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  • Nachhilfekosten 2026: Wessen Ziel bezahlen Eltern eigentlich?

    Nachhilfekosten 2026: Wessen Ziel bezahlen Eltern eigentlich?

    Noch sind die Hefte leer und die Noten weit weg. Trotzdem ahnen manche Familien bereits, was mit den ersten Hausübungen, Tests und Schularbeiten wieder beginnen könnte: erklären, kontrollieren, diskutieren – und Nachhilfe bezahlen.

    Über allem steht eine Frage, die kaum jemand auszusprechen wagt:

    Verfolgen Eltern und Kind überhaupt dasselbe Bildungsziel?

    Eltern fürchten die Antwort, weil damit ihre Vorstellungen von der Zukunft des Kindes ins Wanken geraten könnten. Jugendliche fürchten sie, weil sie Erwartungen nicht erfüllen, aber oft noch nicht sagen können, was sie stattdessen möchten.

    Wünsche zu formulieren ist für Jugendliche schwierig. Eigene Vorstellungen loszulassen für Erwachsene ebenso.

    Was kostet Nachhilfe in Österreich 2026?

    Rund 199.000 Schülerinnen und Schüler erhalten bezahlte Nachhilfe. Die durchschnittlichen Kosten liegen bei 720 Euro pro Kind und Jahr, in der Steiermark bei 770 Euro. In der AHS-Oberstufe steigt der Durchschnitt auf 930 Euro.

    Zieht sich Nachhilfe über vier Jahre, werden aus 720 Euro rechnerisch 2.880 Euro. In der AHS-Oberstufe wären es auf heutigem Kostenniveau 3.720 Euro. Das sind Beispielrechnungen – tatsächliche mehrjährige Gesamtkosten erhebt der AK-Nachhilfereport nicht.

    47 Prozent der betroffenen Eltern fühlen sich durch die Ausgaben sehr stark oder spürbar belastet.

    Warum ist der Druck für Alleinerziehende besonders groß?

    Bei Kindern von Alleinerziehenden liegt der zusätzliche beziehungsweise ungedeckte Bedarf an bezahlter Nachhilfe laut AK-Report bei 29 Prozent.

    Zur finanziellen Belastung kann ein weiterer Druck kommen: Wer die Verantwortung für ein Kind allein trägt, möchte ihm jede Chance ermöglichen. Der Gedanke, dass die geplante Schule oder die Matura vielleicht nicht der richtige Weg ist, kann sich wie persönliches Versagen anfühlen.

    Also wird weiterbezahlt und weiter weitergekämpft.

    Wann wird Nachhilfe zur Scheinlösung?

    Bei 71 Prozent führt Nachhilfe laut Einschätzung der Eltern zum gewünschten Schulerfolg. Bei 14 Prozent nicht, bei weiteren 16 Prozent ist das Ergebnis noch offen.

    Wenn die Noten trotz Nachhilfe nicht ausreichend steigen, beginnt häufig eine Spirale: Das Kind macht dicht. Die Eltern buchen weitere Stunden. Die Kosten und der Druck steigen, der gewünschte Erfolg bleibt aus.

    Die Nachhilfestunde endet. Der Konflikt zu Hause nicht.

    Nachhilfe kann fehlendes Wissen vermitteln. Wenn aber ein gemeinsames Ziel fehlt, wird sie zur Scheinlösung. Sie verlängert dann einen Konflikt, den keine zusätzliche Unterrichtsstunde lösen kann.

    Ist es das Ziel des Kindes oder das Ziel der Eltern?

    Vielleicht könnte der Jugendliche den vorgesehenen Bildungsweg schaffen. Vielleicht möchte er ihn nur nicht gehen. Nicht aus Faulheit oder mangelnder Begabung, sondern weil seine Wünsche und Vorstellungen andere sind.

    Gerade Jugendliche können das oft noch nicht so ausdrücken, dass Erwachsene es verstehen. Dann wird aus Unsicherheit Schweigen, aus Überforderung Widerstand.

    Die Vorstellung, dass zu einem gelungenen Bildungsweg die Matura gehört, hält sich hartnäckig. Wer einen anderen Weg einschlägt, muss sich noch immer erklären.

    Das setzt beide Seiten unter Druck: Eltern fürchten, ihrem Kind Chancen zu nehmen. Jugendliche fürchten, ihre Eltern zu enttäuschen.

    Ich kenne diesen Zwiespalt. Auch ich wollte für meinen Sohn die Matura. Später hat er sie nachgeholt – als sie sein Ziel war.

    Der Abschluss war derselbe. Aber die Motivation gehörte nun ihm und nicht mehr mir.

    Wo finden Familien in der Steiermark Hilfe, wenn Nachhilfe nicht wirkt?

    Wenn trotz Nachhilfe Noten, Motivation und Stimmung zu Hause nicht besser werden, muss die Antwort nicht automatisch noch mehr Nachhilfe sein. Manchmal braucht es einen neutralen Blick von außen:

    • Die BerufsInfoZentren des AMS Steiermark beraten kostenlos zu Interessen, Stärken, Schulen, Lehre und möglichen Bildungswegen.
    • Das NEBA-Jugendcoaching in der Steiermark begleitet insbesondere Jugendliche ab dem neunten Schulbesuchsjahr, wenn der weitere Weg unklar ist oder ein Schulabbruch droht. Über die Anbietersuche findet man die zuständige Stelle im eigenen Bezirk.

    Beratung ist kein Eingeständnis des Scheiterns. Sie kann verhindern, dass sich der Konflikt über Monate oder Jahre im Familienleben festsetzt: Immer mehr Geld wird ausgegeben, der Druck steigt, der Frust wächst – und Eltern und Kind erreichen einander immer weniger.

    Am Ende geht nicht nur Kraft verloren, sondern auch Nähe. Und das für ein Ziel, das nie gemeinsam festgelegt wurde.

    Entscheidend ist, dass nicht nur die Eltern das Ziel sehen, sondern auch das Kind.

    Deshalb vor der nächsten Überweisung für Nachhilfe einmal fragen: Arbeiten wir gerade an deinem Ziel – oder an meinem?

    Quelle: Julian Aichholzer und Alexander Brenn, „Nachhilfe in Österreich 2026“, IFES/Arbeiterkammer Wien, August 2026