Siemens – ein globaler Arbeitgeber: Weltweit beschäftigt Siemens rund 312.000 Menschen – mehr, als Graz Einwohner hat. Am Standort Siemens Mobility Graz arbeiten etwa 1.500 Personen, davon 79 Lehrlinge.
Lehrlinge berichten: Chancen und Vielfalt
Im Gespräch über Chancen und Vielfalt bei Siemens Mobility (v. l. n. r.): Lehrling Rosalinde Jandl, Standortleiter Stefan Erlach, Lehrling Daniel Schwar sowie Ausbildungsleiterin Rebecca Guth-Urdl. Das Interview erschien bereits in der Jänner-Ausgabe von ZUKUNFT MEISTERN. Ab September starten wieder neue Lehrlinge bei Siemens Mobility – die nächste Chance, Teil eines internationalen Konzerns mit Zukunft zu werden, kommt wieder.
Rosalinde Jandl absolviert im dritten Lehrjahr ihre Ausbildung zur Schweißtechnikerin. Sie schätzt besonders die Kombination aus Theorie und Praxis sowie die Abwechslung im Arbeitsalltag:
„Man hat hier viele Möglichkeiten, kann sich gut weiterbilden. Theorie und Praxis sind eng verwoben und es wird auch neben dem Job Abwechslung geboten, etwa durch Sport. Das tut jedem gut.“
Daniel Schwar, Mechatroniker-Lehrling nach der Matura, hebt die Breite der Ausbildung hervor:
„Wir durften uns an 3D-Druckprojekten probieren, derzeit haben wir einen Roboter, den wir programmieren können. Das alles kann ein kleineres Unternehmen oft gar nicht bereitstellen.“
Ausbildung mit Zukunft
Auch Ausbildungsleiterin Rebecca Guth-Urdl begann einst als Lehrling bei Siemens. Heute begleitet sie junge Talente:
Lehre mit Matura wird angeboten.
Karrierewege stehen offen, Studium ist kein Muss.
Fachliches Wissen wird ergänzt durch Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheitsmanagement, Arbeitssicherheit und Teamfähigkeit.
Besonders wichtig ist ihr:
„Neues lernen zu wollen und sein Wissen zu erweitern, das geht auch nach der Lehrabschlussprüfung weiter.“
Gemeinschaft und Unterstützung
Schon beim Start erleben die Lehrlinge Gemeinschaft: Die Kennenlern-Tage am Reinischkogel fördern Motivation und Zusammenhalt. Daniel Schwar:
„Gerade an stressigen Tagen steigert es die Motivation, wenn man mit den Kollegen reden und sich gegenseitig unterstützen kann.“
Auch Rosalinde Jandl schätzt den Teamgeist:
„Es ist ein gutes Gefühl, dass wir an derselben Sache arbeiten und ähnliche Probleme haben. Du bist nicht allein, bist motiviert und weißt: Es wird auch wieder besser.“
Bei Schwierigkeiten stehen Guth-Urdl und ihr Team auf Augenhöhe bereit, helfen auch in Fächern wie Mathematik oder technischem Zeichnen nach – damit die Lehrlinge bei der Lehrabschlussprüfung glänzen können.
Perspektiven: Von Graz in die Welt
Standortleiter Stefan Erlach betont:
Auslandspraktika helfen, Selbstverantwortung zu übernehmen und den eigenen Platz im Leben zu finden.
Siemens Mobility liefert wichtige Elemente für die Schienenfahrzeugindustrie – eine Branche mit Zukunft und Klimarelevanz.
„Bei uns nehmen schon die Lehrlinge wahr, dass es sinnstiftend ist, in einer solchen Branche zu arbeiten und ein Stück weit beizutragen, den Planeten klimafreundlicher zu gestalten.“
Info: Siemens Mobility Graz
Produkte: Fahrwerke und Pantographen (Dachstromabnehmer) für Schienenfahrzeuge
Jährliche Produktion: ca. 3.200 Fahrwerke und 1.200 Pantographen
Nicht jeder Einstieg in die Lehre verläuft nach Plan. Genau hier setzt die Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) an: Sie ermöglicht Jugendlichen eine fundierte Berufsausbildung auch dann, wenn sie keinen direkten Lehrplatz finden.
Praxisnahe Ausbildung und persönliche Unterstützung Fahed Al Tamimi ist ein Beispiel dafür: Der 19-Jährige, der mit seiner Familie aus dem Irak nach Österreich kam, absolviert seine ÜBA als Kfz-Techniker bei Jugend am Werk Steiermark. Sein Ziel: die Meisterprüfung und ein eigener Betrieb.
Auch beim bfi Steiermark finden Jugendliche wie Adam Amgoune, Zerdest Fakhan, Said Dovtaev oder Jasem Ataei eine zweite Chance. In Kleingruppen lernen sie Metall- oder Elektrotechnik, Maschinenbau oder Kfz-Technik – ohne Produktionsdruck, dafür mit intensiver Betreuung.
Stimmen der Partner – Gert Niederdorfer, Geschäftsführer bfi Steiermark: „In unseren Technikzentren haben wir keinen Produktionsdruck. Wir haben hier mehr Zeit, uns auf eine Fachausbildung vorzubereiten.“ – Eva-Maria Kabas, Projektleiterin ÜBA beim bfi: Sie betont, wie wichtig kleinere Gruppen und persönliche Betreuung sind, besonders nach den Belastungen der Pandemie. – Erwin Krobek, Leiter des Bildungszentrums Paula-Wallisch-Straße (bfi): „Es geht um berufliche Handlungskompetenz – von Pünktlichkeit bis zum achtstündigen Arbeitstag.“ – Walerich Berger, Geschäftsführer Jugend am Werk Steiermark: „Die ÜBA hat auch eine gesellschaftliche Funktion: Sie qualifiziert Menschen beruflich und macht sie fit für die Zukunft.“ – Teresa Hutter-Kanduth, Teamleiterin ÜBA bei Jugend am Werk Graz: „Neben Fachwissen vermitteln wir auch Alltagskompetenzen – von Finanzen bis Integration.“ – Helge Röder, AMS Steiermark: „Die ÜBA nimmt eine wichtige arbeitsmarktpolitische Funktion ein und ist Brücke zwischen Jugendlichen und Wirtschaft.“
Ein wichtiger Baustein für die Wirtschaft Derzeit befinden sich 666 junge Menschen in der Steiermark in einer ÜBA oder in einem Zusatzqualifizierungsprogramm. Ziel ist, die Jugendlichen möglichst rasch in betriebliche Lehrstellen zu vermitteln – unterstützt durch Veranstaltungen wie das AMS-Talente-Frühstück oder Lehrstellenbörsen.
Die Jugendlichen selbst wissen, wofür sie kämpfen: eine abgeschlossene Berufsausbildung, ein sicherer Arbeitsplatz und Perspektiven für die Zukunft.
👉 Mehr über die Überbetriebliche Ausbildung lesen Sie in der Print-Ausgabe von ZUKUNFT MEISTERN – auch als E-Paper verfügbar.
Betreuerin Teresa Hutter-Kanduth, Fahed Al Tamimi und Walerich Berger, Geschäft sführer von Jugend am Werk Steiermark.
Gert Niederdorfer, Geschäftsführer bfi-Steiermark, mit Eva-Maria Kabas und Erwin Krobek, die ÜBA-Lehrlinge betreuen.
Helge Röder – Ziel der ÜBA ist es, dass die Lehrlinge bereits während der Ausbildung von einem Betrieb in ein reguläres Lehrverhältnis übernommen werden.
Erste Anlaufstelle für die ÜBA in der Steiermark
Wer nach der Pflichtschule keine Lehrstelle findet oder eine betriebliche Lehre abbricht, wendet sich zuerst an das AMS Steiermark
Dort wird geprüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind und welcher Weg in die Überbetriebliche Ausbildung passt.
Umgesetzt wird die ÜBA in der Steiermark gemeinsam mit folgenden Partnern:
GF Casting Solutions in Altenmarkt bildet ihre Fachkräfte selbst aus. Anders wäre es nicht möglich in einer Region, die weit vom Schuss ist. Ein Gespräch über das Herzstück eines guten Unternehmens – die Lehrlingsausbildung.
SEIT ÜBER 50 JAHREN steht Altenmarkt im Fokus der Leichtmetallverarbeitung.
Der Industriestandort besteht seit Anfang der siebziger Jahre. Heute fertigen die 650 Beschäftigten und 22 Lehrlinge der GF Casting Solutions hochkomplexe Leichtbaukomponenten für die internationale Automobilindustrie. Die Bauteile werden gemeinsam mit den Kunden entwickelt und in den Werken Altenmarkt und St. Gallen gegossen, bearbeitet und zum Teil auch beschichtet und montiert, sodass sie bei BMW, Porsche, JLR, VW oder Volvo nur noch eingebaut werden müssen.
Die GF Casting Solutions AG hat 12 Produktionsstätten weltweit. Aktuell entsteht in den USA eine neue Gießerei, um zukünftig auch am amerikanischen Markt vertreten zu sein und die Logistikkette zum Endkunden deutlich zu verkürzen. Im Werk St. Gallen befindet sich die moderne Lehrlingswerkstätte.
Ihnen liegt die Ausbildung des Nachwuchses sehr am Herz: Clemens Neuhauser und Geschäftsführer Christian Heigl von GF Casting Solutions Altenmarkt und Helmut Röck, Geschäftsführer der Metalltechnischen Industrie der WK Steiermark. (v.l.)
Das Gespräch
Christian Heigl (Geschäftsführer GF Casting Solutions) Clemens Neuhauser (Personalverantwortlicher) Hannes Stauchner (Lehrlingsausbildner) Helmut Röck (Geschäftsführer Metalltechnische Industrie, Wirtschaftskammer)
Herr Heigl, die GF Casting Solutions ist der größte Arbeitgeber in der Region. Muss man Eltern noch erklären, welche Berufe hier erlernbar sind und welche Produkte im Unternehmen entstehen?
Christian Heigl: Wir sind in der Region tief verwurzelt und haben ein großes Einzugsgebiet. Ich denke, jeder weiß hier, was wir produzieren. Seit 50 Jahren gießen wir Leichtmetall-Strukturteile für die Automobilindustrie, für nahezu alle bekannten Hersteller. Das Herstellungsprinzip hat sich im Laufe der Jahre nicht verändert, auch wenn manche Arbeitsschritte automatisiert wurden.
Wie wichtig ist die Lehrlingsausbildung im Unternehmen, Herr Neuhauser?
Clemens Neuhauser: Die ist extrem wichtig. Weil wir doch etwas abseits liegen, müssen wir unsere Fachkräfte selbst ausbilden. Rund 80 Prozent der jungen Menschen, die ihre Lehre bei uns erfolgreich abgeschlossen haben, sind auch geblieben und haben sich weiterentwickelt, wie unser Geschäftsführer. Wir bieten dafür eine gute Basis. Zwar haben wir noch genügend Bewerber für offene Lehrstellen, merken aber auch die sinkenden Geburtenraten und den Wegzug vieler Menschen in den städtischen Bereich.
Nachdem die schulische Qualität eher sinkt, investieren wir viel in Zusatzunterricht und Fördermaßnahmen, um bei Wissen und Fähigkeiten aufzuholen, was man früher vorausgesetzt hätte. Die Lehrlingsausbildung ist schon ein intensives Miteinander, sei es aus dem Betrieb heraus, aber auch bei der Zusammenarbeit mit den Eltern.
Welche Rolle spielen diese, Herr Stauchner?
Hannes Stauchner: Geht es nach vielen Eltern, so sollen ihre Kinder weiterführende Schulen besuchen. Trotzdem interessieren sich noch immer viele junge Menschen für die Lehre. Da müssen wir einhaken. Wir holen Schüler in den dritten Mittelschul-Klassen zu uns, im Polytechnischen Jahr sowieso. Wir organisieren einen Vormittag lang ein Programm, bei dem die jungen Menschen unseren Betrieb kennenlernen können, informieren über Ausbildungsschwerpunkte, Karrieremöglichkeiten und was genau hier gemacht wird.
In einfachen Animationen erklären wir den Prozess Druckguss, dazu gibt es Bauteile zum Angreifen und bei einer Werksführung präsentieren wir die Maschinen und zeigen, wie sie funktionieren. In der Lehrwerkstätte können die Schüler dann verschiedenste Sachen selbst ausprobieren: Programmieren, Schweißen, Drehen, alles in einem geschützten Rahmen. Nach so einem Vormittag blicken wir in viele leuchtende Augen. Es gilt für die Jugendlichen nun, das auch den Eltern zu vermitteln.
Was braucht es, um den passenden Beruf zu finden?
Hannes Stauchner: Ich würde den Kindern und Jugendlichen raten, sich auszuprobieren. Sie sollen schauen, was ihnen Spaß macht. Eltern sollten ihre Kinder dabei fördern. Für mich war ab dem elften Lebensjahr klar, dass ich etwas mit Elektrotechnik machen möchte. Über meinen älteren Bruder bin ich auch ins Unternehmen gekommen. Es braucht Interessen und Begeisterung für etwas, und das schon früh. Das bei Jugendlichen im Alter von 15 Jahren wecken zu wollen, wird wahrscheinlich zu spät sein.
Was würden Sie Eltern raten, Herr Neuhauser?
Clemens Neuhauser: Man sollte schon im Vorschulalter beginnen, die Kinder zu beobachten und zu fördern. Das machen bestimmt viele Eltern, aber oft ist es auch schwierig. In der Gesellschaft geht das weit auseinander – von Eltern, die sich hier zu wenig kümmern bis hin zur Überbehütung. Bei manchen Kindern muss man auch sagen: Die sind mit 14, 15 noch nicht bereit für eine Lehre. Hier wäre ein weiterer Schulbesuch wahrscheinlich besser.
Sie haben selbst im Unternehmen gelernt, Herr Heigl. Welche Karrieremöglichkeiten haben Lehrlinge hier?
Christian Heigl: Bei uns kann man alles werden. Mit einer Lehre hat man mittlerweile sämtliche Möglichkeiten. Diese bieten wir auch und unterstützen alle Mitarbeiter, die sich fort- und weiterbilden möchten. Wir haben viele Führungskräfte, die bei uns eine Lehre absolviert haben. Ich denke, das ist eine der größten Stärken, die unser Betrieb aufzuweisen hat, denn diese Personen wissen, wie die Praxis funktioniert.
Wenn wir schon über Ausbildung sprechen: Was in der Region fehlt, ist eine vollwertige HTL in Liezen. Die nächstgelegenen sind in Trieben und Waidhofen und somit außerhalb unseres Einzugsgebietes. In ganz Österreich findet sich keine derart große Region wie Liezen, die nicht über eine höhere technische Schule verfügt. Hätten wir andere Ausbildungsmöglichkeiten oder Absolventen zur Verfügung, ergäben sich auch für uns mehr Möglichkeiten. Auch haben wir kein Polytechnikum in erreichbarer Nähe, die Jugendlichen müssen nach Rottenmann fahren. Das ist nicht optimal in einer Region, die ohnehin von Abwanderung betroffen ist.
CHRISTIAN HEIGL
Für den Geschäftsführer Christian Heigl ist das Um undAuf, junge Menschen motiviert ins Berufsleben zu bringen.
Herr Röck, wie sehen Sie die Situation und die Karrieremöglichkeiten?
Helmut Röck: Ich würde gern auf die Karrieremöglichkeiten zurückkommen. Die hängen zwar vom Unternehmen ab, mehr aber von der Frage, ob bzw. wohin sich Menschen entwickeln wollen. Man muss schauen, wo die persönlichen Fähigkeiten und Interessen liegen, zudem gibt es auch Menschen, die ganz zufrieden sind mit ihrem Job in der Produktion.
Was sicher ist, dass die Fachausbildung an Stellenwert gewinnen wird, egal in welcher Position. Mit Artificial Intelligence werden manche Arbeitsschritte wegfallen, aber es wird Fachkräfte brauchen, die ein System verstehen, die wissen, wie Maschinen funktionieren, aufgebaut, betrieben oder repariert werden müssen.
Es wird in der Metallindustrie generell immer automatisierter und digitalisierter gearbeitet, damit steigen auch die Anforderungen an die Lehrlinge.
Wie bereiten Sie Ihre Lehrlinge auf diese digitale Zukunft vor?
Hannes Stauchner: Wir haben schon seit 20 Jahren Roboter-Programmierkurse in der Lehrlingsausbildung. Dort schauen wir, dass wir bei der Steuerung am neuesten Stand sind. Wir arbeiten viel mit externen Anbietern zusammen, unsere Lehrlinge fahren beispielsweise nach Linz, um Wifi-Kurse im Bereich SPS Programmierung zu besuchen. Auch in Sachen Schweißen, Pneumatik, Hydraulik usw. bieten wir Zusatzausbildungen an.
Herr Röck, wie misst man Ausbildungserfolg?
Helmut Röck: Indem man schon früh in neue Technologie und Trends investiert und nicht wartet, bis etwas „passiert“. Man muss vorausschauend agieren und die Belegschaft rechtzeitig vorbereiten, um einer Welle nicht hinterherschwimmen zu müssen.
HELMUT RÖCK
Helmut Röck (WK) sieht mit Artificial Intelligence höhere Anforderungen auf die Ausbildung zukommen.
Muss vor Beginn einer Lehre ein Schnupperpraktikum gemacht werden?
Hannes Stauchner: Ja, für mindestens drei Tage. Bei uns gibt es seit 2021 einen Online-Aufnahmetest, mit dem wir einen guten Überblick über das Wissen und den Wissensstand bekommen, und ja, ein gutes Schulzeugnis ist uns auch wichtig. Im Anschluss gibt es ein Gespräch mit Herrn Neuhauser und mir, auch mit den Eltern.
Was ist Ihnen in der Ausbildung darüber hinaus wichtig?
Hannes Stauchner: Jeden September haben wir mit alten und neuen Lehrlingen einen Workshop, in dem es um Soft Skills geht: etwa gut miteinander zu reden, sich zu verstehen. Das ist uns wichtig, weil die besten Techniker nicht zusammenarbeiten können, wenn die Kommunikation nicht passt.
Wir veranstalten Team-Building-Workshops oder Seminare zur Kostensensibilisierung, also wie man lernt, mit Geld umzugehen. Da ist auch ein Schuldenberater vor Ort, der Negativbeispiele bringt. Wir wollen, dass die Lehrlinge als mündige Erwachsene aus der Lehre gehen.
HANNES STAUCHNER
Lehrlingsausbildner Hannes Stauchner legt großen Wert auf Soft Skills und gute Kommunikation.
Welche Eigenschaften müssen angehende Lehrlinge unbedingt mitbringen?
Hannes Stauchner: Mathematik ist uns sehr wichtig, dazu geben wir vor dem Besuch der Berufsschule zusätzlich Mathe-Trainings. Wir bieten Englisch-Kurse, bei denen nicht Deutsch gesprochen werden darf. Uns ist auch wichtig, dass die Lehrlinge lernen, ihre Werkstücke zu präsentieren und darüber reden zu können. Und natürlich erwarten wir Pünktlichkeit und ein Grüßen-Können.
Wir wissen auch, dass viele junge Menschen unsicher sind. Hier haben wir Herangehensweisen, um ihnen die Scheu zu nehmen. Wenn wir merken, dass die jungen Menschen anpacken wollen, dann unterstützen wir sie dabei. Sie müssen natürlich lernen, aktiv zu sein und Infos zu holen.
Herr Neuhauser, was macht einen guten Facharbeiter aus, gerade bei einer neuen Generation?
Clemens Neuhauser: Beim Facharbeiter bleibt die fachliche Qualifikation definitiv eines der entscheidenden Themen, die man aber stets mit der Persönlichkeit verknüpft sehen muss. Ein guter Facharbeiter muss interagieren können in der Abteilung, sowohl mit jungen Nachwuchsfachkräften als auch mit Kollegen aus anderen Bereichen, die möglicherweise andere Zielsetzungen haben.
Ganz wichtig ist uns die Bereitschaft und Fähigkeit, miteinander Lösungen suchen und finden zu wollen. Da setzen wir schon früh an. Wir bieten nicht nur eine über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Lehrausbildung, wir haben zudem ein großes Angebot zur Entwicklung der Persönlichkeit.
Wenn es Probleme gibt, setzen wir uns mit den Lehrlingen zusammen oder auch mit den Eltern. Dazu müssen die jungen Menschen das aber wollen. Von Altenmarkt sind Mitarbeiter schon nach China gegangen und haben geholfen, dort Standorte aufzubauen, oder in den USA. Da waren unsere Fachkräfte dabei, die erst kurz zuvor ihre Lehre abgeschlossen hatten. Die Bereitschaft, sich einbringen zu wollen, schätzen wir sehr, das brauchen wir und das macht auch unseren Standort aus.
Herr Röck, GF Casting Solutions als Lehrbetrieb?
Helmut Röck: Die GF Casting Solutions ist ein staatlich ausgezeichneter Lehrbetrieb. Das bedeutet, dass ein Unternehmen überprüft wird, ob es über das Lehrbild hinaus fachliche Ausbildungen und Persönlichkeitsausbildung anbietet. Das ist hier definitiv der Fall.
Herr Heigl, was würden Sie Eltern mitgeben, um Kinder auf den Beruf vorzubereiten?
Christian Heigl: Ich denke, es ist wichtig, den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, in die unterschiedlichen Fachbereiche hineinzuschnuppern. Mit Eignungstests in Kombination mit Schnuppertagen bekommt man schon recht ein gutes Bild, in welche Richtungen Interessen bestehen.
Man sollte Angebote nutzen, Tage der offenen Tür beispielsweise, oder Praktika absolvieren, um herauszufinden, für welches Berufsbild die Kinder sich begeistern. Das Um und Auf ist, die Kinder motiviert und mit Leidenschaft in ein Berufsleben zu bringen.
Als ich meine Lehre machte, gab es viel weniger Auswahl als heute. Wahrscheinlich hätte ich auch andere Interessen gehabt, bin aber in die Werkzeugmacherlehre „gerutscht“ und habe mich weiterentwickelt. Das hat für mich sehr gut gepasst.
Es gibt auch andere Beispiele, jene Menschen, die mit der Berufswahl gar nicht glücklich sind. Da wäre es wichtig, in den Schulen stärker auf die Eignungen und Fähigkeiten einzugehen. Ist der Jugendliche technisch versiert, ist er sprachlich begabt, kann er gut kommunizieren? Ist er eher für eine Fachkarriere geeignet oder später als Führungskraft? Da ist noch viel Spielraum und Potenzial, um genauer hinzusehen.
Herr Neuhauser, was ist Ihnen bei jungen Menschen besonders wichtig?
Clemens Neuhauser: Ich würde das Thema „Eigenverantwortung“ mitgeben wollen, das ist enorm wichtig. Es gibt schon eine Tendenz, sich darauf zu verlassen, dass andere es für einen richten: der Kollektivvertrag, die Firma, die Gewerkschaft oder der Staat. Das sehe ich als sehr bedenklich und vor allem nicht richtig.
CLEMENS NEUHAUSER
Personalchef Clemens Neuhauser würde sich mehr Bereitschaft zur Eigenverantwortung wünschen.
Niemand außer man selbst kann die Verantwortung für das eigene Leben und die Berufslaufbahn übernehmen. Das wäre der mir persönlich wichtigste Appell. Es heißt oft schon im Elternhaus: „Lass dir das nicht gefallen“, „gehst halt da und dort hin, die helfen dir schon“ usw. Auch in jungen Jahren muss dieser Reifeprozess gegeben sein, die Verantwortung für das eigene Leben selbst in die Hand nehmen zu wollen und zu können.
Herr Stauchner, noch ein Tipp für Jugendliche?
Hannes Stauchner: Auch mein Tipp wäre: sich früh auszuprobieren und die Interessen herauszufiltern, auch wenn sich diese im Laufe der Zeit verändern können. Ich erlebe immer wieder, dass Eltern ihren Kindern alles abnehmen, etwa Termine zu vereinbaren oder Gespräche zu führen.
Wenn Eltern zu mir kommen, um mit mir über ihr Kind, meinen Lehrling, zu sprechen, sage ich zu diesem: „Lass uns das bitte in Zukunft selbst ausmachen, wir sehen uns ja jeden Tag.“ Es muss auch Ziel des Jugendlichen sein, das Leben einmal allein bestreiten zu können.
Herr Röck, was sollten Eltern tun?
Helmut Röck: Sehr zentral für mich ist, dass Eltern versuchen, die Vielfalt an Berufen aufzuzeigen, und nicht nur jene, mit denen man selbst als Elternteil Erfahrungen gemacht hat. In größeren Betrieben gibt es ein großes Angebot an Berufsfeldern, es wäre wichtig, überall hineinzuschnuppern.
Ein Gymnasium bietet relativ wenig Berufsorientierung, geschweige denn Schnuppermöglichkeiten. Auch wenn man zuerst die Zentralmatura macht oder später ein Studium: In einem Schnupperpraktikum sieht man nicht nur, welche Produkte hergestellt werden, sondern wie alles andere zusammenläuft, wie ein Unternehmen funktioniert.
Das ist eine gute Informationsbasis für die spätere Berufsentscheidung. Und das motiviert auch, lernen und Dinge anpacken zu wollen.
Das ist wie beim Berggehen, wo es egal ist, wenn ich zwischendurch schwitze, weil der Gipfel erreicht werden will. Dasselbe gilt bei der Berufswahl: Junge Menschen sollen den Gipfel sehen können, also das, wohin sie wollen. Auch wenn es dazwischen gilt, Herausforderungen zu bestreiten, der Gipfelsieg wird mit so einer Sichtweise bestimmt erfolgreich bezwungen.
Über GF Casting Solutions
Die GF Casting Solutions in Altenmarkt ist eine führende Lösungsanbieterin von Leichtbaukomponenten für die internationale Automobilindustrie. So ziemlich alle deutschen, schwedischen und britischen Fahrzeuge haben Teile verbaut, die im Gesäuse hergestellt wurden: BMW, Audi, Porsche, Jaguar Land Rover, aber auch Volvo.
Raphael Berger, Laura Faninger und Octavian Lungu lernen bei GF Casting Solutions im vierten bzw. dritten Jahr den Lehrberuf Mechatronik mit Schwerpunkt Automatisierung. Über ihre Eltern, die ebenfalls dort tätig sind, kamen sie zum Unternehmen. Nach den berufspraktischen Tagen stand für alle drei fest: Die GF Casting Solutions sollte ihr Lehrbetrieb werden.
Auch im dritten bzw. vierten Lehrjahr sind sie zufrieden mit ihrer Entscheidung, weil es noch immer viele „Wow-Effekte“ im Beruf gibt, wie Laura Faninger beschreibt. Ihnen ist bewusst, dass ihnen als Facharbeiter in der Wirtschaft alle Türen und Tore offenstehen. Auch Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielfältig, sagt Raphael Berger, der sich gut vorstellen kann, später im Bereich Robotertechnologie und Programmierung zu arbeiten.
Dass die Ausbildung bei GF Casting Solutions erfolgreich ist, zeigen die Lehrabschlussprüfungen: Doppelt so viele Lehrlinge wie im Steiermark-Schnitt schließen die Lehre mit „Ausgezeichnet“ ab.
Im Unternehmen sind Ausbildungen in folgenden Berufen möglich:
Elektrotechnik (Anlagen- und Betriebstechnik)
Mechatronik (Automatisierungstechnik)
Metalltechnik (Maschinenbautechnik oder Werkzeugbautechnik)
Gießereitechnik
Fertigungsmesstechnik, Schwerpunkt Produktmessung
Berufe in der Metallindustrie
Mehr als 1.200 Jugendliche werden aktuell in 86 Betrieben in 50 verschiedenen Berufen zu Fachkräften ausgebildet. Die meisten davon in den Bereichen Metalltechnik (42 %), Mechatronik, Elektrotechnik, Kraftfahrzeugtechnik, Prozesstechnik, Karosseriebautechnik und Elektronik.
Technische Lehrberufe sind mittlerweile auf Platz vier der von Frauen gewählten Berufe. In der Branche verdient man überdurchschnittlich gut: Ein Lehrling in der Metalltechnischen Industrie verdient im vierten Lehrjahr mindestens 2.110 Euro, mit Lehrabschluss 2.890 Euro. Acht von zehn ausgelernten Industrielehrlingen sind fünf Jahre nach der Lehrabschlussprüfung noch im Betrieb tätig.
Über 97 % der Industrielehrlinge bestehen die Lehrabschlussprüfung, mehr als ein Viertel mit Auszeichnung.
Die Fachgruppe Metalltechnische Industrie setzt viele Initiativen, um über die Vielfalt an Berufen zu informieren.
Das Steirische Vulkanland ist mehr als nur eine Region – es ist ein Lebensraum mit Zukunft. In ‚ZUKUNFT MEISTERN 2025‘ werden ausgewählte Leitbetriebe und zukunftsorientierte Arbeitgeber aus dem Cluster Technologie & Handwerk vorgestellt. Sie zeigen eindrucksvoll, wie moderne Ausbildung, nachhaltiges Wirtschaften und gelebter Teamgeist die Region zu einem attraktiven Ort zum Arbeiten und Leben machen.
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Wir wollen nicht belehren, sondern einfach nur Ideen geben. Denn die Zukunft liegt in deiner Hand.
GenZ: Die unterschätzte Generation zeigt, wie Zukunft geht. Die Ergebnisse der Ö3-Jugendstudie 2025 – was Österreichs junge Menschen wirklich bewegt
Die Klischees halten sich hartnäckig: faul, empfindlich, verwöhnt, arbeitsscheu? Die neue Ö3-Jugendstudie 2025 beweist das Gegenteil. Rund 28.000 junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren haben bei der groß angelegten Umfrage mitgemacht – und sie zeigen deutlich: Die GenZ denkt neu, individuell, pragmatisch und vor allem: verantwortungsvoll.
Zwischen Eigenverantwortung und Zukunftssorgen
Trotz multipler Krisen blickt die Mehrheit der jungen Generation mit Optimismus in die Zukunft. 86 % sind mit ihrem Leben zufrieden, 87 % interessieren sich für aktuelle Nachrichten, und ganze 77 % beschäftigen sich aktiv mit Politik – fühlen sich dabei aber nur zu 22 % wirklich vertreten.
Besonders spannend: 80 % wollen Vollzeit arbeiten, wünschen sich dabei aber Sinn, Sicherheit, Teamwork – und klare Grenzen zwischen Arbeit und Leben. Das oft zitierte Bild der „leistungsscheuen GenZ“ ist damit endgültig widerlegt.
Bildung, Beziehungen, mentale Gesundheit
83 % fordern Finanzbildung als Schulfach
66 % sagen: „Kinder gehören zu einem gelungenen Leben“
91 % der jungen Frauen und 76 % der jungen Männer finden: Ein Jahr Väterkarenz sollte selbstverständlich sein
Jede:r Vierte leidet unter psychischen Problemen – aber 69 % würden Hilfe in Anspruch nehmen
Und was gibt Hoffnung?
Die GenZ glaubt an Fortschritt durch Zusammenarbeit: 57 % sehen trotz Herausforderungen eine Zukunft, wenn wir gemeinsam handeln. Ihre Haltung ist differenziert, reflektiert und mutig – und sie brechen Tabus, sprechen offen über mentale Gesundheit, über toxische Beziehungen, Leistungsdruck oder digitale Überforderung.
ZUKUNFT MEISTERN sagt: Hinhören lohnt sich!
Diese Generation ist digital native, kritisch, kreativ, aber auch erstaunlich traditionsbewusst. Sie will mehr als nur Likes – sie will gestalten, verändern, Sinn stiften. Und genau das braucht unsere Gesellschaft.
Die Ö3-Jugendstudie 2025 zeigt: Zukunftsfragen gehören in junge Hände. Und die GenZ ist bereit.
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Donnerstag, 3. April 2025 | 8:30 – 12:25 Uhr | Region Oststeiermark
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Eine Lehre in der Industrie ist die optimale Basis für einen steilen beruflichen Aufstieg. Das zeigt das Beispiel von Christoph Niederl, der nach Mechatronik-Lehre und Abend-HTL-Matura nun seine Karriere als Konstrukteur startet.
Wenn CHRISTOPH NIEDERL von seiner Ausbildung und seinem heutigen Job als Konstrukteur bei der EVG Entwicklungs- und Verwertungs GmbH in Raaba erzählt, ist seine Begeisterung erfrischend ansteckend. Ihm war schon immer klar, dass er eine Lehre machen würde: „Einfach, weil ich handwerklich arbeiten wollte. Es fasziniert mich noch heute, was man aus einem stumpfen Stück Metall alles machen kann – und es beflügelt mich, am Ende des Arbeitstages ein Werkstück selbst geschaffen zu haben und das Ergebnis meiner Arbeit in Händen halten zu können.“ Für sein Umfeld war die Entscheidung doch einigermaßen überraschend: „Alle meine Cousinen und Cousins haben sich für eine Matura entschieden, mein Vater hätte auch gern gesehen, dass ich gleich in die HTL gehe.“
Montagehalle statt Schulbank
Doch der praktische Weg war für Niederl viel verlockender: Kein Wunder, gibt es dort neben vielen anderen Vorteilen doch auch vom ersten Tag an Geld aufs Konto – und wenn man sich für eine Lehre in einem Industriebetrieb entscheidet, so wie es Niederl getan hat, sogar überdurchschnittlich viel. Als Elektrotechnik-Lehrling sind das beispielsweise 1.188 Euro brutto im ersten Lehrjahr, im vierten sogar schon 2.316 Euro brutto pro Monat. Die HTL-Matura hat der Mechatroniker dann nach der Lehrzeit nachgeholt, heute arbeitet er in seinem ehemaligen Lehrbetrieb als Konstrukteur und ersetzt das Werkzeug durch die Tastatur. „Ich habe mir bei vielem in der HTL leichter getan, weil ich einfach schon die praktische Erfahrung hatte. Und auch in meinem neuen Job kommt mir das Wissen aus der Lehre zugute“, ist er sich sicher. Dies ist übrigens ein weiterer Vorteil einer Lehre in der Industrie: 80 Prozent der jungen Menschen nutzen auch nach ihrer Ausbildung die attraktiven Karriereangebote in ihrem Betrieb. Eine Lehre liefert nun einmal den perfekten Mix aus Berufserfahrung und theoretischem Wissen.
Jeder Lehrling zählt
„Als Unternehmen achten wir genau darauf, welche besonderen Talente und Interessen die Jugendlichen haben, und gehen bei ihrer Ausbildung auf sie ein. Dazu kommt, dass sie während der Lehre nicht nur eine top Ausbildung am neuesten Stand der Technik erhalten, sondern auch den Betrieb genau kennenlernen – das prädestiniert für einen Aufstieg im Unternehmen“, weiß PAULA BLASCH, Human-Resources-Verantwortliche bei der G.L. Pharma GmbH. Auch in ihrem Betrieb wird der Wunsch, die Lehre mit Matura zu absolvieren oder die Abendmatura zu machen, mit viel Engagement unterstützt: „Wir fördern das aktiv, legen dann auch die Arbeitszeiten so, dass genug Zeit fürs Lernen bleibt.“
Wer sich für eine Ausbildung in der Industrie entscheidet, hat die Qual der Wahl: Aktuell bilden Industriebetriebe in der Steiermark 2.893 junge Menschen aus, jährlich werden 1.500 Lehrstellen in 70 verschiedenen Berufen und 250 Betrieben quer durchs ganze Land angeboten; damit ist die Industrie der zweitgrößte Lehrlingsausbilder. Knapp ein Viertel der Industrielehrlinge ist übrigens weiblich – Tendenz steigend!
Schnuppern schafft Sicherheit
Um die passende Lehrstelle zu finden, raten sowohl Blasch als auch Niederl unbedingt zum Schnuppern. „Man hat – auch in höheren Schulen – Anspruch auf fünf Schnuppertage. Die sollte man unbedingt nutzen und sich so viele Betriebe wie möglich ansehen“, rät die Personalmanagerin. Auch bei Niederl gab das Schnuppern den Ausschlag: „Bei der EVG bin ich sofort mit einbezogen worden und durfte wirklich mitarbeiten. Und ich wurde dann auch in der Lehre nicht enttäuscht: Nach der zweimonatigen Lehrwerkstatt durfte ich gleich in der Montagehalle mitarbeiten.“ Die Lehre empfand er fast wie ein großes Praktikum: „Ich habe in diesen vier Jahren wirklich alle Bereiche kennengelernt und überall selbst Hand anlegen dürfen.“
CHRISTOPH NIEDERL & PAULA BLASCH über Lehre und Weiterbildung in ihren Unternehmen. EVG Entwicklungs- und Verwertungs GmbH in Raaba und G.L. Pharma GmbH
Neben den beruflichen Qualifikationen wird auch die Persönlichkeitsentwicklung durch eine Lehre stark gefördert. „Disziplin und Teamfähigkeit sind wichtige Soft Skills, die man in der Lehre mitbekommt und die jeder von uns im Beruf braucht“, so Blasch. Und auch das Selbstbewusstsein steigt. „Man wächst mit der Verantwortung und den ständig neuen Anforderungen“, erzählt Niederl. Und die sind in der Industrie hoch – immerhin handelt es sich um eine der innovativsten Branchen der Steiermark: 1,98 Milliarden Euro geben die heimischen Industriebetriebe für Forschung und Entwicklung aus.
Eine Lehre ist alles andere als eine Einbahnstraße, ist Niederl überzeugt: „Der Lehrabschluss ist ein solides Fundament. Und danach gibt es keinen falschen Weg: Wenn der nächste Kreisverkehr kommt, nimmt man einfach eine neue Ausfahrt – heutzutage muss man flexibel sein, und das wird durch diese Ausbildung möglich.“
Infos zu den aktuellen Lehrstellen finden Sie hier:
Jugendlichen mit Technologie bei der Berufswahl helfen
Die Wahl eines passenden Berufs ist für viele junge Menschen eine große Herausforderung. Oft mangelt es an realistischen Einblicken in verschiedene Berufsfelder. Genau hier setzt VRChances an, ein innovatives Projekt des Game Lab Graz an der TU Graz in Kooperation mit Jugend am Werk Steiermark. Diese VR-Anwendung ermöglicht es Jugendlichen, unterschiedliche Lehrberufe hautnah zu erleben und sich praxisnahe Orientierungshilfen für ihre Zukunft zu holen.
Berufsorientierung auf Augenhöhe
Durch VRChances erhalten Nutzerinnen die Möglichkeit, in Berufe wie Elektrikerin oder Koch/Köchin einzutauchen. Dabei müssen sie realitätsnahe Aufgaben lösen – etwa eine Steckdose installieren oder Palatschinken zubereiten. Die immersive Erfahrung wird durch einen virtuellen Guide unterstützt, der Schritt für Schritt durch die Aufgaben führt. Die VR-Anwendung wurde so gestaltet, dass sie niedrigschwellig zugänglich ist und Jugendlichen eine spielerische, aber realistische Vorstellung von verschiedenen Berufsfeldern vermittelt.
Praxisnahe Entwicklung mit Expert*innen
Die Software wurde für die VR-Brille Meta Quest 2 entwickelt, die ohne externe Hardware auskommt und daher leicht einsetzbar ist. Die technische Umsetzung erfolgte mit der Unity-Engine, wobei zukünftige Erweiterungen auch in Unreal geplant sind. Wichtige Inputs kamen von Jobcoaches und Fachkräften aus den jeweiligen Berufsfeldern, die ihre Erfahrungen in die Gestaltung der Simulationen einbrachten. Das Ziel: Eine möglichst realistische und praxisnahe Darstellung des Berufsalltags.
Erweiterung und Weiterentwicklung
Nach dem erfolgreichen Start mit den Berufen Elektrikerin und Koch/Köchin sind bereits weitere Berufsbilder in Planung. Aktuell arbeitet das Team an der Integration des Berufs Metalltechnikerin, während im Rahmen des Universitätsnetzwerks Unite! Über eine VR-Umsetzung eines Bergbau-Berufs nachgedacht wird.
Mehr Realität in die Berufswahl bringen
Das Feedback zu VRChances zeigt klar: Die virtuelle Erfahrung hilft Jugendlichen, ihre Berufsvorstellungen realistischer zu gestalten. Untersuchungen der TU Graz belegen, dass die Einschätzungen der Jugendlichen nach der VR-Nutzung deutlich näher an den Einschätzungen von Expert*innen liegen. „Die Interaktivität der VR-Umgebung gibt den Jugendlichen ein klareres Bild davon, was sie in einem Beruf erwartet“, betont Michael Holly vom Institute of Human-Centred Computing der TU Graz, der das Projekt leitet.
VRChances ist damit ein wegweisendes Beispiel dafür, wie moderne Technologien dazu beitragen können, jungen Menschen die Berufswahl zu erleichtern und ihnen realistische Perspektiven für ihre Zukunft zu bieten.
Je früher man einen guten Umgang mit Geld lernt, desto besser. Gerhard Fabisch, Vorstandsvorsitzender Steiermärkische Sparkasse, über Financial Health, frühe Vorsorge und das Vermeiden finanzieller Fehlentscheidungen in jungen Jahren. An der Schwelle zum Berufsleben tun sich bei Jugendlichen viele Träume auf – der erste eigene Urlaub, das erste eigene Auto, der Auszug aus dem Elternhaus. Wie können Jugendliche von Anfang an gute finanzielle Entscheidungen treffen?
GERHARD FABISCH • Im besten Fall ist man auf den selbstständigen Umgang mit Geld schon vorbereitet. Das Taschengeld ab dem Kindesalter ist eine gute Vorbereitung dafür, im Laufe seines Lebens einen guten Überblick über das verfügbare Budget und die fixen Ausgaben zu entwickeln. Es ist immer wieder überraschend zu sehen, wie gering der Informationsstand über das eigene Konto auch im Erwachsenenalter ist. Wie viel kosten wesentliche Dinge im Leben, wie Wohnen, Essen und Internet? Weiß man über seine Fixkosten Bescheid, lässt sich leichter daraus ableiten, wie viel Spielraum zur Verfügung steht, um sich etwaige Anschaffungen wie z. B. ein Moped, ein Handy oder eine größere Wohnung leisten zu können.
„Ich bin auch ein Fan davon, Taschengeld anfangs in Cash zu geben. Ist die Geldtasche leer, spürt man das sofort.“
Vorstandsvorsitzender Gerhard Fabisch.
Welches Finanzwissen sollten junge Menschen schon früh erhalten?
G F • Jeder sollte sich regelmäßig mit seinen Finanzen auseinandersetzen. Man muss dafür nicht übermäßig Zeit investieren, aber ein regelmäßiger Blick auf seine Finanzen ist sehr ratsam. In den Familien wird auch viel zu wenig über Geld gesprochen. Nur ein Beispiel: Eltern können schon mit Kindern über steigende Energiekosten reden und darüber, um wie viel mehr im Vergleich als vorher für die Verteuerung bezahlt werden muss. Ich bin auch ein Fan davon, Taschengeld anfangs in Cash zu geben. Ist die Geldtasche leer, spürt man das sofort.
Ist es mit Karten schwieriger, einen Überblick zu behalten?
G F • Karten sind grundsätzlich sehr praktisch. Tatsache ist aber, dass man den Überblick leichter verlieren kann, wenn man die Transaktionen nicht beobachtet. Der Zwang, sich mit dem Kontostand zu beschäftigen, ist mit der Kartenzahlung nicht unmittelbar gegeben. Die Limits sind so eingerichtet, dass die Bank erst dann reagiert, wenn diese überschritten werden. Bei Bargeld kann man in kein Minus geraten.
„Sparen ist eine Lebenseinstellung. Die Größe des Betrages ist eine Frage des Einkommens. Die Tatsache, dass man es tut, eine Frage des Charakters.“
Vorstandsvorsitzender Gerhard Fabiscch im Gespräch mit Redakteurin Elke Jauk-Offner
Was sollte man tun, um die Kontrolle bei höheren Ausgaben zu sichern?
G F • Vor allem bei größeren Investitionen muss man sich fragen: Ist mir dieser Wunsch mehr wert als etwas anderes, und wie lange bin ich mit dieser Finanzierung mit einem monatlichen Fixbetrag für die nächsten drei oder 25 Jahre gebunden? Es gibt dafür immer unterschiedliche Denkansätze: Will ich öfter auf Urlaub fahren und genügt mir dafür eine kleine Mietwohnung? Oder will ich einmal ein eigenes Haus im Grünen haben und verzichte daher für einige Jahre auf größere Reisen? Beide Zugänge sind möglich, der eine ist nicht besser oder schlechter als der andere.
Welche häufigen Fehler machen junge Menschen im Umgang mit Geld?
G F • Sie gehen in bestimmte Finanzgeschäfte deshalb hinein, weil es andere auch machen. Da fehlen oft Wissen und Lebenserfahrung. Ältere Menschen sind schon ein paar Mal links und rechts an den Leitplanken des Lebens angestoßen und wissen, was dann passiert – Jugendliche aber noch nicht. Ein wesentlicher Aspekt ist, dass man immer gut auf die eigene finanzielle Gesundheit achtet.
Was bedeutet finanzielle Gesundheit denn genau?
G F • Financial Health beginnt damit, dass man einen Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben hat. Zur finanziellen Gesundheit gehört aber auch das Ansparen. Im Mindestfall geht es dabei um Geld für Notfälle, damit es zu keiner krisenhaften Situation kommt. Es gibt unterschiedliche Zugänge, ob das drei Monatsgehälter oder 10.000 Euro sein sollten. Darüber hinaus hängt der zur Seite gelegte Notgroschen auch davon ab, welchen Wert die Dinge haben, die man besitzt. Im Großen und Ganzen geht es um Beträge zwischen 5.000 und 20.000 Euro. Für Jugendliche am Anfang des Berufslebens fallen die Ansparmöglichkeiten verständlicherweise geringer aus. Hauptsache, es wird Geld angespart, auch wenn es nur eine kleine Summe ist.
Jetzt an später denken – wie lässt sich die Bedeutung finanzieller Sicherheit jungen Menschen verständlicher machen?
G F • Sparen ist eine Lebenseinstellung. Die Größe des Betrages ist eine Frage des Einkommens. Die Tatsache, dass man es tut, eine Frage des Charakters. Jugendliche haben noch nicht so hohe Fixkosten, sodass sie auch mit einem geringeren Gehalt 20 oder 30 Euro weglegen können. Ein weiterer Tipp ist: Spare am Monatsanfang und nicht am Monatsende, da kann man sich das Geld noch einteilen. Wir haben das bei zwei Gruppen mit gleichem Einkommen analysiert und der Unterschied ist sehr groß. Sinnvoll ist es auch, das angesparte Geld auf einem Sparkonto und nicht auf einem Gehaltskonto zu haben und vor einer Ausgabe umbuchen zu müssen – das macht die Entscheidung bewusster und bringt auch höhere Zinserträge. Was möchte man in 5 Jahren haben, was in 10 Jahren? Dafür sollte man sich Ansparvarianten überlegen. Wichtig ist auch die frühe Vorsorge für die Pension. Intellektuell ist die Notwendigkeit bei den meisten angekommen, die Brücke zur konstruktiven Umsetzung ist die schwierigere Aufgabe. Viele übersehen: Der Zinseszinseffekt ist mächtig, gerade über lange Laufzeiten. Das kann man später kaum mehr aufholen.
Wie haben sich Vorlieben zum Sparen und Investieren bei Jugendlichen verändert?
G F • Die beliebtesten Sparformen sind das Sparbuch und Fondssparen. Interesse besteht auch an Investitionen in Aktien und Bitcoins, diese können aber hochriskant sein. Ich will niemandem die Neugierde und den Spieltrieb nehmen, aber auch bei professionellen Anlegern machen diese nur einen kleinen Anteil aus.
Was geben Sie ihnen als wichtigsten Tipp für Financial Health mit auf den Weg?
G F • Zwei- bis dreimal im Monat auf das Konto schauen. Mit dem Sparen beginnen – auch wenn der Betrag anfangs klein ist. Und dabei durchhalten.