Dass die Lehre ein gutes Fundament ist, zeigen diese Menschen-Porträts. Vom „Tatort“-Ermittler bis zum Erzbischof stehen nach einer Lehre alle Wege offen, früher wie heute.

Bevor die deutsche Sängerin KERSTIN OTT mit ihrem Lied „Die immer lacht“ Karriere machte, arbeitete sie als Malerin und Lackiererin, und zwar bis zu ihrem musikalischen Durchbruch im Jahr 2016. Über ihren Lehrberuf hat sie in einem Fernsehinterview einmal gesagt: „Ich habe gelernt, meine Arbeit vernünftig zu machen. Das hilft mir auch in meinem heutigen Job.“ Handwerkliche Tätigkeiten erledigt sie bei sich zu Hause bis heute am liebsten selbst, und sollte es mit ihrer musikalischen Karriere nicht mehr so gut laufen, kann sie sich sehr wohl vorstellen, in ihren alten Job zurückzukehren.

Für DIETER FERSCHINGER, Promifriseur aus Graz, bietet die Lehre so vieles, etwa tolle Aufstiegsmöglichkeiten, die nach den Jahren automatisch kommen. „Dadurch steigert sich auch das Gehalt, oft schneller als nach einem Studium!“ Was er Lehrlingen, die für sich den richtigen Job gefunden haben, mit auf den Weg geben möchte: „Fragt eure Ausbildner viel über den Beruf und generell über die Arbeitswelt. Eignet euch Disziplin an und bringt zu Ende, was ihr einmal begonnen habt. Habt keine Furcht vor euren Chefs, seht sie nicht als Gegner, sondern als jemanden, der Karriere gemacht hat. Merkt euch ihre Entscheidungen oder warum sie etwas tun, das könnte auch für euer späteres Berufsleben ein wichtiger Leitfaden sein, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Er ist aus dem deutschen Fernsehen nicht wegzudenken, und er hat stets Haare und Bart schön: KLAAS HEUFER-UMLAUFS erste berufliche Station war eine Friseurlehre. Im Anschluss daran arbeitete er als Maskenbildner, 2005 kam der Sprung ins Fernsehen, genau genommen zum Musiksender Viva. Ein Lehrer soll ihm zu Schulzeiten bereits gesagt haben, dass er bestimmt bei Sat1 lande, wenn er so weitermache. Er sollte Recht behalten.

Der Haubenkoch RICHARD RAUCH hat sich mit seinem Lehrberuf an die Spitze seiner Branche hochgearbeitet. Seine Ausbildung ist noch immer ein Teil von ihm: „Die unendliche Freude an diesem Beruf habe ich spüren, entdecken und lernen dürfen, diese Freude ist noch immer da, wie in der ersten Stunde. Ganz besonders ist und war immer für mich, dass ich mit meinem Gaumen, Geschmack und Handwerk Menschen glücklich und selig machen darf.“ Für ihn ist eine Lehre aktuell so attraktiv wie nie zuvor: Als Jugendlicher eine Lehre zu machen, ist jung, dynamisch, cool. Es sind schnelle Aufstiegschancen gegeben, aufgrund des Facharbeitermangels kommt Arbeitsplatzsicherheit dazu. In unseren Zeiten stehen immer alle Türen für Vertiefungen und Spezialisierungen während und nach der Lehre offen. „Ich würde die Entscheidung jederzeit nochmal so treffen!“
Während seine Sportkollegen meist vom Skigymnasium in die ÖSV-Kader wechselten, arbeitete sich HERMANN MAIER sportlich mit eigener Kraft und eigenem Willen nach oben. Seine Ausbildung in der Ski-Handelsschule Schladming brach er nach einem schweren Arbeitsunfall seines Vaters ab und begann eine Maurerlehre. Vor einigen Jahren unterstützte er die Plattform „Ausbildung statt Abschiebung“ des damals grünen, oberösterreichischen Landesrates Rudolf Anschober. Er begründete das damit, dass er aus seiner eigenen Zeit als Maurer wisse, wie wichtig es vor allem für junge Menschen sei, eine geeignete Ausbildung und Aufgabe zu finden. Allein das bilde die Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration.


In seiner Tatort-Rolle als Professor Karl-Friedrich Boerne spielt er den spießigen Bildungs- bürger schlechthin. Bevor er auf die Bühnen und ins Fernsehen kam, hat JAN JOSEF LIEFERS, einer der bekanntesten deutschen Schauspieler seinen Berufsweg mit einer Lehre begonnen. Zwar wurde er in eine Theaterfamilie hineingeboren (sein Halbbruder Martin Brambach ist der Tatort-Kommissar Peter Michael Schnabel aus Dresden) und obwohl er selbst in diese Branche wollte, absolvierte er nach seinem Schulabschluss zunächst eine Tischlerlehre am Dresdner Staatstheater.
EVELINE WILD ist Österreichs bekannteste Patissière. Sie hat in Tirol den Beruf Konditorin gelernt und hatte Glück mit ihrem Lehrbetrieb: Dort wurden keine Fertigprodukte verwendet, sondern alles nach alten Rezepten mit guten und natürlichen Zutaten hergestellt. Qualität bei den Zutaten und Lebensmitteln ist ihr heute noch überaus wichtig. Über ihren Lehrberuf, den sie „auf jeden Fall“ nochmal ergreifen würde, sagt sie: „Routine zu lernen ist enorm wichtig. Je öfter man etwas macht, umso weniger muss man darüber nachdenken, desto mehr kann der Kopf auf Reisen gehen, sprich kreativ werden.“ Jungen Menschen auf Jobsuche rät sie: „Augen auf bei der Wahl des Lehrplatzes und raus aus der Komfortzone!“ Was sie damit meint? Vielleicht ist ja der Lehrplatz, der gut passen würde, weiter entfernt von zu Hause. Und vielleicht ist es nicht ganz einfach, in jungen Jahren von daheim auszuziehen. Aber eine tolle Lehrstelle, wo die Chemie zwischen Lehrling und Ausbildnern stimmt und dadurch der Lernerfolg größer wird, ist ein Grundstock, auf dem man aufbauen kann, sagt sie.


Auch in der Welt der Geistlichen gibt es gelernte Handwerker, der Erzbischof von Salzburg, FRANZ LACKNER, ist einer davon. Der gebürtige Oststeirer absolvierte zunächst eine Lehre als Elektriker. Beim Bau der UNO-City in Wien arbeitete er als Staplerfahrer und Betonierer. Als er mit der UNO in Zypern stationiert war, begann er, sich intensiv mit dem Glauben und der Bibel auseinanderzusetzen. Er entschied, Priester zu werden und trat 1984 in den Franziskanerorden ein.


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