Warum die Lehre für Jugendliche längst attraktiv ist – und wir Erwachsenen noch aufholen müssen
Es gibt Gedanken, die halten sich erstaunlich lange.
Zum Beispiel jener, dass die Lehre ein Plan B sei – ein Ersatzweg, den man nur einschlägt, wenn die schulische Laufbahn ins Stocken gerät. Ein Bild, das viele Erwachsene aus ihrer eigenen Jugend noch bestens kennen. Und das heute weiter von der Realität entfernt ist als ein Wählscheibentelefon vom Smartphone.
Aktuelle Jugendstudien zeigen ein anderes Bild:
Für die Generation Z ist die Lehre ein moderner, sicherer und völlig selbstverständlicher Bildungsweg. Kein Abstieg, kein Kompromiss – sondern eine sinnstiftende und zielführende Wahl. Jugendliche denken nüchterner, klarer und oft auch realistischer als wir Erwachsenen. Sie fragen nicht: „Wie wirkt das?“
Sondern: „Was funktioniert?“
Und funktionieren soll vor allem eines: ein Alltag, der Sinn macht.
Sicherheit statt Prestige
Sicherheit, Wertschätzung und Verlässlichkeit im Team stehen für viele 16- bis 25-Jährige deutlich über Prestige oder Titeln. Die Lehre liefert genau das: frühe Verantwortung, echte Aufgaben und ein Umfeld, in dem man spürt, dass der eigene Beitrag zählt.
Zahlen belegen diesen Trend: Rund ein Drittel der Jugendlichen in Österreich sieht die Lehre heute als bevorzugten Bildungsweg – nicht als Notlösung, sondern als bewusste Entscheidung für Sicherheit und Perspektive. Viele wünschen sich einen raschen Einstieg ins Berufsleben, ein eigenes Einkommen und klare Rollen im Arbeitsalltag.
Lehrlinge verdienen bereits während der Ausbildung ihr eigenes Geld. In zahlreichen technischen Lehrberufen liegt die Lehrlingsentschädigung im 4. Lehrjahr bei über 2.000 Euro brutto. Nach dem Lehrabschluss starten Fachkräfte häufig mit Einstiegsgehältern, die über jenen vieler Schulabsolvent:innen liegen.
Die eigentliche Hürde sitzt woanders
Gleichzeitig räumen Studien mit hartnäckigen Klischees auf. Die Generation Z ist weder arbeitsscheu noch illusionslos. Sie weiß sehr genau, dass sie sich beim Betrieb bewirbt – nicht umgekehrt. Sie will Leistung bringen, Entwicklung erleben und Verantwortung übernehmen. Und sie erkennt, dass die Lehre Aufstieg, Matura, Studium und sogar Selbstständigkeit ermöglicht.
Tatsächlich haben rund 40 Prozent der Meister:innen in Österreich ihre berufliche Laufbahn mit einer Lehre begonnen. Die Lehre ist kein Tunnel – sie ist ein Netz.
Die eigentliche Hürde für den Einstieg in einen Lehrberuf liegt daher nicht bei den Jugendlichen – sondern bei uns Erwachsenen.
Wir tragen Bilder im Kopf, die Jahrzehnte alt sind. Bilder von begrenzten Möglichkeiten und fehlenden Aufstiegschancen.
Die Jugend hingegen sieht längst die neue Realität:
eine Lehre, die digitaler, flexibler, internationaler und mit mehr Perspektiven ausgestattet ist, als viele von uns je erlebt haben.
Während Erwachsene noch diskutieren, ob künstliche Intelligenz die Arbeitswelt rettet oder gefährdet, fragt die Jugend pragmatisch: „Was kann ich lernen – und was bringt mich weiter?“
Und findet in der Lehre erstaunlich oft eine Antwort, die passt.
Die Lehre funktioniert
Die Jugendlichen sind bereit.
Die Lehre passt zu ihnen.
Was es jetzt braucht, ist die Bereitschaft der Erwachsenen, das eigene Denken zu aktualisieren – und alte Bilder loszulassen. Die Lehre von heute ist nicht das, was viele von uns früher kannten. Sie ist moderner, offener und durchlässiger. Und sie bietet Wege, die nicht nach oben begrenzt sind, sondern sich verzweigen.
ZUKUNFT MEISTERN möchte dabei helfen, diese neue Realität sichtbar zu machen – und Orientierung zu geben, wo Unsicherheit entstanden ist. Nicht mit einfachen Antworten, sondern mit Klarheit.
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Dieser Beitrag ist Teil der aktuellen Ausgabe ZUKUNFT MEISTERN 2026 – dem Magazin für Eltern rund um das Thema Lehre.
Im Heft finden sich Interviews, Orientierungshilfen, Praxisbeispiele und konkrete Anlaufstellen aus der Steiermark.
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Quellen (Auswahl): Ö3-Jugendstudie, ibw Lehrlingsmonitor, AMS Jugendbarometer, WKO Zukunftslehre.