Schlagwort: GoStudent Bildungsbericht 2026

  • Generation Alpha: Sie glauben an sich. Welche Chancen geben wir ihnen?

    Generation Alpha: Sie glauben an sich. Welche Chancen geben wir ihnen?

    Unsere Kinder wachsen mit KI auf, glauben an die Wirkung eigener Anstrengung und stehen vor einer Arbeitswelt, die sich verändert.

    Babyboomer, Gen Z, Millennials – in den Medien werfen wir täglich mit Buchstabensuppen um uns. Während wir noch darüber diskutieren, wie die Generation Z arbeiten möchte, steht bereits die nächste Generation vor der Berufswahl: die Generation Alpha.

    Was erwartet sie vom Leben? Was trauen wir ihr zu? Und finden junge Menschen auch die Möglichkeiten, die wir ihnen so gerne in Aussicht stellen?

    Der neue GoStudent Bildungsbericht und die aktuellen Arbeitsmarktzahlen erzählen dazu zwei unterschiedliche Geschichten. Die eine handelt von Erwartungen. Die andere von den Bedingungen, unter denen sie Wirklichkeit werden sollen.

    Wer ist eigentlich die Generation Alpha?

    Zur Generation Alpha zählen nach einer verbreiteten Einteilung die zwischen 2010 und 2024 Geborenen. Die ältesten werden 2026 sechzehn Jahre alt. Für sie stehen Entscheidungen über weiterführende Schule oder Lehre bereits an. McCrindle

    Ein Geburtsjahr erklärt natürlich noch keinen Menschen. Nicht alle Kinder denken gleich, nutzen dieselben digitalen Angebote oder haben dieselben Möglichkeiten. Der Begriff hilft zunächst, die Jahrgänge einzuordnen.

    Der GoStudent Bericht gibt Einblicke in ihre Sicht auf Bildung und Zukunft. Befragt wurden Kinder zwischen acht und sechzehn Jahren, ihre Eltern und Lehrkräfte.

    KI ist da. Die Sicherheit im Umgang damit noch nicht.

    Eine Hausübung erledigen, sich etwas erklären lassen, eine Antwort finden: KI wirft für Familien Fragen auf, die in der eigenen Schulzeit noch keine Rolle gespielt haben.

    Die österreichischen Ergebnisse zeigen:

    • 65 Prozent der Kinder, die KI für die Schule nutzen, haben nach eigenen Angaben schon KI-generierte Inhalte als eigene Arbeit abgegeben.
    • 43 Prozent der befragten Kinder wurden noch nie im Umgang mit KI-Tools unterrichtet.
    • 44 Prozent der Eltern fühlen sich sicher dabei, die KI-Nutzung ihres Kindes zu Hause zu begleiten. ots.at

    Für Eltern steckt dahinter mehr als die Sorge um eine geschummelte Hausübung: Versteht mein Kind noch, was es abgibt? Kann es eine Antwort beurteilen? Und wie begleite ich etwas, bei dem ich selbst noch dazulerne?

    Dabei reicht KI über die Schule hinaus. Im gesamten Sechs-Länder-Vergleich berichtet die Hälfte der befragten Kinder, im vergangenen Monat mit KI über persönliche Probleme gesprochen oder emotionale Unterstützung gesucht zu haben. Dieser Wert gilt für die Gesamtbefragung, nicht speziell für Österreich.

    77 Prozent glauben: Anstrengung lohnt sich.

    Mehr als drei von vier befragten Kindern sind überzeugt, dass harte Arbeit zum Erfolg führen kann – unabhängig von ihrer Herkunft.

    Das ist keine Garantie für ihren späteren Weg. Aber es ist ein bemerkenswertes Zutrauen in die eigenen Möglichkeiten.

    Für uns Erwachsene stellt sich damit eine Frage: Was machen wir mit dieser Zuversicht? Wie helfen wir jungen Menschen, ihre Fähigkeiten kennenzulernen und einen Weg zu finden, auf dem sie diese einsetzen können?

    Eltern können sich die Lehre vorstellen

    In Österreich bevorzugen 42 Prozent der befragten Eltern mit einer klaren Bildungspräferenz eine Lehre oder Berufsausbildung für ihr Kind. 34 Prozent nennen ein Studium.

    Gleichzeitig sehen nur 36 Prozent der österreichischen Eltern ihr Kind durch die Schule gut auf das Leben danach vorbereitet. Das beschreibt ihre Einschätzung, keine objektive Messung der Schulqualität. ots.at

    Die Lehre hat in diesen Familien also durchaus einen Platz in den Zukunftsvorstellungen. Daraus lässt sich weder eine Entscheidung des Kindes noch eine Garantie für den passenden Ausbildungsplatz ableiten.

    Genau hier beginnt die Spannung zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

    Steiermark: Mehr Suchende als gemeldete Lehrstellen

    Ende Oktober 2026 waren beim AMS in der Steiermark 1.147 sofort verfügbare Lehrstellensuchende und 846 sofort verfügbare offene Lehrstellen gemeldet.

    Die Zahl der offenen Stellen stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent. Die Zahl der Suchenden wuchs allerdings stärker: um 7,1 Prozent.

    Es wäre deshalb falsch, für die Steiermark pauschal von einem Rückgang der gemeldeten Lehrstellen zu sprechen. Der Abstand zwischen Suchenden und offenen Stellen ist dennoch größer geworden. Die Zahlen bilden den beim AMS registrierten Markt zu diesem Zeitpunkt ab, nicht sämtliche Ausbildungsangebote. AMS Steiermark

    Für eine Familie wird daraus eine sehr persönliche Frage: Wie kommt mein Kind zu einer Ausbildung, die zu ihm passt?

    Fachkräfte gesucht – und der Einstieg bleibt schwierig?

    Das AMS beschreibt in seiner aktuellen Analyse einen österreichweiten Rückgang des Lehrstellenangebots gegenüber dem Höchststand von 2022. Zugleich verweist es auf den künftigen Bedarf an Menschen mit Lehrabschluss.

    „Doch wer heute nicht ausbildet, dem fehlen morgen die Fachkräfte.“

    26-09_Lehrstellenmarkt_final. AMS-Vorstandsvorsitzender Johannes Kopf

    Wie sehr Betriebe nach qualifizierten Mitarbeitern suchen und welche Rolle die Lehre dabei spielt, haben wir im Beitrag zum Fachkräfteradar 2026: Fachkräftebedarf und Lehre in der Steiermark aufgegriffen. Die aktuellen Lehrstellenzahlen ergänzen diesen Blick um die andere Seite: die jungen Menschen, die erst einen Ausbildungsplatz finden müssen.

    Ein langfristiger Fachkräftebedarf schafft eben nicht automatisch heute einen Ausbildungsplatz. Ausbildung braucht Zeit, Begleitung und betriebliche Möglichkeiten. Wie diese auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen gesichert werden können, gehört deshalb ebenso zur Diskussion wie die Begeisterung der Jugendlichen für einen Beruf.

    Die Mutter aller Fragen: Welcher Weg passt zu meinem Kind?

    Eltern wünschen sich Sicherheit für die Zukunft ihres Kindes. Verständlich. Nur lässt sie sich mit keinem Abschluss gleich mitbestellen – weder mit einem Lehrabschluss noch mit einem Studium. Umso wichtiger ist die Frage: Welcher Weg passt zu den Interessen und Fähigkeiten meines Kindes, und welche Möglichkeiten eröffnet er ihm?

    Die Lehre gehört dabei selbstverständlich mit auf den Tisch. Wer sich dafür entscheidet, braucht neben Interesse und Einsatz aber auch einen Betrieb, der ausbildet. Genau deshalb verdient die Lücke zwischen dem Ruf nach Fachkräften und den tatsächlichen Einstiegsmöglichkeiten Aufmerksamkeit.

    Für Familien lohnt sich deshalb beides: Berufe kennenlernen und die konkreten Ausbildungsmöglichkeiten prüfen. Was interessiert mein Kind? Welche Tätigkeiten liegen ihm? Welche Betriebe bilden darin aus – und welche verwandten Berufe könnten ebenfalls passen?

    Wenn eine Bewerbung erfolglos bleibt, sollte daraus kein vorschnelles Urteil über die Fähigkeiten eines Jugendlichen werden. Die Arbeitsmarktzahlen zeigen, dass auch die Bedingungen beim Einstieg eine Rolle spielen.

    Kinder, die daran glauben, mit Anstrengung etwas erreichen zu können, bringen viel mit. Unsere Aufgabe ist es, ihnen Wege zu zeigen – und dafür zu sorgen, dass sie diese auch gehen können.