Schließen Sie für einen Moment die Augen und denken Sie an ein Kinderzimmer. Welche Farben sehen Sie vor sich? Wo stehen die Puppen, wo parken die Autos? Wir alle tragen diese Bilder in uns – eine unsichtbare Schablone aus Rosa für die Fürsorge und Blau für das Abenteuer. Doch wer sagt eigentlich, dass diese Grenzen heute noch gelten müssen?
Ich habe das bei meinen beiden Söhnen – heute um die 30 Jahre 😉 – ganz pragmatisch gelebt. Bei uns zu Hause war es völlig normal, dass zum Großwerden auch das Tischabräumen und der Hausputz gehörten. Das war keine bewusste pädagogische Entscheidung, sondern schlicht meinem Ego und meinen Zeitressourcen geschuldet: Als berufstätige Alleinerzieherin wollte ich meine Jungs schlichtweg nicht rund um die Uhr bedienen. Sie mussten mitanpacken.
Warum auch nicht? Ein Staubsauger ist ebenso wenig ein „Frauending“, wie ein Schraubenschlüssel ein „Burschen-Privileg“ sein sollte. Rollenbilder bröckeln nämlich genau dort zuerst, wo wir sie – vielleicht auch aus purer Lebensnotwendigkeit oder weil das eigene Ego groß genug ist – gar nicht erst zementieren.
Schluss mit den inneren Schubladen: Warum der Girls‘ Day wirkt
Hand aufs Herz: Haben wir nicht alle diese inneren Schubladen? „Das ist eher was für Burschen“, „In der Technik bin ich nicht gut“, „Das ist zu schwer.“ Doch die Zukunft, an der wir hier bei ZUKUNFT MEISTERN bauen, kennt diese Schubladen nicht. Sie braucht Köpfe, die querdenken, Hände, die anpacken, und den Mut, einfach mal auszuprobieren.
Genau deshalb ist mir eine Initiative wie der Girls‘ Day so eine Herzensangelegenheit. Es geht dabei um viel mehr als nur einen Tag in einer Werkstatt. Es geht um den Moment, in dem ein Mädchen zum ersten Mal merkt: „He, ich kann das ja! Und es macht auch noch Spaß!“
Frauen in der Technik: Der Trend in der Steiermark
Die Zahlen geben uns recht. Ich beobachte die Entwicklung in der Steiermark schon lange: Das starre Festhalten an den klassischen „Top-10-Mädchenberufen“ bröckelt. Während 2004 noch fast Dreiviertel der Mädchen in den immer gleichen Branchen landeten, traut sich heute fast jede zweite junge Frau über den Tellerrand hinaus. Metalltechnik und Elektrotechnik werden zum neuen Standard.
Vorbilder, die Geschichte schreiben
Wenn ich von Frauen wie der steirischen Europameisterin Leonie Tieber lese, die in der KFZ-Technik die gesamte männliche Konkurrenz hinter sich gelassen hat, dann weiß ich: Da draußen wartet Potenzial, das nur darauf brennt, entdeckt zu werden. Wir dürfen nicht vergessen: Ohne Pionierinnen wie Ada Lovelace oder Hedy Lamarr gäbe es heute weder Computerprogramme noch WLAN. Technik war schon immer (auch) weiblich.
Pionierinnen der Technik: Intelligenz kennt keine Klischees

Ada Lovelace (1815–1852)
Die erste Programmiererin der Geschichte.
Die Tochter des Dichters Lord Byron war eine mathematische Hochbegabte. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte sie das Potenzial der „Analytical Engine“ (einer mechanischen Rechenmaschine) über das reine Rechnen hinaus. Sie verfasste den ersten Algorithmus, der von einer Maschine ausgeführt werden sollte, und gilt damit als die erste Programmiererin der Welt.
Hedy Lamarr (1914–2000)
Hollywood-Star und geniale Erfinderin.
Die gebürtige Österreicherin war nicht nur eine der schönsten Frauen Hollywoods, sondern auch eine brillante Tüftlerin. Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sie ein Frequenzsprungverfahren für Funkfernsteuerungen von Torpedos. Diese Technologie ist heute die Basis für WLAN, Bluetooth und GPS. Hedy Lamarr zeigt, dass technisches Genie und Glamour kein Widerspruch sind.
Fotos: MGM / Clarence Bull (1939), via Wikipedia (Public Domain) Porträt von Alfred Edward Chalon (um 1838), via Science Museum London / Wikipedia
Ausblick: Den Girls‘ Day 2027 und Schnupperchancen nutzen
Auch wenn für den diesjährigen Aktionstag keine Anmeldungen mehr möglich sind, bleibt die Botschaft. Wer den Girls‘ Day 2026 verpasst hat, sollte sich den Termin für 2027 bereits jetzt vormerken.
Mein Tipp für die Zwischenzeit: Warten Sie nicht auf den nächsten Termin. Die beste Methode, um herauszufinden, was einem wirklich liegt, ist und bleibt das Berufsschnuppern. Es gibt in der Steiermark großartige Betriebe, die jungen Talenten jederzeit die Türen öffnen, um die Praxis hautnah zu erleben.
Falls Sie unsicher sind, wie Sie das Thema „Schnuppern“ mit ihrem Kind am besten angehen, haben wir hier einen praktischen Leitfaden für Sie zusammengestellt: Tschüss Pausenglocke, hallo Praxis: Warum Schnuppern für Jugendliche so wichtig ist.
Mein Impuls für euch: Egal ob ihr Eltern, Lehrpersonen oder selbst junge Frauen seid: Werft die alten Rollenbilder über Bord. Die Zukunft ist zu spannend für alte Muster. Lasst uns die Weichen jetzt stellen – mutig, neugierig und vor allem: selbstbestimmt.


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