Die ÖBB haben ihre Lehrwerkstätte in Graz erweitert. Auf rund 640 zusätzlichen Quadratmetern sind moderne Labor-, EDV- und Schulungsräume entstanden. Dadurch können künftig jedes Jahr rund 20 Jugendliche mehr ihre ÖBB-Lehre in Graz beginnen. Insgesamt wurden rund 1,7 Millionen Euro investiert.
„Irgendetwas mit Technik“ – so beginnt bei Jugendlichen nicht selten die Suche nach dem passenden Beruf. Aber welche Technik? Elektrotechnik, Metalltechnik, Mechatronik oder vielleicht ein Beruf, den man bisher noch gar nicht am Radar hatte?
Wer sich für Züge, Mobilität, Technik oder große Anlagen interessiert, sollte jedenfalls einen Blick auf die Lehrberufe der ÖBB werfen. Denn in Graz gibt es dafür jetzt nicht nur mehr Platz. Die Ausbildung ist auch in ein steirisches Umfeld eingebettet, in dem Bahnindustrie, Forschung und Transportlogistik eine wichtige Rolle spielen.
Was wurde in der ÖBB-Lehrwerkstätte Graz erweitert?
Die Umbauarbeiten in der Grazer Lehrwerkstätte wurden im März 2026 begonnen und rechtzeitig zum Start des neuen Ausbildungsjahres im September abgeschlossen.
Auf einer zusätzlichen Fläche von rund 640 Quadratmetern entstanden:
- moderne Labor- und Schulungsräume,
- EDV-Schulungsräume,
- ein Elektrolabor,
- neue Sozialräume,
- Sanitäranlagen und Garderoben,
- ein barrierefreies WC sowie
- ein eigener Erste-Hilfe-Raum.
Auch die Zahl der Ausbilderinnen und Ausbilder wurde erhöht. Pro Jahr können dadurch in Graz rund 20 zusätzliche Lehrlinge aufgenommen werden.
Das klingt zunächst nach einer eher nüchternen Baustellenmeldung. Für Jugendliche und ihre Familien bedeutet es aber etwas sehr Konkretes: mehr Ausbildungsplätze und modernere Bedingungen für eine technische Lehre in Graz.
So viele ÖBB-Lehrlinge wie noch nie
Mit Beginn des Ausbildungsjahres im September 2026 haben österreichweit 721 Jugendliche ihre Lehre bei den ÖBB begonnen. Insgesamt befinden sich aktuell 2.421 Lehrlinge im ÖBB-Konzern in Ausbildung. Laut Unternehmen ist das ein neuer Höchststand.
Auch das Interesse an einer ÖBB-Lehre ist groß: Rund 10.000 Bewerbungen gingen beim Unternehmen ein. Wer sich für eine Lehrstelle bei den ÖBB interessiert, sollte sich daher rechtzeitig informieren und nicht erst dann mit der Suche beginnen, wenn eine Bewerbungsfrist beinahe vorbei ist.
„Die Fachkräfte von morgen fallen nicht vom Himmel. Wer Fachkräfte braucht, muss diese auch konsequent ausbilden.“
Roman Hebenstreit, Vorsitzender des ÖBB-Konzernbetriebsrats
Für Eltern ist dabei wichtig: Nicht jedes Kind muss schon Jahre im Voraus einen ganz konkreten Berufswunsch haben. Ein sinnvoller erster Schritt kann auch sein, gemeinsam herauszufinden, ob die Interessen eher im technischen, kaufmännischen oder digitalen Bereich liegen.
Welche Lehrberufe bieten die ÖBB an?
Die ÖBB bieten österreichweit 26 unterschiedliche Lehrberufe im technischen und kaufmännischen Bereich an. Welche Lehrstellen aktuell in Graz oder an anderen steirischen Standorten ausgeschrieben sind, kann sich allerdings von Jahr zu Jahr unterscheiden.
Jugendliche und Eltern sollten daher direkt bei den aktuellen Stellenausschreibungen prüfen:
- Welcher Lehrberuf wird angeboten?
- An welchem Standort findet die Ausbildung statt?
- Welche Voraussetzungen werden verlangt?
- Wann beginnt die Ausbildung?
- Bis wann ist eine Bewerbung möglich?
Auch eine Lehre mit Matura ist bei den ÖBB grundsätzlich möglich.
Video: „Mach den nächsten Schritt mit einer Lehre bei den ÖBB!“ © ÖBB/unsereOEBB
Eine Lehre bei der Bahn ist nicht gleich Lokführer
Bei „Arbeiten bei der Bahn“ denken viele Menschen zuerst an Lokführerinnen und Lokführer oder Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter. Doch hinter dem System Bahn stehen wesentlich mehr Berufe.
Züge müssen gewartet, technische Anlagen überprüft, elektronische Systeme gesteuert und Schienenwege instand gehalten werden. Hinzu kommen Aufgaben in der Logistik, in kaufmännischen Bereichen und zunehmend auch in der Digitalisierung.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur den Namen des Unternehmens anzusehen, sondern den konkreten Lehrberuf genau unter die Lupe zu nehmen.
Manche Jugendliche arbeiten gerne praktisch und möchten am Ende des Tages sehen, was sie geschafft haben. Andere tüfteln lieber an elektronischen Systemen, interessieren sich für Computer oder behalten auch bei komplexen Abläufen den Überblick.
Eltern können dabei mit Fragen helfen:
- Arbeitet mein Kind gerne mit Werkzeug und Maschinen?
- Interessiert es sich für Elektronik oder digitale Systeme?
- Möchte es überwiegend praktisch arbeiten?
- Kann es sich für technische Zusammenhänge begeistern?
- Arbeitet es gerne im Team?
- Wie wichtig sind Genauigkeit und Verantwortungsbewusstsein in diesem Beruf?
- Passt das Arbeitsumfeld tatsächlich zu meinem Kind?
Denn ein bekannter Unternehmensname allein macht noch keinen passenden Lehrberuf. Entscheidend ist, ob Aufgaben, Arbeitsumfeld und persönliche Stärken zusammenpassen.
Früh informieren – gemeinsam, aber nicht anstelle des Kindes
Eltern können bei der Lehrstellensuche vieles erleichtern: gemeinsam Angebote vergleichen, an Bewerbungsfristen erinnern oder beim ersten Durchsehen der Bewerbungsunterlagen helfen.
Die eigentliche Entscheidung und die Bewerbung sollten aber beim Jugendlichen bleiben. Schließlich muss nicht die Mutter oder der Vater jeden Morgen gerne in die Lehrwerkstätte gehen.
Hilfreich ist es, die angebotenen Lehrberufe gemeinsam anzusehen und anschließend das Kind erzählen zu lassen: Was klingt interessant? Was eher nicht? Und warum?
Oft wird in einem solchen Gespräch schneller klar, welche Richtung passen könnte, als durch die große Frage: „Was willst du einmal werden?“
ÖBB-Lehre in Graz: Die wichtigsten Zahlen
- Erweiterung der Lehrwerkstätte: rund 640 Quadratmeter
- Investition: rund 1,7 Millionen Euro
- Zusätzliche Ausbildungsplätze in Graz: rund 20 pro Jahr
- Neue ÖBB-Lehrlinge im September 2026: 721
- Lehrlinge im gesamten ÖBB-Konzern: 2.421
- Bewerbungen: rund 10.000
- Lehrberufe bei den ÖBB: 26 technische und kaufmännische Ausbildungen
Warum Bahnberufe in der Steiermark Zukunft haben
Ein Arbeitsplatz ist nie automatisch für alle Zeiten sicher. Mehrere Entwicklungen sprechen aber dafür, dass gut ausgebildete Fachkräfte rund um Bahn, Technik und Transportlogistik langfristig gebraucht werden.
Die Koralmbahn verändert die Mobilität im Süden
Die Koralmbahn wurde im Dezember 2025 offiziell eröffnet. Die rund 130 Kilometer lange Strecke schafft eine direkte Bahnverbindung zwischen Graz und Klagenfurt und ist ein zentraler Teil der neuen österreichischen Südstrecke.
Davon profitiert nicht nur der Personenverkehr. Die Südstrecke ist auch für den Gütertransport in Richtung Südosteuropa und zu den Adriahäfen von Bedeutung. Auf der ausgebauten Bahnverbindung können längere und schwerere Güterzüge geführt werden. Das verbessert die Voraussetzungen dafür, Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern.
Damit gewinnt Graz als Verkehrsknotenpunkt weiter an Bedeutung. Wo mehr Menschen und Waren auf der Schiene unterwegs sind, werden Fachkräfte für Betrieb, Technik, Wartung, Infrastruktur, Digitalisierung und Logistik benötigt.
Graz wird für die Transportlogistik wichtiger
Auch das Cargo Center Graz in Werndorf wird weiter ausgebaut. Der Standort liegt am Schnittpunkt wichtiger europäischer Verkehrsachsen und verbindet Straße und Schiene.
Das Land Steiermark verwies bereits bei der Ankündigung des Ausbaus darauf, dass durch die Koralmbahn zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr notwendig werden. Neue Terminalgleise, Portalkräne, Werkstätten sowie weitere Container- und Betriebsflächen sollen den Standort für den kombinierten Verkehr stärken.
Die Bahn ist also längst nicht nur Personenverkehr. Sie ist ebenso ein wichtiger Teil moderner Transportketten: Güter werden verladen, Verbindungen geplant, technische Anlagen gesteuert und digitale Systeme überwacht.
In der Steiermark wird Bahntechnik nicht nur angewendet
Die Steiermark verfügt außerdem über Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die an der Weiterentwicklung des Systems Bahn arbeiten.
Im an der TU Graz gegründeten „Research Cluster Railway Systems“ beschäftigen sich Partner aus Forschung und Industrie unter anderem mit Schienenfahrzeugtechnik, Bahninfrastruktur, Bahnbetrieb und digitaler Transformation. Auch Simulationen, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge spielen dabei eine Rolle.
Beteiligt sind beziehungsweise waren unter anderem die TU Graz, die ÖBB, Siemens Mobility, voestalpine und das Forschungszentrum Virtual Vehicle.
Die Steiermark ist damit nicht nur ein Standort, an dem Züge fahren. Hier wird auch an Technologien für die Bahn von morgen geforscht und gearbeitet.
Was bedeutet das für Jugendliche?
Eine ÖBB-Lehre führt nicht in eine kleine technische Nische. Dahinter steht ein breites berufliches Umfeld, das von Elektrotechnik und Metalltechnik über digitale Systeme bis zu Verkehr und Logistik reicht.
Für Jugendliche, die gerne praktisch arbeiten, technische Zusammenhänge verstehen und an der Mobilität von morgen mitwirken möchten, kann die Bahn deshalb eine interessante berufliche Perspektive sein.
Entscheidend bleibt trotzdem: Nicht nur die Branche sollte Zukunft haben. Der konkrete Lehrberuf muss auch zu den Interessen und Stärken des jungen Menschen passen.
Häufige Fragen zur ÖBB-Lehre in Graz
Wie viele zusätzliche Lehrlinge können in Graz aufgenommen werden?
Durch die Erweiterung der Grazer Lehrwerkstätte können die ÖBB künftig pro Jahr rund 20 zusätzliche Lehrlinge in Graz aufnehmen.
Wann wurde die erweiterte Lehrwerkstätte eröffnet?
Die Erweiterung wurde im September 2026 rechtzeitig zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres fertiggestellt.
Wie viel wurde in die ÖBB-Lehrwerkstätte Graz investiert?
Nach Angaben der ÖBB wurden rund 1,7 Millionen Euro in den Ausbau und die neuen Ausbildungsräume investiert.
Wie groß ist die Erweiterung?
Die zusätzliche Fläche umfasst rund 640 Quadratmeter. Darauf befinden sich unter anderem neue Labor-, EDV- und Schulungsräume.
Welche ÖBB-Lehrberufe gibt es in Graz?
Welche Lehrberufe in Graz tatsächlich ausgeschrieben sind, muss jeweils bei den aktuellen Stellenangeboten geprüft werden. Konzernweit bieten die ÖBB 26 technische und kaufmännische Lehrberufe an.
Ist bei den ÖBB eine Lehre mit Matura möglich?
Ja. Nach Angaben der ÖBB kann die Ausbildung grundsätzlich mit der Lehre mit Matura verbunden werden. Die konkreten Voraussetzungen sollten rechtzeitig mit dem Unternehmen und der zuständigen Berufsschule geklärt werden.
Wo können sich Jugendliche für eine ÖBB-Lehre bewerben?
Aktuelle Lehrstellen, Ausbildungsstandorte, Voraussetzungen und Informationen zum Bewerbungsprozess finden Jugendliche und Eltern im Karriereportal der ÖBB: Lehre und Karriere bei den ÖBB
Quellen
- ÖBB, 7. September 2026: „ÖBB starten mit Rekord ins neue Lehrjahr und nehmen erweiterte Grazer Lehrwerkstätte in Betrieb“, ÖBB-Presseinformation
- ÖBB, laufend aktualisiert: Informationen zu Lehrberufen, Ausbildung und Bewerbung, ÖBB-Karriereportal
- ÖBB-Infrastruktur AG, ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum: Informationen zur Koralmbahn und zur österreichischen Südstrecke, Die Südstrecke im Überblick
- ÖBB-Holding AG, Geschäftsbericht 2025, veröffentlicht 2026: Angaben zur offiziellen Eröffnung der Koralmbahn am 12. Dezember 2025, ÖBB-Geschäftsbericht 2025
- Land Steiermark, 24. Oktober 2024: „Neue Ära des Güterverkehrs in der Steiermark“, Ausbau des Cargo Terminals Graz
- TU Graz, 22. Juni 2021: „Die Zukunft auf Schienen: Gesamtsystem Bahn – die Steiermark als internationales Forschungs- und Innovationszentrum“, Research Cluster Railway Systems

