in Gössendorf, der seine Stärken erkannte und ihn dementsprechend einsetzt.

    Auch der Jüngste, Lorenz (22), hat nach der Matura zuerst eine Lehre begonnen; Tischler wollte er werden. Doch der Betrieb und der junge Mann passten einfach nicht zusammen. Nun ist Lorenz in einer Hausverwaltung tätig und absolviert gerade die Ausbildung zum Hausverwalter und Immobilienmakler; eine durchaus vielverspre- chende Karriere winkt in diesem Bereich.

    Einzig der Mittlere der drei, Viktor (24), ist nach der Matura den „klassischen“ Weg gegangen. Er studiert an der Universität für Bodenkultur in Wien Landschaftsarchitektur. „Die drei ergänzen sich in ihren Berufen sehr gut und tauschen sich auch häufig aus“, erzählt die stolze Mutter. Wichtig war ihr, dass sie früh genug ihre Stärken kennen. „Das ist am GIBS, wo alle drei maturiert haben, immer im Vordergrund gestanden. Mein Mann und ich hatten eigentlich keine Vorstellung, was die Kinder einmal werden würden – uns war nur wichtig, dass sie ihre Arbeit mögen.“ Ein Rat, den sie auch anderen Müttern geben würde: „Wir hätten die Kinder niemals durch das Gymnasium geschleift, ich habe auch nie mit ihnen gelernt. Es ist wichtig, dass die Erfolge, aber auch die Misserfolge ihre eigenen sind; und ganz schlecht ist für das Selbstbewusstsein der Jugendlichen, wenn die Eltern sie durchboxen – so gelingt kein guter Start ins Berufsleben.“ Am Ende zählt die Persönlichkeit eines Menschen, auch wenn es darum geht, sich beruflich zu etablieren. Sich auszuprobieren, zum Beispiel in Ferialjobs und beim Schnuppern, sei ebenfalls ein essenzieller Baustein auf der Suche nach der richtigen Ausbil- dung. Und: „Wir müssen von dem Prestigedenken weg, dass jeder Jugendliche studieren muss – die Wirtschaft zeigt uns, wie gefragt Fachkräfte sind. Und wer für sich die richtige Wahl getroffen hat, dem winkt mit einer Lehre oft ein glücklicheres und erfüllteres Leben. Mit eigenen Händen produktiv sein zu können und etwas zu schaffen, was man sofort betrachten kann, ist ein in Vergessen- heit geratenes, unschätzbares Gut!“

    Es ist wichtig, dass die Erfolge, aber auch die Misserfolge ihre eigenen sind.

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    MUTTER IM TALK

    Mehr als nur eine Lehre

    WK-Steiermark-Vizepräsidentin Gabi Lechner träumte von Matura und Studium ihrer Kinder Antonia und Benedikt – und ist heute umso glücklicher, dass sich beide für eine Lehre entschieden haben.

    Dass eine Lehre alles andere als eine Einbahnstraße ist, beweisen die beiden Kinder von Marketingprofi Gabi Lechner. Denn während Benedikt, gelernter Mediendesigner, mittlerweile Informationsdesign an der FH studiert, bereitet sich Tochter Antonia nach ihrer bravourös ge- meisterten Lehre zur Elektroanlagentechnikerin gerade als Quereinsteigerin auf die Ausbildung zur Tätowiererin vor. Und die WKO-Vizepräsidentin, die selbst ganz klassisch Geschichte und Germanistik studiert hat, könnte stolzer nicht sein.

    Aber das war nicht immer so. „Ich hab‘ mich ganz oft gefragt, was ich falsch gemacht habe“, bekennt sie. Denn auch sie hat von Matura und anschließendem Studium für ihre Sprösslinge geträumt. „Dass meine Tochter, die immer meine Prinzessin war, keinen Maturaball hatte, das tut heute noch weh“, bekennt sie. Ein kleiner Wermutstropfen, der aber kaum mehr ins Gewicht fällt, denn „ich sehe, wie gut es den beiden mit ihrem Lebensweg geht.“

    Falsche Schule, richtige Lehre

    Besonders bei Antonia sei das Happy-End nicht immer vorgezeichnet gewesen, bekennt Lechner.

    „Sie ist ein sehr sensibler Mensch, hatte oft falsche Freunde und ist in der Schule immer wieder von Lehrern missverstanden worden.“ Nachdem sie die dritte Klasse des Gymnasiums wiederholen musste, wollte sie erst Kindergärtnerin werden und schaffte auch die Aufnahmeprüfung ins BAKIP (heute: BAfEP). Doch beim ersten Eltern- sprechtag kam der große Schock: „Außer dem Gitarre-Lehrer hat sie dort niemand gekannt, weil sie einfach nicht hingegangen ist.“ Zuhause dann das Geständnis, dass das die falsche Schulwahl war und sie nicht mehr in die Schule gehen wolle. „Also haben wir sie abgemeldet und ihr 14 Tage Zeit gegeben, sich Lehrberufe herauszusu- chen, die sie interessieren“, so die Agenturchefin. Nach diversen Schnupperwochen – „das ist sehr wichtig!“ – entschied sich die junge Frau für eine Lehre als Elektroanlagentechnikerin bei SSI Schäfer – und schaffte auch auf Anhieb die Lehrabschlussprüfung. Mittlerweile interessiert sich die 24-Jährige aber für die Ausbildung zur Tätowiererin. „Darauf bereitet sie sich gerade akribisch vor – aber das Gute ist: Ich weiß, auch wenn das nichts werden sollte, als Elektrotechni- kerin findet sie jederzeit wieder einen Job“, erklärt die stolze Mutter.

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    MUTTER IM TALK

    WENN IN DER SCHULE EINFACH NICHTS MEHR GEHT
    Maximilian ist 15 – und hat eine sehr klare Vorstellung von seiner beruflichen Zukunft. Wie es Mama Michaela Mayr mit ihrem selbstbewussten Sohn zwischen Corona-Schulfrust und der Entscheidung für eine Lehre ergangen ist, hat sie uns im Interview verraten.

    Die Pandemie hat auf unser aller Leben Auswirkungen – auf manche mehr, auf manche weniger. Und sie hat ein Brennglas darauf gerichtet, was uns wirklich wichtig ist. Im Fall von Maximilian war das jedenfalls nicht die Schule. „Er war schon davor kein begeisterter Schüler, musste die dritte Klasse Gymnasium wiederholen. Dann kam auch noch das Homeschooling, da hab‘ ich gemerkt, jetzt ist endgültig die Luft draußen.“ Maximilian konnte immer weniger Sinn in den Online-Aufgaben sehen – und er wollte sich Dinge selbst erarbeiten. Wenn ihn seine Mutter bei der Schularbeiten-Vorbereitung unterstützte und er daraufhin eine bessere Note schrieb, stellte sich die erhoffte Freude nicht ein. „Das war für ihn dann einfach nichts wert“, erklärt Michaela Mayr. Erst nach und nach wurde ihr klar, dass ihr Sohn die Mitarbeit im Gymnasium fast vollkommen eingestellt hatte. „Das war eine schwierige Zeit“, gibt Mayr zu.

    Mit den Händen arbeiten
    Doch dafür war eine andere Begeisterung in Maximilian erwacht: Mit Freunden hatte er angefangen, an Mopeds herumzuschrauben. „Er hat zu mir gesagt, er will mit den Händen arbeiten – das war für mich der Schlüsselsatz, plötzlich hat es Klick gemacht.“ Nach dem Wechsel vom Gymnasium in die Neue Mittelschule ließ der Druck nach, die berufspraktischen Tage beim ÖAMTC waren dann der letzte Puzzlestein, um das Bild von der beruflichen Zukunft vollständig zu machen. Kürzlich hat er seine Bewerbung für eine Lehrstelle an den ÖAMTC abgeschickt. „Dass wir jetzt wissen, wohin die Reise geht, war eine echte Erleichterung“, erklärt die Mutter. „Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass es in der Schule besser klappt – ich habe ja sein Potenzial gesehen. Und es war schwierig, die Balance zu finden, wie sehr ich mich einmische und wie viel ich ihm selbst zutraue. Aber er ist sehr selbstständig und selbstbewusst und weiß instinktiv, was gut für ihn ist.“

    Lehre mit Matura
    Für Maximilian ist übrigens jetzt schon klar, dass er eine Lehre mit Matura absolvieren will. „Er hat gleich gesagt, wer weiß, ob mir der Lehrabschluss allein dann reicht und ob ich das mein Leben lang machen will. Ich mache mir wirklich keine Sorgen um meinen Sohn, ich bin sicher, der geht seinen Weg“, meint Mayr.

    Michaela Mayr ist froh, dass ihr Sohn Maximilian sich für eine Lehre entschieden hat.