Schlagwort: Eltern

  • Geschicklichkeit – und Philosoph? Was alles in einem Kind stecken kann

    Geschicklichkeit – und Philosoph? Was alles in einem Kind stecken kann

    Der Talentcheck im Talentcenter der WKO Steiermark zeigt Jugendlichen, welche Interessen und Fähigkeiten in ihnen stecken. Der persönliche Talentreport enthält auch passende Berufs- und Ausbildungswege. Wirklich hilfreich wird er aber erst, wenn Schule, Beratung und Eltern die Ergebnisse gemeinsam mit den Jugendlichen weiterdenken.

    Geschicklichkeit und Philosophie – auf den ersten Blick liegen da Welten dazwischen. Bei Raphael kamen beide Bereiche im Talentcheck zusammen.

    „Ich habe die Mischung aus Computer- und praktischen Arbeiten sehr interessant gefunden“, erzählt der Schüler. Dabei entdeckte er nicht nur seine Geschicklichkeit neu. Unter den Möglichkeiten, die sich aus seinen Ergebnissen ergaben, fand sich auch der Philosoph.

    Gerade diese Bandbreite überraschte ihn. Und sie zeigt, worum es beim Talentcheck geht: Jugendliche sollen nicht möglichst schnell in eine berufliche Schublade gesteckt werden. Sie sollen erkennen, wie unterschiedlich ihre Fähigkeiten sein können – und welche Wege sich daraus möglicherweise entwickeln.

    Ein Talentreport sagt daher nicht: Das musst du werden. Er sagt vielmehr: Schau genauer hin, auch dort könnte etwas in dir stecken.

    Ein Bericht, kein Berufsurteil

    Jugendliche der siebenten und achten Schulstufe absolvieren im Talentcenter 48 Teststationen. Dabei geht es um Interessen, kognitive Fähigkeiten, Motorik, Aufnahmefähigkeit sowie allgemeine und berufsrelevante Fertigkeiten.

    Am nächsten Tag steht der persönliche Talentreport online zur Verfügung. Er enthält die einzelnen Ergebnisse und dazu passende Berufs- und Ausbildungswege – von der Lehre über weiterführende Schulen bis zum Studium.

    Wichtig für Eltern: Der Report legt ein Kind nicht auf einen bestimmten Beruf fest. Seine Vorschläge sind Möglichkeiten, keine fertigen Entscheidungen. Auch ein unerwartetes Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass der bisherige Berufswunsch falsch war. Es lädt vielmehr dazu ein, genauer hinzusehen.

    Sabine Sattler-Tremesberger, Leiterin des Talentcenters der WKO Steiermark, beim Pressegespräch zu den „Talent Talks“.

    „Das Talentcenter entwickelt sich laufend weiter – sowohl bei der Testung an sich als auch bei den Angeboten, die wir haben.“

    Sabine Sattler-Tremesberger, Leiterin des Talentcenters der WKO Steiermark

    Seit zehn Jahren kommen Jugendliche aus allen Regionen der Steiermark ins Talentcenter. Mittlerweile begleitet die Einrichtung mit unterschiedlichen Angeboten junge Menschen von 13 Jahren bis zur Matura.

    Für Sattler-Tremesberger endet Berufsorientierung jedoch nicht mit dem fertigen Talentreport. Besonders wichtig ist ihr die Zusammenarbeit mit den Schulen. Werden Jugendliche auf den Besuch vorbereitet und ihre Ergebnisse anschließend gemeinsam besprochen, können sie wesentlich mehr damit anfangen.

    Der zweite Blick macht den Unterschied

    Das zeigt auch eine Befragung unter 2.687 ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern: 35 Prozent der Jugendlichen, deren Talentreport in der Schule nachbereitet wurde, gaben an, dadurch ganz neue Stärken entdeckt zu haben. Ohne Nachbereitung waren es 24,2 Prozent.

    Auch die eigene Einschätzung wurde klarer: Mit schulischer Nachbereitung sagten 74,6 Prozent, ihre Stärken und Talente gut zu kennen. Ohne Nachbereitung waren es 66,5 Prozent.

    Eine Lehrerin, die seit Jahren mit ihren Klassen ins Talentcenter kommt, kennt das Problem aus der Praxis. Viele Jugendliche schauen im Report zuerst auf jene Bereiche, in denen sie vermeintlich schlecht abgeschnitten haben. Deshalb bespricht sie die Ergebnisse in Gruppen, arbeitet mit vorbereiteten Arbeitsblättern und führt bei Bedarf Einzelgespräche.

    Ihr Fazit: „Wenn man das nicht nachbereitet, lässt man zu viel Potenzial liegen.“

    Bitte keine Berufsprüfung am Küchentisch

    Auch Eltern können viel dazu beitragen, dass aus dem Talentreport mehr als ein abgelegtes Dokument wird. Dafür müssen sie weder jedes Ergebnis erklären noch sofort den passenden Ausbildungsweg kennen.

    Ein ruhiges Gespräch reicht für den Anfang. Zum Beispiel mit diesen Fragen:

    • Welches Ergebnis hat dich am meisten überrascht?
    • Welche Aufgabe ist dir besonders leichtgefallen?
    • Welcher Berufsvorschlag war völlig neu für dich?
    • Was davon möchtest du dir genauer ansehen?
    • Gibt es ein Ergebnis, das für dich überhaupt nicht passt?

    Gerade die letzte Frage ist wichtig. Ein Test liefert eine Außenansicht. Wie sich ein Jugendlicher selbst erlebt, gehört ebenso zur Entscheidung.

    Und wenn die Schule nicht nachbereitet?

    Nicht jede Schule kann den Talentreport gleich intensiv im Unterricht behandeln. Eltern finden auf der Website des Talentcenters ein Erklärvideo, einen Leitfaden und weitere Unterlagen zur Nachbereitung.

    Zusätzliche Unterstützung bieten die BerufsInfoZentren des AMS Steiermark. Im Rahmen der neuen „Talent Talks“ sollen Vorbereitung, Talentcheck und persönliche Beratung besser miteinander verbunden werden. Die Beratung ist kostenlos und kann bei Bedarf auch gemeinsam mit den Eltern stattfinden.

    Ein Talentreport kann Jugendlichen die Entscheidung über ihre Zukunft nicht abnehmen. Aber er kann ein Gespräch anstoßen, das ohne ihn vielleicht nie geführt worden wäre.

    Weitere Informationen und Unterlagen für Eltern:
    Talentcenter: Informationen für Jugendliche und Eltern

    Quelle: Presseinformation und Pressegespräch von WKO Steiermark, Arbeiterkammer Steiermark, AMS Steiermark, Universität Graz und Talentcenter vom 7. September 2026; Talentcenter der WKO Steiermark.

  • Wenn Berufsorientierung zur Familienfrage wird

    Wenn Berufsorientierung zur Familienfrage wird

    Lehre oder weiterführende Schule: Welcher Bildungsweg passt zu meinem Kind? Für die siebte Ausgabe von ZUKUNFT MEISTERN möchten wir wissen, welche Fragen, Sorgen und Ängste Eltern und andere Wegbegleiter beschäftigen. Denn nur dann können wir jene Antworten geben, die Familien wirklich helfen.

    Am Küchentisch liegen drei Broschüren, zwei Ausdrucke und ein Handy mit zwölf offenen Tabs. Eigentlich wollte man nur kurz über die Zukunft sprechen.

    Dann fällt ein Satz wie: „Ich will aber …“

    Und schon wird daraus eine Familienkonferenz und Grundsatzdiskussion.

    Die Eltern sehen Sicherheit und Zukunftschancen. Der Nachwuchs sieht Interessen, Freunde und vielleicht einen Beruf, unter dem sich zu Hause noch niemand besonders viel vorstellen kann. Oder es ist genau umgekehrt. Kann alles vorkommen.

    Vielleicht kennen Sie diesen Spagat: Man möchte das eigene Kind entscheiden lassen und gleichzeitig verhindern, dass es sich eine wichtige Tür zu früh verschließt. Schließlich will man nur das Beste. Schwierig wird es, wenn das „Beste“ für Eltern anders aussieht als für ihr Kind.

    Wir wollen nicht entscheiden. Wir wollen zuerst verstehen.

    ZUKUNFT MEISTERN möchte Familien Mut zu einer gut informierten Entscheidung machen. Für oder gegen einen bestimmten Bildungsweg.

    Die Lehre ist dabei eine Möglichkeit. Nicht die einzig richtige und nicht automatisch die zweite Wahl. Wir wollen niemanden von einer Lehre überzeugen. Wir möchten aber verhindern, dass sie ausgeschlossen wird, bevor ihre Chancen, Anforderungen und weiteren Möglichkeiten bekannt sind.

    Sechs Ausgaben haben uns viel Erfahrung gebracht – und vielleicht auch ein wenig Berufsblindheit. Wer sich ständig mit Lehre und Berufsorientierung beschäftigt, hält manches irgendwann für selbstverständlich.

    Aber wissen wir deshalb, welche Frage eine Mutter beschäftigt, die abends vor zwölf geöffneten Internetseiten sitzt? Nein.

    Darum wollen wir vor der Planung der siebten Ausgabe zuhören. Denn erst wenn wir Ihre Fragen und Ängste kennen, können wir die passenden Themen setzen und jene Interviewpartnerinnen und Interviewpartner auswählen, die darauf wirklich hilfreiche Antworten geben können.

    Was beschäftigt Eltern und andere Wegbegleiter?

    Was beschäftigt Sie als Mutter oder Vater? Welche Fragen hören Sie als Tante, Onkel, Oma oder Opa? Wo fehlt Orientierung, wenn ein junger Mensch vor einer Bildungsentscheidung steht?

    • Lehre oder weiterführende Schule: Welche Informationen fehlen, um diese Möglichkeiten fair beurteilen zu können?
    • Chancen und offene Türen: Was möchten Sie über Lehre mit Matura und spätere Bildungswege wissen?
    • KI und neue Berufe: Welche Veränderungen machen Ihnen mit Blick auf die Zukunft Ihres Kindes Sorgen?
    • Begleiten, ohne zu bestimmen: Wie erkennt man, was wirklich zum eigenen Kind passt?
    • Wenn Wünsche auseinandergehen: Wie lässt sich darüber sprechen, ohne dass aus Unterstützung Druck wird?

    Vielleicht erscheint Ihnen Ihre Frage zu einfach oder selbstverständlich. Für uns ist sie genau deshalb wichtig. Wir möchten nicht über den Informationsbedarf von Familien hinwegschreiben.

    Bildung wird oft „vererbt“. Aber macht dieses Erbe glücklich?

    Wie stark das Elternhaus mit Bildungsentscheidungen zusammenhängt, zeigt eine 2026 veröffentlichte IHS-Langzeitstudie von Mario Steiner, Nora Haag und Maria Köpping. Analysiert wurden die Wege von 85.535 jungen Menschen.

    Mit 13 Jahren besuchten 65 Prozent der Kinder von Eltern mit Hochschulabschluss eine AHS. Bei Kindern, deren Eltern höchstens einen Pflichtschulabschluss hatten, waren es 11 Prozent. Mit 16 Jahren befanden sich wiederum 36 Prozent der Burschen, aber nur 20 Prozent der Mädchen in einer Lehrausbildung.

    Die Zahlen sagen nicht, welcher Weg für ein einzelnes Kind der richtige ist – und schon gar nicht, ob er glücklich macht. Sie zeigen aber, warum es wichtig ist, auch die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen.

    Zur IHS-Langzeitstudie von Steiner, Haag und Köpping aus dem Jahr 2026

    Mütter im Talk: Was, wenn das eigene Kind anders entscheidet?

    Wie schwierig es sein kann, die eigene Vorstellung vom richtigen Weg loszulassen, zeigen zwei unserer bisherigen Gespräche.

    Monika Haider-Raunigg erzählt im „Mutter im Talk“, dass sie sich für ihren Sohn Philipp zunächst die Matura gewünscht hatte. Er merkte jedoch, dass ihm praktisches Lernen mehr liegt, und entschied sich für den Weg in eine Lehre zum Zweiradtechniker.

    Auch Ute Khom spricht über Zweifel, Erwartungen und das Loslassen. Obwohl sie selbst in der Berufsorientierung arbeitet, überraschte sie die Entscheidung ihres Sohnes Florentin, das Gymnasium zu verlassen und eine Lehre als Mechatroniker zu beginnen.

    Beide Mütter wollten Sicherheit und möglichst viele Chancen für ihre Kinder. Ihre Söhne fanden diese Chancen nur auf einem anderen Weg als zunächst gedacht.

    Ein Abschluss kann Türen öffnen. Ob ein junger Mensch durchgehen möchte, steht auf einem anderen Blatt.

    Welche Frage sollen wir für Sie klären?

    Welche Information fehlt Ihnen? Welche Sorge sollten wir ernst nehmen? Und wen sollten wir für die siebte Ausgabe von ZUKUNFT MEISTERN unbedingt befragen?

    Schreiben Sie uns Ihre Gedanken gerne in die Kommentare. Wir hören zu, fragen nach und nehmen Ihre Impulse in die Redaktionsplanung auf.

    ZUKUNFT MEISTERN 2027 erscheint einmal jährlich in gedruckter Form und wird steiermarkweit verbreitet. Online begleiten wir Eltern und Jugendliche das ganze Jahr über.

    Wir wollen keinen Weg vorzeichnen. Wir wollen die Fragen beantworten, die Familien helfen, ihren eigenen Weg zu finden.

  • Wird bei der Zukunft gespart?

    Wird bei der Zukunft gespart?

    Warum die Lehre mehr Rückhalt braucht

    Die Wirtschaft schwächelt. Die Stimmung ist schlecht. Und trotzdem fehlt es an Fachkräften.

    Das ist kein Widerspruch. Das ist Demografie.

    Die Babyboomer gehen Schritt für Schritt in Pension. Weniger junge Menschen rücken nach. Betriebe suchen Nachwuchs – und finden ihn nicht immer. Wer jetzt bei Ausbildung spart, löst daher kein Budgetproblem. Er verschiebt es nur: auf die Betriebe, auf die Regionen und auf die nächste Generation.

    Lehrlinge sind nicht die Reservebank des Bildungssystems

    In der Steiermark wurden Ende 2025 laut WKO Steiermark 14.442 Lehrlinge ausgebildet. Das sind 3,3 Prozent weniger als im Jahr davor. Auch bei den Neueintritten zeigt die Kurve nach unten.

    Das ist kein Randthema. Das ist ein Warnsignal.

    Denn Lehrlinge sind jene, die morgen Maschinen warten, Häuser bauen, Anlagen bedienen, Menschen versorgen, Produkte herstellen, Kundinnen beraten und Betriebe am Laufen halten.

    Wenn Universitäten vor Kürzungen warnen, gibt es Proteste, offene Briefe und mediale Aufmerksamkeit. Zu Recht: Forschung und Hochschulen sind wichtig.

    Aber die Lehre ist mindestens genauso entscheidend für die Zukunft des Landes. Nur ist sie leiser. Lehrlinge haben keine so laute Community, keine so sichtbare Lobby und selten dieselbe öffentliche Bühne.

    Genau das macht sie verwundbar. Denn gespart wird politisch gerne dort, wo der Widerstand überschaubar bleibt. Bei der Lehre wäre das fatal kurzsichtig. Wer hier kürzt, spart nicht. Er sägt am Ast, auf dem der Standort sitzt – und verschiebt die Kosten auf Betriebe, Regionen und die nächste Generation.

    Eine Lehrstelle fällt nicht vom Himmel

    Eine Lehrstelle ist kein freier Platz mit Werkzeugkasten. Sie ist eine Investition.

    Ein Betrieb braucht Ausbilderinnen und Ausbilder. Zeit. Material. Maschinen. Kurse. Geduld. Organisation. Und die Bereitschaft, einen jungen Menschen über Jahre aufzubauen.

    Große Unternehmen können das leichter stemmen. Kleine und mittlere Betriebe spüren jeden zusätzlichen Aufwand. Gerade sie sichern aber in vielen Regionen die Ausbildung vor Ort.

    Wenn sie weniger Lehrlinge aufnehmen, verliert nicht nur ein Betrieb Nachwuchs. Dann verliert eine Region an Zukunft.

    Förderungen sind kein Geschenk

    Lehrbetriebsförderungen klingen nach Verwaltung. Tatsächlich geht es um eine einfache Frage: Können Betriebe weiter ausbilden?

    Wenn hier gekürzt wird oder Mittel nicht reichen, trifft das nicht nur Unternehmen. Es trifft Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen.

    Der Staat darf diesen Rückgang nicht noch befeuern.

    Wer Fachkräftemangel beklagt und gleichzeitig bei der Ausbildung spart, sägt an dem Ast, auf dem der Standort sitzt.

    Und KI?

    Auch künstliche Intelligenz wird Berufe verändern. Aber sie wird keine defekte Leitung reparieren, keinen Dachstuhl bauen, keine Pflege übernehmen und keine Maschine vor Ort wieder zum Laufen bringen.

    Praktisches Können bleibt. Technisches Verständnis bleibt. Verlässlichkeit bleibt. Erfahrung bleibt.

    Die Lehre ist kein Bildungsweg zweiter Klasse. Sie ist ein Zukunftsweg.

    Wer bei Ausbildung spart, spart am falschen Ort

    Ein Land, das Fachkräfte braucht, muss dort investieren, wo Fachkräfte entstehen: in Betrieben, Schulen und Hochschulen. Die Lehre verdient dabei mehr Sichtbarkeit.

    Denn Zukunft entsteht dort, wo junge Menschen eine echte Chance bekommen.

    Quellen und Einordnung

    Lehrlingszahlen Steiermark:
    WKO Steiermark, „Wirtschaftliche Lage dämpft Entwicklung am Lehrstellenmarkt“, 23. Jänner 2026. Die WKO nennt für Ende 2025 insgesamt 14.442 Lehrlinge in der Steiermark. Das entspricht einem Rückgang von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einem betrieblichen Lehrverhältnis standen 13.826 Lehrlinge, ein Minus von 3,4 Prozent.
    Quelle: https://www.wko.at/stmk/news/wirtschaftliche-lage-daempft-entwicklung-am-lehrstellenmarkt

    Demografische Einordnung der Lehrlingsentwicklung:
    Wirtschaftskammer Österreich, „Lehre: Warum die Zahl der Ausbildungsbetriebe wirklich sinkt“. Die WKO ordnet den Rückgang der Lehrlingszahlen vor allem demografisch ein und verweist darauf, dass es laut Statistik Austria heute gut 235.000 weniger Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren gibt als vor 45 Jahren.
    Quelle: https://www.wko.at/oe/news/medienservice-lehre-warum-zahl-ausbildungsbetriebe-wirklich-sink

    Fachkräftemangel trotz schwacher Wirtschaft:
    Wirtschaftskammer Österreich, „WKO Fachkräfte-Radar: Gemeinsam Fachkräfte sichern“. Die WKO verweist darauf, dass die Suche nach Arbeits- und Fachkräften trotz schwacher Wirtschaftsleistung eine zentrale Herausforderung bleibt.
    Quelle: https://www.wko.at/fachkraefte/arbeitskraefteradar

    Förderungen für Lehrbetriebe:
    Wirtschaftskammer Österreich, „Förderungen für Lehrbetriebe“. Die Übersicht nennt unter anderem Förderungen rund um zusätzliche Berufsschulstufen, Weiterbildung von Ausbilderinnen und Ausbildern sowie weitere Unterstützungsmaßnahmen in der Lehrlingsausbildung.
    Quelle: https://www.wko.at/lehre/gesamtuebersicht-foerderarten-lehre

    Basisförderung für Lehrbetriebe:
    Wirtschaftskammer Österreich, „Basisförderung“. Die WKO beschreibt die Basisförderung als Förderung der Ausbildung eines Lehrlings über ein Lehrjahr. Die Förderung wird nach Ablauf des jeweiligen Lehrjahres gewährt.
    Quelle: https://www.wko.at/lehre/basisfoerderung

    Uni-Budgetdebatte als Vergleich zur öffentlichen Sichtbarkeit:
    ORF.at, „Sparpläne bringen Tausende auf die Straße“, 27. Mai 2026. Der ORF berichtet über Demonstrationen gegen geplante Kürzungen im Universitätsbudget.
    Quelle: https://orf.at/stories/3431550/

  • Das Handyexperiment: was bleibt davon im Familienalltag?

    Das Handyexperiment: was bleibt davon im Familienalltag?

    ZUKUNFT MEISTERN sucht steirische Jugendliche und Eltern für einen ehrlichen Langzeit-Check zum ORF-Handyexperiment

    Drei Wochen kein Smartphone, kein TikTok, kein Snapchat, kein ständiges Aufblinken am Display: Mehr als 72.000 Kinder und Jugendliche haben im März 2026 beim großen ORF-„Dok 1“-Handyexperiment mitgemacht. Die wissenschaftliche Auswertung zeigt deutliche Effekte auf Schlaf, Wohlbefinden und Internetnutzung. Doch die eigentlich spannende Frage stellt sich erst danach: Was bleibt davon, wenn der Alltag längst wieder zurück ist?

    Drei Wochen ohne Smartphone. Für Erwachsene schon schwer vorstellbar, für Jugendliche beinahe wie ein Ausstieg aus ihrem Leben. Denn am Handy hängt längst nicht nur Unterhaltung. Dort laufen Freundschaften, Klassenchats, Verabredungen, Nachrichten, Musik, Videos – und oft auch das Gefühl, dazuzugehören.

    Trotzdem haben sich im März 2026 mehr als 72.000 Kinder und Jugendliche aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol auf genau dieses Experiment eingelassen. Fast 600 Schulen in Österreich beteiligten sich. Drei Wochen lang sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Smartphone und Social Media verzichten. Wissenschaftlich begleitet wurde das Experiment vom Anton Proksch Institut und der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien.

    Knapp 46.000 Kinder und Jugendliche nahmen an der wissenschaftlichen Begleitforschung teil. Befragt wurden sie vor Beginn des Experiments, unmittelbar nach den 21 Tagen sowie nochmals fünf Wochen später.

    Weniger Handy, besserer Schlaf, mehr Wohlbefinden

    Die Ergebnisse sind bemerkenswert. Laut der auf science.ORF.at veröffentlichten wissenschaftlichen Auswertung verringerten sich Ein- und Durchschlafstörungen nach den drei Wochen ohne Smartphone um 23 Prozent. Das psychische Wohlbefinden stieg insgesamt um etwa 18 Prozent.

    Auch bei depressiven Symptomen zeigte sich eine Verbesserung: Der Anteil der Kinder und Jugendlichen ohne depressive Symptome erhöhte sich um rund 15 Prozent. Dieser positive Effekt war laut Auswertung auch fünf Wochen nach Ende des Experiments noch feststellbar.

    Ein weiterer Befund betrifft die Internetnutzung selbst: Vor Beginn des Experiments zeigten 71 Prozent der Befragten ein problematisches, riskantes oder pathologisches Internetnutzungsverhalten. Nach dem Handyverzicht lag dieser Anteil bei 58 Prozent.

    Und noch etwas ist wichtig: Der Verzicht auf das Smartphone führte laut Auswertung nicht dazu, dass sich die Jugendlichen sozial isolierter fühlten. Viele füllten die plötzlich freie Zeit anders: mit Gesprächen, Musik, Bewegung, gemeinsamen Aktivitäten oder einfach mit dem, was im digitalen Dauerrauschen oft kaum noch Platz bekommt – Langeweile, aus der wieder eigene Ideen entstehen können.

    Zwei Drittel hielten die drei Wochen durch

    Drei Wochen ohne Smartphone sind lang. Vor allem dann, wenn fast das gesamte soziale Leben normalerweise über dieses Gerät läuft. Trotzdem hielten rund zwei Drittel der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen das Experiment über die gesamten 21 Tage durch.

    Das ist nicht deshalb bemerkenswert, weil Jugendliche nun grundsätzlich auf ihre Handys verzichten sollen. Es zeigt vielmehr: Junge Menschen sind sehr wohl bereit, ihren digitalen Alltag zu hinterfragen, wenn sie dabei begleitet werden und die Erfahrung gemeinsam machen können.

    Doch genau hier beginnt die Frage, die Familien besonders betrifft.

    Was passiert, wenn die Challenge vorbei ist?

    Während des Experiments waren viele Jugendliche nicht allein. Freundinnen und Freunde, Schulklassen und Lehrkräfte machten gemeinsam mit. Wer sein Smartphone ausgeschaltet hatte, musste weniger Angst haben, im Gruppenchat etwas zu verpassen oder bei sozialen Kontakten außen vor zu bleiben.

    Aber wie ist es Monate später?

    Was passiert, wenn WhatsApp wieder ständig piepst, TikTok wieder lockt und die Freundinnen und Freunde längst wieder online sind? Bleibt von den drei Wochen etwas im eigenen Alltag zurück? Wird das Handy bewusster genutzt? Gibt es zuhause neue Regeln? Liegt es beim Essen vielleicht öfter weg? Oder war das Experiment eine starke Erfahrung, die im normalen Schul- und Familienleben dennoch rasch wieder verblasst ist?

    Gerade für Eltern ist diese Frage entscheidend. Denn Medienerziehung funktioniert selten über Verbote allein. Sie beginnt dort, wo Familien gemeinsam hinschauen: Wie oft greifen wir selbst zum Handy? Wann stört es Gespräche, Schlaf oder gemeinsame Zeit? Und welche Regeln gelten nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene?

    Der Familien-Check: Was haben auch die Eltern gelernt?

    Ein Smartphone-Verzicht betrifft nicht nur Jugendliche. Eltern mussten begleiten, zuhören, vielleicht auch Frust aushalten. Manche werden erlebt haben, dass ihr Kind unruhiger oder gelangweilter war. Andere vielleicht, dass plötzlich wieder mehr gesprochen, gelesen, gespielt oder gemeinsam unternommen wurde.

    Doch haben auch die Erwachsenen etwas verändert?

    Wer von Jugendlichen verlangt, beim Essen das Handy wegzulegen, muss sich irgendwann auch selbst fragen, ob die berufliche Nachricht wirklich noch am Abend beantwortet werden muss. Wer Bildschirmzeiten begrenzen möchte, kommt am eigenen Scrollen kaum vorbei.

    Das Handyexperiment war deshalb nicht nur ein Test für Jugendliche. Es war möglicherweise auch ein Spiegel für Familien.

    ZUKUNFT MEISTERN sucht steirische Familien: Was ist geblieben?

    Für die Ausgabe ZUKUNFT MEISTERN 2027 möchten wir nicht nur über Zahlen sprechen, sondern mit jenen, die das Experiment tatsächlich erlebt haben.

    Wir suchen ein Eltern-Kind-Gespann aus der Steiermark, das im März 2026 am ORF-„Dok 1“-Handyexperiment teilgenommen hat und bereit ist, einige Monate später ehrlich Bilanz zu ziehen.

    Uns interessiert nicht die perfekte Erfolgsgeschichte. Uns interessiert der Alltag.

    War der Verzicht leichter, weil die Klasse oder Freundinnen und Freunde ebenfalls mitgemacht haben? Was war in den drei Wochen besonders schwierig? Gab es Momente, in denen plötzlich etwas anderes möglich wurde? Wird das Smartphone heute bewusster genutzt – oder ist längst wieder alles wie davor? Welche Regeln haben sich in der Familie verändert? Und haben auch die Eltern ihren eigenen Handykonsum neu betrachtet?

    Wir möchten diese Erfahrung ohne erhobenen Zeigefinger erzählen: ehrlich, persönlich und mit dem Blick darauf, was Familien aus einem außergewöhnlichen Experiment für den eigenen Alltag mitnehmen können.

    Sie haben mitgemacht?

    Dann schreiben Sie uns:

    Kontakt: hoedl@zukunftmeistern.at

    Wir freuen uns auf eine steirische Familie, die bereit ist, offen über ihre Erfahrung mit unserer Redaktion zu sprechen.


    Quelle

    Romana Beer: „Zehntausende Jugendliche auf Handyentzug“, science.ORF.at, veröffentlicht am 27. Mai 2026. Wissenschaftliche Begleitung des ORF-„Dok 1“-Handyexperiments durch das Anton Proksch Institut und die Sigmund Freud PrivatUniversität Wien.

  • Was kommt nach der Pflichtschule? Orientierung für Eltern und Jugendliche

    Was kommt nach der Pflichtschule? Orientierung für Eltern und Jugendliche

    Das Ende der Pflichtschulzeit ist ein großer Moment.
    Für Jugendliche. Und für Eltern.

    Plötzlich steht viel offen: Lehre, Schule, Pause, Umwege.
    Und oft auch Unsicherheit – auf beiden Seiten.

    Im aktuellen ZUKUNFT-MEISTERN-Interview spricht Elke Lambauer, Geschäftsführerin der Koordinierungsstelle Steiermark AusBildung bis 18 / Ausbildung-Beruf (KOST), darüber, warum diese Übergangsphase heute besonders sensibel ist – und wie Eltern ihre Kinder gut begleiten können, ohne Druck aufzubauen.

    Sie erklärt,

    • warum Orientierung wichtiger ist als schnelle Entscheidungen,
    • weshalb Gespräche über den eigenen Berufsalltag so prägend sind,
    • und warum Jugendliche Raum brauchen, um ihre eigene Perspektive zu entwickeln.

    Die KOST Steiermark unterstützt genau dann, wenn nach der Pflichtschulzeit Fragen entstehen – mit Information, Beratung und konkreten nächsten Schritten für Jugendliche und Eltern KOST Lambauer.

    👉 Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen ZUKUNFT-MEISTERN ePaper.


    Ein Gespräch, das Eltern stärkt – und jungen Menschen Orientierung gibt. Wer mehr erfahren möchte, findet hier die Website der KOST Steiermark. Im anschließenden Video erklärt Geschäftsführerin Elke Lambauer, wie Jugendliche und Eltern am Übergang von Schule zu Ausbildung unterstützt werden. https://ausbildungbis18.at/kost/steiermark/

  • Step by Step in die Zukunft: Talente erkennen, bevor man entscheidet

    Step by Step in die Zukunft: Talente erkennen, bevor man entscheidet

    Zukunft fühlt sich für Jugendliche oft an wie ein riesiger Fragebogen – nur ohne Lösungsteil.
Und für Eltern wie ein Navigationssystem, das ständig „Route wird neu berechnet“ sagt.


    Die gute Nachricht: Man muss nicht alles wissen, um loszugehen.
 Man muss nur wissen, wo die eigenen Stärken liegen. Genau dafür gibt es in der Steiermark einen Ort, der Orientierung greifbar macht: das Talentcenter der WKO Steiermark. Dort werden Talente und berufsrelevante Fähigkeiten analysiert – und in konkrete Impulse übersetzt. Nicht als Schublade. Sondern als Startpunkt.


    Was das bringt? Vor allem Klarheit. Denn oft klaffen Selbst- und Fremdbild auseinander – viele unterschätzen sich. Sabine Sattler-Tremesberger, Leiterin des Talentcenters, beschreibt den Talentcheck deshalb als Ausgangsbasis: Danach beginnt das eigentliche Tun – recherchieren, Menschen ausfragen, schnuppern, Erfahrungen sammeln.


    Und genau deshalb haben wir von ZUKUNFT MEISTERN hingeschaut, nachgefragt und begleitet: Wir haben mit dem Talentcenter gesprochen – und auch mit Olivia Menzel, Lehrerin an der Mittelschule Anger, die ihre Klasse nicht nur zum Talentcheck führt, sondern die Ergebnisse anschließend gemeinsam mit Jugendlichen und Eltern aufarbeitet. Weil Orientierung nicht im Alleingang entsteht, sondern im Gespräch – und weil Entscheidungen leichter werden, wenn Stärken sichtbar sind.


    👉 Wie der Talentcheck abläuft, warum er oft überraschende Perspektiven eröffnet – und welche Schritte danach wirklich helfen – lesen Sie im E-Paper der aktuellen Ausgabe von ZUKUNFT MEISTERN.


    Mehr Infos zum Talentcenter:
👉 www.talentcenter.at