Schlagwort: Fachkräftemangel

  • Im Land sind wir es schon. Im Kopf dürfen wir es werden.

    Im Land sind wir es schon. Im Kopf dürfen wir es werden.

    Haben Sie schon einmal beobachtet, mit welcher puren, unvoreingenommenen Freude ein Kind Farben entdeckt? In den Augen eines Kindes gibt es keine „falschen“ Farben – es gibt nur die Begeisterung für das Ganze.

    Wenn ich heute meine Heimat betrachte, sehe ich ein Bild, das sich in den letzten Jahren sichtlich verändert hat. Ich sehe Gesichter aus vielen Teilen der Welt, höre verschiedene Sprachen und bemerke eine neue Lebendigkeit, die unseren Alltag prägt. Doch während dieser Wandel manchmal Fragen aufwirft, sehe ich vor allem eines: Menschen, die anpacken. Ich sehe jene Gesichter, die mit ihrem Einsatz dafür sorgen, dass unser gewohntes Leben überhaupt noch so reibungslos funktioniert.

    Ich frage Sie: Was erleben Sie, wenn Sie im Supermarkt an der Kassa stehen, eine Freundin im Spital besuchen oder – wie ich neulich – Handwerker im Haus haben? Erleben auch Sie oft diese besondere Aufmerksamkeit und Freundlichkeit von Menschen, deren Wurzeln vielleicht in fernen Ländern liegen, die aber hier mit derselben Leidenschaft ihre Aufgaben erfüllen wie wir alle?

    Diese neue Farbigkeit in unserer Gesellschaft ist weit mehr als nur ein optischer Wandel. Sie ist ein tragendes Fundament, auf dem unser tägliches Leben ruht. Es ist an der Zeit, diese Realität mit einem offenen Geist anzuerkennen. Denn den unschätzbaren Wert dieser Vielfalt für unser aller Fortkommen zu verstehen, ist kein politisches Bekenntnis – es ist eine Anerkennung der Wirklichkeit, die uns jeden Tag umgibt.

    Ein Land in Bewegung: Warum wir diese Farbe brauchen

    Es ist Zeit für einen ehrlichen Blick auf die Fakten. Denn eines steht fest: Würden wir die Beiträge jener Menschen ausklammern, die aus anderen Teilen der Welt zu uns gekommen sind, würde in Österreich vieles stillstehen. Zuwanderung ist kein abstraktes Konzept, sondern eine lebensnotwendige Bereicherung für unser Gemeinwesen.

    📊 Faktencheck Demografie

    „Ohne internationale Zuwanderung würde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter bis 2040 um rund 500.000 sinken. Migration ist der einzige Faktor, der unser Arbeitskräftepotenzial stabilisiert.“

    Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsprognose 2024–2040.

    Handel, Handwerk und Alltag: Farbe als Stütze

    Besonders im Handel, der unsere tägliche Versorgung sicherstellt, ist Vielfalt längst der Standard. Laut aktuellem Migrationsbericht der Statistik Austria arbeiten Menschen mit internationaler Geschichte häufiger im Handel (15,2 %) als Menschen ohne diesen Hintergrund. Ob bei großen Handelsketten wie SPAR oder im Fachgeschäft um die Ecke: Es sind Menschen vieler Nationalitäten, die dafür sorgen, dass die Regale gefüllt sind und wir alles haben, was wir für unser Leben brauchen. Es ist ein gemeinsames Anpacken für die Gemeinschaft.

    Ein Gewinn für das Sozialsystem

    Oft wird die Frage gestellt, wie sich Zuwanderung auf unsere sozialen Sicherungssysteme auswirkt. Die Daten zeichnen hier ein Bild der gegenseitigen Unterstützung. Da der Großteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter zu uns kommt, fungieren sie als wichtige Stützen für unser Pensions- und Gesundheitssystem.

    • Nettozahler für die Zukunft: Zuwanderer sind im Durchschnitt deutlich jünger als die hiesige Bevölkerung. Sie zahlen heute in die Renten- und Krankenkassen ein, von denen wir alle profitieren.
    • Wirtschaftliche Wertschöpfung: In Städten wie Wien tragen Menschen mit Migrationshintergrund bereits rund 35 % zur gesamten wirtschaftlichen Wertschöpfung bei.

    💶 Faktencheck Sozialsystem

    „Zuwanderer sind aufgrund ihrer Altersstruktur überwiegend Nettozahler im österreichischen Sozialsystem. Sie tragen maßgeblich zur Finanzierung der Pensionen bei, da der Anteil der über 65-Jährigen in dieser Gruppe deutlich geringer ist.“

    Quelle: WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung).

    Mythos Arbeitslosigkeit verstehen

    Wenn wir über Arbeitslosigkeit sprechen, dürfen wir nicht vergessen: Viele jener Menschen, die wir in der Statistik sehen, arbeiten in Branchen mit starken Saison­schwankungen – etwa Bau oder Tourismus. Diese saisonalen Beschäftigungen führen regelmäßig zu höheren Arbeitslosenzahlen im Winter.

    Gleichzeitig ist der Beitrag von Zuwanderern zum österreichischen Arbeitsmarkt in den letzten Jahren stark gewachsen. Viele Branchen würden ohne sie nicht funktionieren.

    Die Mehrheit der Bezieher von Arbeitslosengeld in Österreich sind nach wie vor österreichische Staatsbürger, allerdings ist die Arbeitslosenquote unter Ausländern höher, was vor allem mit Branchenstruktur, Saisonarbeit und Qualifikationsunterschieden zusammenhängt.
    (Quelle: AMS Österreich, Arbeitsmarktberichte)

    Wer pflegt uns morgen?

    Nirgendwo ist die menschliche Verbindung deutlicher spürbar als im Gesundheits- und Sozialwesen. Hier zeigt sich, dass Fürsorge keine Herkunft kennt, sondern eine Qualität des Herzens ist.

    🩺 Faktencheck Pflegebedarf

    „Bis zum Jahr 2030 werden in Österreich zusätzlich rund 75.000 Pflege- und Betreuungspersonen benötigt. Die Anwerbung aus dem Ausland ist eine tragende Säule der zukünftigen Versorgungssicherheit.“ >

    Quelle: Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), Personalbedarfsprognose.

    Den Geist für das Ganze öffnen

    Den Geist für das Ganze öffnen bedeutet nicht, alles gut zu finden oder Probleme zu übersehen. Integration passiert nicht in Gesetzen, sondern in Schulen, Betrieben, Vereinen, Nachbarschaften und am Arbeitsplatz. Und vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis am Ende ganz einfach: Ist das Problem wirklich die Migration – oder oft unsere Integration?

  • Ö3-Jugendstudie 2026: Wenn über Jugend gesprochen wird – und wenn sie selbst zu Wort kommt

    Ö3-Jugendstudie 2026: Wenn über Jugend gesprochen wird – und wenn sie selbst zu Wort kommt

    Die Jugend von heute …“ – ein Satz, der schnell gesagt ist.
    Er fällt in Besprechungsräumen, in Unternehmen, im privaten Gespräch. Oft gestützt auf einzelne Erfahrungen. Auf Eindrücke. Auf Momentaufnahmen.

    Doch Eindrücke sind keine Fakten.

    Die aktuelle Hitradio Ö3-Jugendstudie geht deshalb einen anderen Weg: Sie fragt junge Menschen direkt. Wie denken sie über Arbeit? Über Ausbildung? Über Sicherheit? Über ihre Zukunft?

    Und genau das begrüßen wir bei ZUKUNFT MEISTERN.

    Denn wer junge Menschen verstehen will, sollte sie nicht interpretieren – sondern anhören.

    Die Teilnahme an der Studie ist anonym. Im Mittelpunkt stehen vor allem 16- bis 25-Jährige – also jene Generation, die gerade in Ausbildung steht, ins Berufsleben eintritt oder erste Entscheidungen für ihre Zukunft trifft.

    Ein Blick, der weiter reicht als das Einzelbeispiel

    Wenn von Generation Z die Rede ist, geht es schnell um Leistungsbereitschaft, Sinnsuche oder neue Erwartungen an Arbeitgeber. Vieles davon speist sich aus persönlichen Erfahrungen – aus gelungenen Begegnungen, aber auch aus Enttäuschungen.

    Eine Studie kann diese Erfahrungen nicht ersetzen.
    Aber sie kann sie einordnen.

    Sie bündelt Stimmen. Sie zeigt Tendenzen.
    Und sie macht sichtbar, wo Wahrnehmung und Wirklichkeit auseinanderliegen – oder sich bestätigen.

    Gerade für Unternehmen, die ausbilden, rekrutieren oder junge Teams führen, ist das kein Nebenschauplatz. Wer wissen möchte, wie junge Menschen ihre Zukunft sehen, bekommt hier die Möglichkeit, zuzuhören.

    Jugend als Gesprächspartnerin

    Bei ZUKUNFT MEISTERN verstehen wir junge Menschen als Teil eines Dialogs.

    Initiativen wie die Ö3-Jugendstudie schaffen eine Grundlage dafür. Sie eröffnen Raum für Perspektiven – ohne Bewertung, ohne Etikett.

    Vielleicht ist das der wichtigste Schritt:
    nicht vorschnell zu deuten, sondern zunächst zu fragen.

    Teilnahme an der Ö3-Jugendstudie

    Die Teilnahme ist anonym unter

    https://www.oe3jugendstudie.at/fragen.php

    Wenige Minuten Zeit.
    Aber ein Beitrag zu einem differenzierteren Bild einer Generation, über die viel gesprochen wird.

  • Fachkräfte gesucht – aber wer bildet sie aus?

    Fachkräfte gesucht – aber wer bildet sie aus?

    Die Diskussion über den Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Unternehmen suchen Personal, beklagen Engpässe und verweisen auf fehlende Bewerber. Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen aus der Steiermark: Die Zahl der Lehrlinge ist rückläufig. Auch die Neueintritte gehen zurück.

    Das wirft eine unbequeme Frage auf:
    Gibt es zu wenige Jugendliche, die sich für eine Lehre entscheiden – oder zu wenige Unternehmen, die bereit sind auszubilden?

    Die Antwort ist nicht einfach. Viele Betriebe stehen aktuell unter wirtschaftlichem Druck. Investitionen werden verschoben, Planungssicherheit fehlt. Ausbildung – so wichtig sie langfristig ist – wird kurzfristig oft vertagt. Doch genau hier entsteht eine Entwicklung, die weit über ein einzelnes Jahr hinausreicht.

    Denn während der Ruf nach Fachkräften lauter wird, sinkt gleichzeitig die Zahl jener Betriebe, die tatsächlich Lehrlinge aufnehmen. Ausbildung passiert nicht im Konjunktiv. Sie braucht Zeit, Ressourcen und den Willen, Wissen weiterzugeben. Wer heute nicht ausbildet, kann morgen keine Fachkräfte erwarten. Und wer Ausbildung aufschiebt, verschiebt nicht nur Kosten, sondern Verantwortung.

    Was sich hier abzeichnet, ist keine Momentaufnahme, sondern eine strukturelle Baustelle.
    Fachkräfte lassen sich nicht kurzfristig ersetzen. Sie wachsen über Jahre – im Betrieb, im Tun, im Alltag. Wer heute nicht ausbildet, wird morgen nicht nur Personal vermissen, sondern Substanz.

    Für Eltern lohnt es sich, diese Entwicklung genau zu betrachten. Denn sie verändert den Blick auf die Lehre grundlegend.
    Jugendliche, die sich für handwerkliche oder technische Berufe entscheiden, sind nicht ein Risiko eingegangen – sie treffen eine strategische Entscheidung. Sie werden gebraucht. Mehr denn je.

    „Handwerk hat goldenen Boden“ bekommt damit eine neue Bedeutung. Nicht als Spruch, sondern als Realität einer Arbeitswelt, in der Können, Verlässlichkeit und Praxis wieder an Gewicht gewinnen.

    Diese Entwicklung verdient eine sachliche Diskussion.
    Nicht als Schuldfrage – sondern als gemeinsame Verantwortung für die nächste Generation.

    🧭 Was heißt das für Eltern?
    Die Lehre ist kein Auslaufmodell, sondern ein Zukunftsthema. In einer Zeit, in der Erfahrung in Pension geht und Fachkräfte fehlen, werden junge Menschen mit handwerklichen und technischen Fähigkeiten gebraucht – nicht irgendwann, sondern jetzt. Wer sich für eine Lehre entscheidet, trifft keine Notlösung, sondern eine bewusste Wahl mit Perspektive.

    📊 Zahlenbox: Lehre in der Steiermark 2025

    Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

    • 14.442 Lehrlinge standen 2025 in der Steiermark in Ausbildung
      (–3,3 % gegenüber 2024)
    • 13.826 Lehrlinge in betrieblichen Lehrverhältnissen
      (–3,4 %)
    • 622 Lehrlinge in der überbetrieblichen Lehrausbildung
      (–1 %)
    • 4.292 Jugendliche begannen 2025 neu eine Lehre
      (–5,3 %)
    • Ausbildung erfolgt aktuell in 4.695 Lehrbetrieben
    • Rund 170 Lehrberufe werden in der Steiermark ausgebildet
    • 5.116 positiv absolvierte Lehrabschlussprüfungen
      davon 21,8 % mit ausgezeichnetem, 25,8 % mit gutem Erfolg

    👉 Quelle: WKO Steiermark


    „Dieser Rückgang ist kein Ausdruck eines mangelnden Bekenntnisses der Unternehmen zur betrieblichen Ausbildung, sondern direkte Folge der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Viele Betriebe stehen aktuell unter Druck. Umso wichtiger ist es, Ausbildung gezielt zu stärken – denn Fachkräfte sind in Zeiten des demografischen Wandels für jeden künftigen Aufschwung von entscheidender Bedeutung.

    Josef Herk, Präsident der WKO Steiermark, ordnet die Entwicklung ein: