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  • Keine Lehrstelle gefunden?    Der 5-Schritte-Notfallplan für Eltern in der Steiermark

    Keine Lehrstelle gefunden? Der 5-Schritte-Notfallplan für Eltern in der Steiermark

    Wenn Jugendliche keine Lehrstelle finden, liegt das nicht immer an ihnen.
    Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sparen viele Unternehmen zuerst dort, wo die Zukunft beginnt – bei der Ausbildung. Es werden weniger Lehrlinge aufgenommen, Entscheidungen werden verschoben oder Stellen gar nicht erst ausgeschrieben.

    Für Jugendliche fühlt sich das trotzdem wie eine persönliche Niederlage an. Für Eltern beginnt eine Zeit voller Fragen: Wie geht es jetzt weiter? Ein Jahr verlieren? Wieder Schule? Warten?

    Die wichtigste Nachricht zuerst:
    In Österreich muss kein Jugendlicher ohne Ausbildung bleiben.
    Wenn kein Betrieb gefunden wird, gibt es Unterstützungssysteme, Beratung und sogar Lehrwerkstätten, in denen Jugendliche ihre Lehre trotzdem beginnen können.


    In diesem Beitrag erfahren Sie:

    • warum Jugendliche oft keine Lehrstelle finden, obwohl sie geeignet wären
    • was die Überbetriebliche Lehre (ÜBA) ist
    • welche Anlaufstellen in der Steiermark helfen
    • was Sie beim AMS unbedingt fragen sollten
    • wie der 5-Schritte-Plan für Eltern aussieht

    Warum viele Jugendliche keine Lehrstelle finden

    Viele Eltern denken zuerst:
    „Mein Kind hat zu schlechte Noten oder zu wenige Bewerbungen geschrieben.“

    Das stimmt manchmal – aber sehr oft liegt der Grund woanders:

    • Unternehmen sind wirtschaftlich unsicher
    • Betriebe sparen bei Ausbildung
    • Lehrlinge kosten Zeit und Personal
    • Aufträge fehlen
    • Pensionierungen werden später nachbesetzt
    • Es wird vorsichtiger geplant
    • Betriebe warten ab

    Das bedeutet:
    Nicht jeder Jugendliche ohne Lehrstelle ist ungeeignet – oft ist einfach die wirtschaftliche Situation schwierig.

    Das ist wichtig zu wissen, damit Jugendliche nicht das Gefühl bekommen, sie hätten versagt.


    1. Die wichtigste Nachricht: Ausbildung trotzdem möglich

    In Österreich gilt das Prinzip „Ausbildung bis 18“.
    Das bedeutet: Jugendliche sollen eine Ausbildung machen – und der Staat sorgt auch dafür, dass sie eine Ausbildung bekommen, wenn kein Betrieb gefunden wird.

    Die wichtigste Möglichkeit ist die Überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA).

    Was ist die Überbetriebliche Lehre?

    • Lehre findet in Lehrwerkstätten statt
    • Berufsschule wird normal besucht
    • Lehrabschluss ist gleichwertig
    • Wechsel in einen Betrieb jederzeit möglich
    • Jugendliche erhalten Ausbildungsbeihilfe
    • Voll versichert
    • Ziel ist immer Vermittlung in einen Betrieb

    Viele Jugendliche starten in der ÜBA und wechseln später in einen Betrieb.


    2. Der 5-Schritte-Notfallplan für Eltern

    Wenn Ihr Kind keine Lehrstelle findet, sollten Sie diese Schritte machen.

    Schritt 1: Beim AMS als lehrstellensuchend melden

    Das ist der wichtigste Schritt.
    Ohne Meldung beim AMS gibt es keinen Zugang zur überbetrieblichen Lehre oder zu Förderungen.

    👉 AMS Steiermark


    Schritt 2: Jugendcoaching kontaktieren

    Das Jugendcoaching hilft kostenlos bei:

    • Berufsorientierung
    • Bewerbungen
    • Lehrstellensuche
    • Entscheidung Schule oder Lehre
    • Problemen beim Einstieg ins Berufsleben

    👉 Jugendcoaching
    https://www.neba.at/jugendcoaching


    Schritt 3: Überbetriebliche Lehre (ÜBA) prüfen

    Fragen Sie beim AMS gezielt:

    „Welche Möglichkeiten der überbetrieblichen Lehrausbildung gibt es für mein Kind?“

    Viele Eltern wissen nicht, dass das AMS aktiv Lehrplätze organisiert, wenn kein Betrieb gefunden wird.


    Schritt 4: Bewerbungsunterlagen überarbeiten

    Nutzen Sie die Zeit:

    • Lebenslauf verbessern
    • Bewerbungsschreiben überarbeiten
    • Bewerbungstraining machen
    • Vorstellungsgespräch üben

    Dabei helfen:

    • AMS BerufsInfoZentrum (BIZ)
    • Arbeiterkammer
    • Jugendcoaching

    Schritt 5: Brückenangebote nutzen (z. B. AusbildungsFit)

    Manchmal ist ein zusätzliches Jahr sinnvoll, um:

    • praktische Erfahrungen zu sammeln
    • Berufe auszuprobieren
    • Selbstständigkeit zu lernen
    • Motivation zu finden
    • danach eine Lehrstelle zu bekommen

    👉 AusbildungsFit
    https://www.neba.at/ausbildungsfit


    3. Wer hilft in der Steiermark? Wichtige Anlaufstellen

    Koordination & Beratung

    KOST Steiermark – Koordinierungsstelle AusBildung bis 18

    Hilft Eltern und Jugendlichen, den Überblick zu behalten.

    👉 https://www.kost-steiermark.at

    Jugendcoaching (NEBA)

    Kostenlose Begleitung für Jugendliche am Übergang Schule – Beruf.

    👉 https://www.neba.at/jugendcoaching


    Ausbildungsträger – Hier findet die überbetriebliche Lehre statt

    Wenn kein Betrieb gefunden wird, übernehmen diese Einrichtungen die Ausbildung:

    Diese Einrichtungen betreiben Lehrwerkstätten, organisieren Praktika und helfen beim Wechsel in Betriebe.


    4. Hardfacts für Eltern – Kurz erklärt

    FrageAntwort
    Kostet das etwas?Nein
    Bekommt mein Kind Geld?Ja, Ausbildungsbeihilfe
    Ist mein Kind versichert?Ja
    Ist der Abschluss gleichwertig?Ja
    Kann mein Kind in einen Betrieb wechseln?Ja, jederzeit

    5. Checkliste für das AMS-Gespräch

    Diese Fragen sollten Sie stellen:

    • Ist mein Kind offiziell als lehrstellensuchend gemeldet?
    • Welche ÜBA-Plätze gibt es aktuell?
    • Können wir einen Kontakt zum Jugendcoaching bekommen?
    • Gibt es Infotage bei Ausbildungsträgern?
    • Welche Brückenangebote sind sinnvoll?
    • Gibt es Förderungen für Betriebe, wenn mein Kind eingestellt wird?

    Keine Lehrstelle ist kein Karriereende

    Keine Lehrstelle zu finden ist für Jugendliche und Eltern belastend.
    Aber es ist kein Zeichen für Scheitern und kein Karriereende.

    Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bilden Betriebe weniger aus.
    Deshalb gibt es in Österreich ein System, das dafür sorgt, dass Jugendliche trotzdem eine Ausbildung machen können.

    Wichtig ist nur: Aktiv werden, zum AMS gehen und Hilfe holen.
    Dann kann der Weg in den Beruf trotzdem starten – manchmal über einen kleinen Umweg.