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    Schulwahl mit zehn: zu früh?

    Mittelschule oder Gymnasium? In Österreich müssen Familien diese Entscheidung treffen, wenn ihr Kind etwa zehn Jahre alt ist. Ab 2027/28 soll ein Schulversuch zur sechsjährigen Volksschule erproben, was sich ändert, wenn dafür zwei Jahre mehr Zeit bleiben. Für Eltern, deren Kind im kommenden Jahr eingeschult wird, könnte das schon bei der Wahl der Volksschule wichtig werden.

    Wie frei ist die Schulwahl mit zehn?

    Die PISA-Ergebnisse 2025 für Österreich geben Anlass zum Nachdenken: In Lesen und Mathematik schnitten die Jugendlichen schlechter ab als 2022. In beiden Fächern erreichten jeweils 28 Prozent das von PISA definierte Mindestniveau nicht. In den Naturwissenschaften ist zudem der Leistungsabstand zwischen sozial begünstigten und benachteiligten Jugendlichen größer als im OECD-Schnitt. www.oecd.org

    Wie unterschiedlich Bildungswege verlaufen, zeigt eine österreichische Langzeitstudie. Von den Kindern mit Eltern, die einen Hochschulabschluss hatten, besuchten mit 13 Jahren 65 Prozent eine AHS-Unterstufe. Bei Kindern, deren Eltern höchstens die Pflichtschule abgeschlossen hatten, waren es 11 Prozent. Untersucht wurde ein Jahrgang, der 2011 dreizehn Jahre alt war. irihs.ihs.ac.at

    Zur Bildungserfahrung der Eltern kommen ihre finanziellen Möglichkeiten. Nachhilfe kann helfen – aber nicht jede Familie kann sie bezahlen. Laut AK-Nachhilfebarometer 2026 geben Österreichs Familien jährlich rund 144 Millionen Euro für bezahlte Nachhilfe aus. Was Kosten und Erwartungen für Familien bedeuten können, haben wir im Beitrag „Nachhilfekosten 2026: Wessen Ziel bezahlen Eltern eigentlich?“ aufgegriffen. Arbeiterkammer Wien

    Kinder gehen also nicht mit denselben Voraussetzungen in die Schulwahl. Sollten sie zwei Jahre mehr Zeit bekommen, bevor diese Entscheidung fällt?

    Was soll die sechsjährige Volksschule ändern?

    An ausgewählten Standorten sollen Kinder bis zur sechsten Schulstufe gemeinsam lernen. Erst danach würden sie zwischen Mittelschule und AHS-Unterstufe wechseln – mit etwa zwölf statt mit zehn Jahren. In der fünften und sechsten Schulstufe gilt bereits der Lehrplan der Sekundarstufe I; Fachlehrpersonen aus Mittelschule oder AHS unterrichten mit.

    Der Versuch beginnt im Schuljahr 2027/28 mit der ersten Klasse. Geplant sind zunächst mindestens fünf Standorte in wenigstens drei Bundesländern. Auch einzelne Klassen können teilnehmen.

    Zwei weitere Jahre könnten Kindern Zeit geben, ihre Stärken zu entwickeln – und Erwachsenen Zeit, genauer hinzusehen. Ob die Schulentscheidungen dadurch tatsächlich gerechter werden, ist offen. Genau das soll der Versuch untersuchen.

    Wichtig für Eltern vor der Einschulung 2027

    Welche Volksschulen teilnehmen, steht derzeit noch nicht fest. Nach dem Zeitplan des Bildungsministeriums sollen die endgültigen Standorte im Oktober 2026 gemeldet werden. Ob die Informationen dann bereits öffentlich verfügbar sind, bleibt abzuwarten.

    Für Familien in Graz ist das besonders wichtig: Die Online-Vormerkung für die Volksschule findet bereits vom 3. bis 13. November 2026 statt. Die persönliche Schuleinschreibung folgt vom 25. bis 28. Jänner 2027. Vor der Vormerkung lohnt sich daher ein Blick auf die Informationen der Stadt Graz und eine Nachfrage bei der gewünschten Schule: Nimmt sie am Schulversuch teil – und wäre die Klasse meines Kindes dabei? Eine Vormerkung für eine Wunschschule garantiert in Graz noch keinen Platz.

    Außerhalb von Graz informieren die jeweiligen Schulen beziehungsweise Gemeinden über ihre Einschreibetermine. Auch dort können Eltern direkt bei der Volksschule oder ihrer Bildungsregion nach dem Schulversuch fragen.

    Würden Sie Ihrem Kind zwei Jahre mehr Zeit geben, sich zu entwickeln, bevor die Entscheidung zwischen Mittelschule und Gymnasium fällt?

    Quellen: Bundesministerium für Bildung, Schulversuch sechsjährige Volksschule und Factsheet, 24. September 2026; Stadt Graz, Schuleinschreibung 2027; OECD, PISA 2025: Österreich, 8. September 2026; Steiner, Haag und Köpping, Educational trajectories in Austria, 2026; Arbeiterkammer, Nachhilfebarometer 2026.